"Von Seelenruhe und schlafen können" (Kurzgeschichte)
"Wenn sich die Probleme anderer in Luft auflösen, dann weiß ich ziemlich sicher, was ich so einatme."
Besonnen und gefasst umarmt die Windstille ihre naturgegebene Seelenruhe.
Baumkronen erstarren im Takt und lassen ihr Kleid gemächlich in Position gleiten, bis selbst ihr Schatten keinen Zentimeter mehr zu weichen scheint.
Vereinzelte Wolken ignorieren ihre Bahnen und verschmelzen mit festen Punkten am strahlend blauen Weltendach.
Schweigend umschmeichelt der erste Frühlingsduft seine Nase und füllt angenehm wohltuend die Lungen bis zum Anschlag, während sich seine Augenlider, wie von selbst, schließen, um dem Klang der Stille rechtmäßig die Pforten zu öffnen.
Vor einigen Wochen noch gab es kaum einen Moment, indem er sich hätte fallen lassen können, völlig und ehrlich. Seine Freundin, Jessica, übte regen Druck auf ihn aus, ohne auch nur ansatzweise über seine Gemütslage und Gedankenwelt Bescheid zu wissen. Wie auch, wusste er nicht einmal selbst in welche Richtung, für welchen Schritt, er sich entscheiden würde. Beklemmend war der Gedanke nicht zu wissen, welcher Weg an welches Ziel führe.
Auf der einen Seite bat ihm sich die Möglichkeit sein Schicksal zu akzeptieren, möglichst viel bewusst zu genießen, nicht zu kämpfen und somit folglich zu verlieren, auf der anderen Seite blieb ihm zwar eine minimale Chance, aber zu welchem Preis?
Schwach und gebrechlich, geplagt von Übelkeit, Erschöpfung und körperlichem Zerfall, sowie mit möglichen Depressionen hätte er seinen Kampf annehmen können. Leiden, das keinen Erfolg in Aussicht stellt, nimmt niemand ohne Weiteres auf sich.
Während ihn Jessica wieder und wieder zum Kampf ermahnte, hielt sich sein Vater zurück, obwohl ihm ausgerechnet dieser schon des öfteren die schwersten Entscheidungen abgenommen oder ihm zumindest wertvolle Ansätze auf seiner Entscheidungsfindung mitgegeben hatte.
Dass es kein Problem gäbe, das sich nur durch bloßes Nachdenken nicht noch weiter verschärfen ließe, begriff er allerdings auch ohne Zutun seines Vaters bereits nach kurzer Dauer.
"Ich weiß, Alex. Es ist nicht fair und auch nicht die beste Zeit."
Jessicas Stimme reißt ihn aus seinen Gedanken und seine Augen auf. Sein Blick schweift einen kleinen Moment über die Wiese und die Bäume des Kölner Stadtgartens, über die ersten Gänseblümchen und Narzissen, die den tröstenden Frühling zu begrüßen scheinen, bis hin auf die kitschig, rosarote Wolldecke, auf der beide, an einer großen Eiche angelehnt, sitzen, bevor er dann letztlich auf ihren Lippen landet.
"Aber, weißt du, es ist nun mal unsere Zeit."
Schwach und gebrechlich, geplagt von Übelkeit, Erschöpfung und körperlichem Zerfall, sowie mit möglichen Depressionen hätte er seinen Kampf annehmen können. Leiden, das keinen Erfolg in Aussicht stellt, nimmt niemand ohne Weiteres auf sich.
Während ihn Jessica wieder und wieder zum Kampf ermahnte, hielt sich sein Vater zurück, obwohl ihm ausgerechnet dieser schon des öfteren die schwersten Entscheidungen abgenommen oder ihm zumindest wertvolle Ansätze auf seiner Entscheidungsfindung mitgegeben hatte.
Dass es kein Problem gäbe, das sich nur durch bloßes Nachdenken nicht noch weiter verschärfen ließe, begriff er allerdings auch ohne Zutun seines Vaters bereits nach kurzer Dauer.
"Ich weiß, Alex. Es ist nicht fair und auch nicht die beste Zeit."
Jessicas Stimme reißt ihn aus seinen Gedanken und seine Augen auf. Sein Blick schweift einen kleinen Moment über die Wiese und die Bäume des Kölner Stadtgartens, über die ersten Gänseblümchen und Narzissen, die den tröstenden Frühling zu begrüßen scheinen, bis hin auf die kitschig, rosarote Wolldecke, auf der beide, an einer großen Eiche angelehnt, sitzen, bevor er dann letztlich auf ihren Lippen landet.
"Aber, weißt du, es ist nun mal unsere Zeit."
Alexander wendet seinen Blick wieder gen Boden, schüttelt bedacht mit dem Kopf und säuselt mutlos: "Lungenkrebs..."
"Du hast die richtige Entscheidung getroffen! Wir packen das.", versucht Jessica überzeugend zu wirken.
