Vom Tod der Liebe
Du sitzt in meiner Ecke, machst dich breit, rauchst meinen Tabak, trinkst meinen Kaffee, benutzt meine Fernbedienung, und schweigst vor dich hin.
Seit Monaten hast du dich nicht mehr gemeldet.
Du hast den Streit im Raum stehen gelassen, während du diesen verlassen und mich eingeschlossen hast.
Nun meldest du dich plötzlich, sagst, es geht dir schlecht.
"Okay, in 4 Stunden bin ich bei dir."
Das sagt sich so leicht, sagt sie einfach so, ohne Rücksicht auf Verluste, das eigene Leben im Sinn, einen Scheiß auf Andere gebend.
Selbst nach dem Gespräch konnte ich nicht fassen, was ich mir da angetan habe.
Ich wurde nie schlau aus dir, und habe die Hoffnung auch aufgegeben, es jemals zu werden. So sehr ich den Gedanken hasse, doch in dieser Hinsicht werde ich wohl dumm sterben.
Die Ankunft ist unterkühlt, eine flüchtige Umarmung, dann Schweigen.
Die gesamte Fahrt mit der Bahn, der Abend auf dem Sofa.
Du sitzt in meiner Ecke, machst dich breit, rauchst meinen Tabak, trinkst meinen Kaffee, benutzt meine Fernbedienung, und schweigst vor dich hin.
Kurz weinst du, ich bemerke es, weil du die Taschentücher auspackst. Doch als ich mich dir zuwende, sagst du nur, ich soll wegsehen.
Kurzes Schluchzen, das Rascheln der Verpackung, ein Feuerzeug, und der blaue Dunst zieht an mir vorbei, kratzt im Hals, brennt in den Augen, widert mich an.
Wir gehen schlafen, du schmiegst dich an mich, beißt mir in den Hals, kratzt über meinen Rücken, drehst dich um und schläfst ein.
Ich liege wach, denke nach, drehe und wende mich.
Augen auf, Augen zu, links, rechts, Rücken, raus.
Es ist halb sechs, die Vögel zwitschern und ich befriedige meine Lust auf Kaffee und eine Zigarette am offenen Fenster. Es ist mir reichlich egal, ob du nun wach wirst, oder eben nicht. Eigentlich ist mir gerade alles egal, außer der Frage, wie ich hier nur je lebendig entkommen kann.
Nach dem Aufstehen das Selbe Spiel wie tags zuvor.
Schweigen. Wie eine Wand baut sich dein Schweigen und deine Ablehnung vor mir auf, und wird zunehmend unüberwindbarer.
Die Arme verschränkt, wieder in meiner Ecke sitzend, siehst du aus dem Fenster und sagst nichts.
"Frühstück?", frage ich zaghaft
"Nein, mir wird beim Gedanken an Essen bereits schlecht. Ich wundere mich, wie mein Körper das seit drei Tagen schafft", antwortest du abwesend.
Hoffnung keimt zaghaft auf, ich hake nach, doch alles, was ich ab hier zu hören bekomme, ist unbefriedigend. Wenn ich denn etwas zu hören bekomme. Manchmal verzichtest du auch einfach auf Worte, und ignorierst mich.
In meiner Wohnung, auf meinem Sofa, meinen Kaffee in der Hand und meinen Tabak rauchend.
Los, wir gehen raus, irgendwohin, Park, Stadt, Menschen, Ablenkung.
Mittlerweile kommt es mir so vor, als ginge es mir ähnlich schlecht wie dir.
In der Magengegend fühlt es sich zunehmend an, als ob ich zerrissen werde.
Die Kontrolle über meinen Körper entgleitet zunehmend. Mir wird heiß und kalt, mir schwindelt, mir wird schlecht, meine Gedanken rauschen durch meinen Kopf wie Schneeflocken in einem Sturm, unmöglich, auch nur einen zu ergreifen.
So geht das den Tag durch, den gesamten Tag.
Ja. Nein. Ich weiß nicht. Mir doch egal.
Die Arme permanent verschränkt trottest du hinter mir her, wie der Teufel hinter der armen Seele, und ziehst mich immer weiter hinab.
Gespräche gibt es nicht, und nach einiger Zeit sagst du, du hast keine Lust mehr, just in dem Moment, in dem ich mich wieder etwas im Griff hatte.
Zu Hause...ach, scheiß auf zu Hause.
"Du bist mein Untergang", sage ich irgendwann im Laufe des Abends.
"Ach quatsch, red nicht so einen Unsinn", meinst du verächtlich, und starrst wieder aus dem Fenster
Jetzt sitze ich, endlich allein, auf meinem Sofa, in meiner Ecke, in meiner Sitzmulde, trinke meinen Kaffee, rauche meinen Tabak, und starre vor mich hin.
Mein endlich geordnetes Leben ist alles andere als ordentlich, ich wache verstimmt auf, betrinke mich, rauche zu viel und habe das Gefühl, wieder einmal unten angekommen zu sein.
Doch ich muss fort von hier, denn das ist deine Welt.






Kommentare
oha. "sie" erinnert mich sehr an mich.an egalsein und unlust und auch, weil ich eigentlich immer alles mit mir selber ausmachen will und manchmal sehr unachtsam bin-gegen dinge und leute gleichermaßen-, daran scheitert im moment gerade meine beziehung.
11.08.2010, 13:17 von nana-ovor allem, weil mein freund, mich ja verstehen will, er versucht alles, von wegen mich zu retten, aber ihm gehts wie dem ich in der geschichte.
gut geschreiben.sehr gut
Das gefällt mir ... Es zieht sich ein roter Faden durch die Geschichte..
01.06.2010, 21:21 von T.iffyBeim Schluss kam mir zuerst das grübeln .. aber ich finde, er passt echt gut!
gelungener Text :)