sunshine26 28.02.2011, 21:58 Uhr 25 25

Vom Leben und Lieben

Ich hatte kaum noch an Dich gedacht. Nur in bestimmten Situationen. Und selbst diese dezimierten sich stetig. Oder steinig. Ansichtssache.

Ich hatte mit einem anderen geschlafen, um Dich zu vergessen. Und als das nichts half, habe ich mit noch einem anderen geschlafen. Und mit noch einem anderen. Und täglich grüßt das Murmeltier.

Alles, was ich danach fühlte, war eine große, ekelhafte Leere. Eine Leere, die Du damals nach der kurzen Zeit hinterlassen hast.

Keine Ahnung warum, schließlich warst Du nicht einmal mein Typ.

Keine Ahnung, woran es lag. An Dir, an mir, an uns? Keine Ahnung. Und keine Ahnung, warum Du es anders gesehen hast. Bis heute nicht.

Vielleicht ist genau das der Grund.

Vor drei Wochen war er dann da - der große Moment, in dem ich endlich loslassen konnte. Wieder ein Neuer, wieder nur Sex. Aber trotzdem war es gut. Und ich war frei.

Ich hatte wieder Luft zum Atmen. Ich lebte - nein, falsch - ich liebte, und zwar mich.

Du warst verblasst wie ein Post-It, das zu lang in der Sonne klebte. Unlesbar und nicht mehr wichtig. Außerdem war der Klebstoff ab - kein Wunder nach vierzehn Monaten Abstinenz.

Wir passten sowieso nicht zueinander. Du, ich, unsere beiden Leben. Und überhaupt. Alles hat ein Ende, selbst die verschissene Wurst. Zeit für einen Neubeginn!

Und dann liefst Du mir einfach so über den Weg. Gestern. An einem Sonntagmittag. Einfach so.

Ich hatte ihn mir immer ausgemalt, diesen Moment, wenn wir uns wiedersehen. Wie eine Königin wollte ich aussehen: Tolle Kleidung, tolles Haar, tolles Make-Up - und der ganze andere Driss. So, dass es Dich umhaut eben.

Wie immer reichte es nicht zur Verwirklichung meiner blühenden Phantasie; ich trug eine Jogginghose.

Das Beste daran: es war mir egal. Du warst da, und das reichte vollkommen. Du, der mir ein paar Stunden vorher noch so egal gewesen war. Und auch wieder nicht. Ganz plötzlich. Einfach so.

Es war vollkommen surreal. Du und ich. Gespräche über Hunde, Fastnacht und das Wetter. Wie alte, flüchtige Bekannte.

Ich versuchte, Dir dabei nicht in die Augen zu sehen. In diese großen, blauen, verlogenen Augen. Diese wunderschönen Augen. Verdammt!

Nicht einmal der prasselnde Regen störte mich. Oder der Wind. Einfach nichts. Zehn glückliche Minuten lang, die ohne Zweifel für die nächsten vierzehn Monate Sehnsuchts-Versorgung ausreichten.

In diesem Moment gab es nur Dich und mich. Und doch kein uns.

Willkommen im Leben.

25

Diesen Text mochten auch

25 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Die Augen sind braun. Und die Monate ein paar mehr.
    Ansonsten: Volltreffer.
    Leider.

    Danke für den Text.

    07.03.2011, 00:02 von Neala
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Große, blaue, verlogene Augen... diese wunderschönen Augen?

    ... fabelhaft, bekannt, seltsam!
    Toller Text!!!

    05.03.2011, 19:24 von schattenbiestchen
    • Kommentar schreiben
  • 0

    liebe ist scheiße
    .......

    03.03.2011, 22:12 von Coookie
    • Kommentar schreiben
  • 0

    willkommen im leben!

    02.03.2011, 23:20 von K-O-N-Z-I
    • Kommentar schreiben
  • 0

    "Deine blauen Augen machen mich so sentimental.
    So blaue Augen"

    02.03.2011, 15:58 von mixtapeape
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    kann ich gut nachvollziehen.
    nüchterne betrachtung - dieser stil (und damit ist nicht die jogginghose gemeint ;-) ) gefällt mir sehr gut!

    01.03.2011, 20:12 von gila87
    • Kommentar schreiben
  • 0

    ..aber der weg dahin ist schrecklich. man will die zeit zurückdrehen und versteht die welt nicht mehr!

    Sehr schön geschrieben, leider kenne ich die situation auch zu gut!

    alles liebe,
    wir schaffen das!
    irgendwann.

    01.03.2011, 14:30 von kiwicat
    • 0

      @kiwicat Sicher schaffen wir das =)... auch wenn es lange dauert oder uns jemand erlöst und befreit! =)

      01.03.2011, 14:35 von Skywave
    • 0

      @Skywave meinst du dass erlösen und befreien alleine hilft? sicher ist das eine zusätzliche hilfe, aber dabei muss man aufpassen dass man sich wirklich auf die person einlässt und sie nicht ausnutzt um anderes zu vergessen/verdrängen.
      das ist mir leider passiert- ich war mittel zum zweck und habs nicht gemerkt...und mich unglaublich verliebt- in meinen traummann^^

      01.03.2011, 15:22 von kiwicat
    • 0

      @kiwicat "Wir passten sowieso nicht zueinander. Du, ich, unsere beiden Leben. Und überhaupt. Alles hat ein Ende, selbst die verschissene Wurst. Zeit für einen Neubeginn"

      Schöner Satz! Hat mich an mich selbst erinnert :)
      Toll, wie man immer versucht, es sich schlecht zu reden. Klappt leider nie!

      01.03.2011, 19:16 von Wintersonne22
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Danke, Ihr Lieben..

    01.03.2011, 14:02 von sunshine26
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Und ich dachte schon 4 Monate wären lange, aber 14? Oh Mensch, sowas ist echt ne lange Zeit, viel zu lange!

    Lebe, lerne Leben ohne ihn, ich weiß sowas ist verdammt schwer. Aber das Gefühl, wenn man irgendwann merkt, dass man es auch ohne diese blauen, verlogenen Augen geht, ist total toll!

    Viel Glück!

    01.03.2011, 13:37 von _Calliope_
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2 3

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
15. Juli 2013

Neueste Artikel-Kommentare

NEON-Apps für iOS und Android