"Ob ich mich richtig entschieden habe, wird sich noch zeigen. Du kennst die Statistiken ebenso gut, wie ich."
Nun starrt auch sie auf das Grasstück vor ihren Füßen..
Eine leichte Briese lässt die Blätter über ihnen rascheln und unterbricht nach einigen Sekunden die bereits unangenehme Ruhe nach Alex' Worten.
"Weißt du, Alex? Ich verstehe dich nicht. Möchtest du dich denn wirklich mühelos aufgeben? Man, es gibt doch so viel, wofür es sich zu kämpfen lohnt!", motiviert Jessica aus vollster Überzeugung.
"Ich werde die Chemotherapie doch machen, verdammt!"
"Aber du siehst sie als etwas Negatives an."
"Ist sie es denn nicht?"
"Sie ist deine Chance, unsere Chance! Sie ist der einzige Weg."
"Jessi, du kennst die Statistiken! Nur 8% überleben, bei denen diese Diagnose in diesem Stadium gestellt wird."
Jessica holt tief Luft, da ihr diese Worte, obwohl ihr die Tatsachen bereits bewusst waren, die Kehle zuschnüren.
"Alex...", beginnt sie langsam, "... du bist jung. Du bist grad mal 26, keine 50. Du rauchst nicht. Du bist fit.", zählt sie auf. "Du... du... du musst das schaffen. Es wird alles wieder gut."
Alexander neigt sein brünettes Haupt zur Seite, schüttelt erneut den Kopf und richtet sich auf, ohne seine Freundin einmal anzuschauen.
"Du willst mich einfach nicht verstehen.", erwidert er. "Ich sollte mich mit meinem Schicksal abfinden und nicht pokern. Die Zeit, die mir noch bleibt, sollte ich halbwegs sinnvoll gestalten, anstatt mir regelmäßig eine giftige Dosis abzuholen, die mir im Zweifelsfall noch ein Bisschen Zeit einbringt, diese dann aber mit Qualen schmückt, die ich mir wirklich nicht vorstellen möchte. Was ist das denn? Was ist das, was du für mich möchtest? Verschwendete Restzeit, in der ich meine motorischen Fähigkeiten verliere und wahrscheinlich absolut verwirrt ins Bett pisse?"
Jessica blickt ihn mit Tränen in den Augen an und erhebt sich ebenfalls. Sie greift nach seiner Hand, welche er ihr wieder entreißt.
Er beginnt erneut: "Es ist mein Leben. Es sind meine letzten Monate, vielleicht auch nur noch Wochen, verstehst du denn nicht?"
Er blickt sie ebenfalls mit tränenden Augen an, wischt sich diese aber sogleich wieder weg und wendet seinen Blick erneut ab.
"Ich werde diese Chemo machen, mach dir da mal keine Sorgen.
Es ist nur... wichtig wäre für mich, dass ich eine Entscheidung treffe, egal welche, mit der ich Nachts noch ruhig schlafen kann. Und genau das kann ich in diesem Fall eben nicht.
"Du hast die richtige Entscheidung getroffen! Wir packen das.", versucht Jessica überzeugend zu wirken.
"Ob ich mich richtig entschieden habe, wird sich noch zeigen. Du kennst die Statistiken ebenso gut, wie ich."
Nun starrt auch sie auf das Grasstück vor ihren Füßen..
Eine leichte Briese lässt die Blätter über ihnen rascheln und unterbricht nach einigen Sekunden die bereits unangenehme Ruhe nach Alex' Worten.
"Weißt du, Alex? Ich verstehe dich nicht. Möchtest du dich denn wirklich mühelos aufgeben? Man, es gibt doch so viel, wofür es sich zu kämpfen lohnt!", motiviert Jessica aus vollster Überzeugung.
"Ich werde die Chemotherapie doch machen, verdammt!"
"Aber du siehst sie als etwas Negatives an."
"Ist sie es denn nicht?"
"Sie ist deine Chance, unsere Chance! Sie ist der einzige Weg."
"Jessi, du kennst die Statistiken! Nur 8% überleben, bei denen diese Diagnose in diesem Stadium gestellt wird."
Jessica holt tief Luft, da ihr diese Worte, obwohl ihr die Tatsachen bereits bewusst waren, die Kehle zuschnüren.
"Alex...", beginnt sie langsam, "... du bist jung. Du bist grad mal 26, keine 50. Du rauchst nicht. Du bist fit.", zählt sie auf. "Du... du... du musst das schaffen. Es wird alles wieder gut."
Alexander neigt sein brünettes Haupt zur Seite, schüttelt erneut den Kopf und richtet sich auf, ohne seine Freundin einmal anzuschauen.
