Von Kamikazeherzen
Aber ich schätze, dass manche Dinge einfach so sind, wie sie sind. Sinnlos jeder Versuch, sie zu bessern oder bloß zu ändern.
Manchmal, wenn man erkennt, dass man den falschen Weg gegangen ist, das gesagte "a" nicht das richtige gewesen ist, dann hilft es nicht weiter, auch noch ein falsches "b" dahinter zu hängen, auf das möglicherweise noch ein "c", "d", "e" und so weiter folgen. Es wird mit jedem weiteren Schritt immer schwerer, wieder zurückzugehen, oder einen anderen Weg einzuschlagen. Und die Hoffnung, dass es, einmal beim "n" angekommen, ja besser werden könnte, ist auch vergebens. Es wird nicht besser, nur schlimmer. Immer falscher, je verzweifelter man versucht, die Irrtümer gerade zu biegen. Manchmal trägt die Flucht nach vorn nur tiefer ins Verderben. Manchmal gibt es einfach keinen anderen Weg, als das Aufgeben, das Zurückkehren.
Es ist nicht leicht für mich. Ich stoße Menschen nicht gern vor den Kopf. Möchte am liebsten immer allen alles so recht machen, wie es nur irgend geht. Doch vielleicht ist nun die Zeit gekommen, dass ich an mich selbst denken muss. Denn es geht um mich. Um mich und mein Leben. Und das, was ich will.
Ich habe ein schweres dreiviertel Jahr hinter mir. Am Anfang beendete mein langjähriger Freund unsere Beziehung, von der ich dachte, sie sei die meines Lebens. The love of my life. Er hatte eine andere, war sich nicht mehr sicher, ob er mich liebte. Kann man es Menschen vorwerfen wenn sie sich "entlieben"? Ich denke nicht. Dennoch, wer so verletzt wird, sieht den "Täter" leicht als Feind und Schuldigen an. Und aus dieser Position kommt der andere dann nicht mehr leicht herraus. Wenn überhaupt.
Jedenfalls versprach meine zweite Liebesgeschichte des Jahres Zweitausendundacht ebenso wenig erfolgreich zu werden, wie die erste: Ich verliebte mich, er war sich nicht sicher, heute weiß keiner mehr, was Sache ist. Diese Geschichte ist noch nicht vollständig abgehakt. Sie klammert sich in mein Unterbewusstsein, aber ich verstehe es, solche Dinge zumindest auszuklammern. Was nicht so viel Wert ist, wie Dinge zu vergessen, sich aber hin und wieder als recht nützlich erweist.
Meine beste Freundin sagte einmal: "Ihr beide heiratet sicherlich." Eine gewagte These, dafür dass wir niemals zusammen waren. Aber man weiß ja nie, was die Zukunft sich überlegt.
Die dritte Liebesgeschichte, immernoch desselben Jahres, ist noch nicht beendet. Sie läuft noch. Aber das "noch" müsste drei mal unterstrichen werden. Diesesmal bin ich die "Täterin". Das schlimmste: Die Geschichte zieht sich zwar schon über zwei Monate, aber die eigentliche Beziehung ist erst wenige Wochen alt. Und nun habe ich gemerkt, dass sie nicht das ist, was ich will. Wahrscheinlich ahnte ich es schon länger, hatte aber weder das Gefühl, noch aussteigen zu können, noch wollte ich es wahrhaben. Denn alles hätte so schön sein können. Aber was bringt es schon, im Konjunktiv zu leben. Jetzt weiß ich, dass es nicht weitergehen kann. Nicht nur so nicht, sondern gar nicht. Ich muss es nur noch der anderen Seite beibringen. (Auch hier: "nur" bitte drei mal unterstrichen.) Die andere Seite ist, man könnte sagen, labil. Das macht mir angst. Ein herzensguter Mensch. Aber nicht der Richtige für mich. Wahrscheinlich sollte ich froh sein, den Irrtum so früh erkannt zu haben. Aber ich befürchte, es war nicht früh genug. Was die Sache schlimmer macht. Es könnte noch schlimmer sein. (Aber auch hier wieder der Konjunktiv; hat noch keinem geholfen.)
Ich muss eine Welt zerbrechen und ein Herz gleich dazu. Denn selbst wenn wir nicht lange zusammen waren, für ihn war es groß, das weiß ich. Und diese Größe, lässt das Licht, in dem ich da stehe, immer schlechter wirken. Es scheint als sei ich eine grausame Person, ohne Mitgefühl, unsensibel, womöglich verbittert. Aber das ist nicht so. Mein Herz zerbricht daran, ein anderes zerbrechen zu müssen. Jedoch, es gibt keinen anderen Weg. Im Gegenteil, es wär doch grausam, das ganze nicht zu beenden und eine Lüge weiterzuleben. Aus Mitleid. Wer hat das vedient? Niemand. Und so egoistisch ist mein Herz nicht. Da zerbricht es lieber selbst mit, als den einfacheren Weg zu nehmen, in einer gestellten Lügenwelt zu leben, die zwar sehr weich sein kann, jedoch niemals echt.
Doch ein kleiner Trost: Herzen heilen, ich weiß das. Und Kamikazeherzen sogar besonders gut.






Kommentare
das herz zu brechen ist, meine ich, ein höchst egoistischer akt. bestenfalls mit altruistischem nebeneffekt.
13.10.2008, 20:13 von MoogleNee. Kein Wahnsinnstext. Guter Titel, aber kein guter Text.
05.09.2008, 19:47 von SonglineDer Inhalt schon tausendmal erzählt. Der Stil nicht so, dass man es bim 1001sten Mal dennoch gerne lesen würde.
Drei Liebesstories in einem Jahr. Und der Richtige noch immer nicht dabei. Na und?
Wow ein Wahnsinnstext. Ich kenn das auch, dass man es sich nicht gerade einfach macht. Manchmal tröstet mich jedoch der Gedanke, warum soll ich es mir sooo schwer machen, die die mich verlassen haben, haben sich auch nicht so einen Kopp gemacht. Nicht lange handern, sondern Schluss machen, er spürt das und das ist viel schlimmer. Ich drück dir die Daumen. Lg. Alexis
05.09.2008, 19:16 von Alexis-Neo