"Du willst mich einfach nicht verstehen.", erwidert er. "Ich sollte mich mit meinem Schicksal abfinden und nicht pokern. Die Zeit, die mir noch bleibt, sollte ich halbwegs sinnvoll gestalten, anstatt mir regelmäßig eine giftige Dosis abzuholen, die mir im Zweifelsfall noch ein Bisschen Zeit einbringt, diese dann aber mit Qualen schmückt, die ich mir wirklich nicht vorstellen möchte. Was ist das denn? Was ist das, was du für mich möchtest? Verschwendete Restzeit, in der ich meine motorischen Fähigkeiten verliere und wahrscheinlich absolut verwirrt ins Bett pisse?"
Jessica blickt ihn mit Tränen in den Augen an und erhebt sich ebenfalls. Sie greift nach seiner Hand, welche er ihr wieder entreißt.
Er beginnt erneut: "Es ist mein Leben. Es sind meine letzten Monate, vielleicht auch nur noch Wochen, verstehst du denn nicht?"
Er blickt sie ebenfalls mit tränenden Augen an, wischt sich diese aber sogleich wieder weg und wendet seinen Blick erneut ab.
"Ich werde diese Chemo machen, mach dir da mal keine Sorgen.
Es ist nur... wichtig wäre für mich, dass ich eine Entscheidung treffe, egal welche, mit der ich Nachts noch ruhig schlafen kann. Und genau das kann ich in diesem Fall eben nicht.
Wenn sich die Probleme anderer in Luft auflösen, dann weiß ich ziemlich sicher, was ich so einatme."
Alexander ergreift nun Jessicas Hand und deutet ihr mit einem Nicken und einem verzweifelten Lächeln an, dass er nach Hause gehen möchte.
"Solang du dich nicht in Luft auflöst, werde ich Nachts zumindest ruhig daliegen können.", versucht er ein Grinsen auf ihren Mund zu zaubern, erfolgreich.
... Fortsetzung folgt. (erstes feedback ist gern gesehen! ;) )
Alexander ergreift nun Jessicas Hand und deutet ihr mit einem Nicken und einem verzweifelten Lächeln an, dass er nach Hause gehen möchte.
"Solang du dich nicht in Luft auflöst, werde ich Nachts zumindest ruhig daliegen können.", versucht er ein Grinsen auf ihren Mund zu zaubern, erfolgreich.
... Fortsetzung folgt. (erstes feedback ist gern gesehen! ;) )






Kommentare
Ich finde die gegenteiligen Meinungen sind gut dargelegt, sie werden in den Charakterzügen der beiden erkennbar. Ich mag sie irgendwie beide gern. Und das verwirrende ist, ich kann sie auch beide verstehen. Zu gut, glaube ich, was eine persönliche Stellungnahme zu dem Handlungsmöglichkeiten scheinbar unmöglich macht.
04.02.2012, 19:36 von Love_the_People.Alex wirkt sehr rational am Anfang und Jessi leicht hysterisch... aber das wendet sich so schnell das aus Alex ein emotionaler Denker wird, der keine Angst vor der Wahrheit oder dem Tod hat, sondern vor dem unglücklich sein. Und wie er bin ich der Meinung, oder finde den Aspekt gut, glücklich zu sterben vorallem die ganzen vllt auf der Seite Jessis machen ihre Rolle erst so tragisch. Sie liebt ihn, man merkt es. In jeder Formulierung und daran, wie du sie darstellst. Die beiden halten ganz schön was aus. (ich glaube auch bezogen auf das Ende entweder sind beide sehr erwachsen oder sehr lebensfroh eingestellt oder einfach nur mit der Situation überfordert.... so viele Möglichkeiten eben.)
Ich mag die Tatsache, dass Alex mal Alexander ist und dann wieder eben nur Alex... außerdem wirkt das ganze schön locker und sowas ernstes wird eben.....
schöner Text wiedereinmal, ich bin gespannt auf die Fortsetzung....:)
ich dank dir wirklich seeehr für dein feedback ;)
13.02.2012, 07:27 von MiguelStinsoneiniges war genau so gewollt.. anderes hat mich dann doch zunächst überrascht^^
.. genauer antworte ich dann aber nach dem schlafen, kay? =)
ich halte es für ziemlich unwahrscheinlich, dass ein junger Mensch sein Leben so einfach aufgibt. Ich denke wenn man jemanden vor die Wahl stellt, werden sich die meisten fürs Leben entscheiden, denn erst wenn es so weit ist merkt man wie sehr man dran hängt und wieviel Angst vor dem Tod wirklich da ist.
03.02.2012, 08:41 von halbkindmftatsächlich aber kenne ich jemanden, der sich genau mit solchen fragen beschäftigt hatte...
03.02.2012, 13:21 von MiguelStinsonhalbkindmf (was soll das für ein name sein bitteschön?) ... also ich kann dir aus ziemlich sicherer quelle sagen, dass du dir nicht vorstellen kannst wie wahrscheinlich es ist, dass ein junger mensch sein leben so einfach aufgibt. für mehr informationen melde dich doch bitte persönlich bei mir :)
viel diskutiertes Thema bei mir...also ich stimme für Fortsetzung!
03.02.2012, 08:02 von karryfield