Honigmaedchen. 21.02.2012, 18:01 Uhr 9 13

Vom einseitigen Miteinander.

Ich empfehle zum Lesen dieses Artikels folgendes Lied, gespickt mit immer wiederkehrenden Erinnerungen: http://www.youtube.com/watch?v=7pSUdJveNlA

Chaos. Egozentrisch. Selbstfixiert. Ausweg. Pseudo - Depressiv. Glücklichmacher. Filme. Bademantel. Alkohol. Freiheitsliebend. „Treue“. Nichtalltag. Bindungslos. Zärtlichkeiten. Sex.

Du warst eine neue Option als ich im bisher dunkelsten Kapitel meiner selbst steckte. Eröffnetest neue Ansichten, die gar nicht so neu waren. Ich hatte sie bisher nur nie getraut zu äußern. Warst für mich der Ausweg aus dem nicht ertragbaren Zustand des Alltags und des Schmerzes. Gespräche, die wir führten, drehten sich um alles und um nichts. Und das war gut so. Denn es war alles geklärt. Mit dir ging es mir so gut wie seit langem nicht mehr. Das Gefühl, dass ich vollständiger war. Ich wollte nicht an morgen denken, ich hoffte nur, es endete nie. Eine intensive Zeit, so intensiv, dass ich zwischen Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden konnte. Begann, mir meine eigenen Traumgebilde zurechtzudenken, Luftschlösser zu bauen und Pläne zu schmieden. Nur eben ohne dein Mitwissen. Mir reichte das Gefühl, dass ich die einzige für dich bin, das du mir vermitteltest  wenn wir zusammen waren. Wenn wir uns trafen, du mich anlächeltest und mit deinem typisch langgezogenen „Naaa“ inklusive dieses schiefen Lächelns direkt meine Laune heben konntest. Mich in den Arm nahmst und mir Wein anbotest, gute Filme und tiefe Gespräche. Zärtlichkeiten. Und natürlich Sex. Der Sex. Bis dato dachte ich, er wäre überbewertet. Doch du belehrtest mich in dieser Zeit eines Besseren. Explosionen, kranke Leidenschaft, tiefste Erkenntnisse. Alles war perfekt, alles war geklärt. Dachte ich. Denn diese Küsse, diese Blicke, diese Berührungen, diese Nächte beieinander und miteinander hätten nicht sein dürfen. Du hattest Stück für Stück meine selbsterrichtete Fassade durchbrochen ohne dass ich dir das erlaubt hatte. Und mir. Verdrängung dessen, denn sich selbst zu belügen ist doch so viel simpler als aufrichtig zu sein.

Ich hätte die Notbremse ziehen müssen. Hätte mich kurz den Schmerzen hingeben und das Kapitel von uns, das sowieso nie veröffentlicht worden wäre, schließen müssen. Es wäre besser gewesen. Das weiß ich jetzt, jetzt, wo ich von Erinnerungen heimgesucht werde. Diese Nächte. Diese Blicke. Diese  Ausschweifungen in jeglicher Hinsicht. Diese Szenen. Dein Bademantel. Derjenige, der mit der Zeit auch meiner wurde. Diese Küsse. Dieser Blick aus dem Fenster deiner Wohnung. Die Stille danach.

„Unser offenes Gespräch vor einem Monat war für unsere Beziehung zueinander sehr effektiv.“ Und als ich dich fragte, wieso du mich gerade so anschaust: „Weil ich eben gerade einfach glücklich bin.“ Und dazu dieses verdammte schiefe wunderschöne Lächeln. Da begann der Punkt an dem ich mir selber nichts mehr vormachen konnte. Nicht mehr wollte, denn ich wagte zu hoffen, zu glauben. Dieser magische Moment, in dem du mich noch am selben Abend nach Kuscheln fragtest und ich das bisher erste Mal dich einfach in den Arm nahm, weil ich dir und mir gegenüber zugestand, dass ich es gerade einfach brauchte. Von dir. Zugegeben, der Alkohol hat seinen Teil dazu beigetragen. Aber er war nicht Auslöser, sondern vielmehr Mittel zum Zweck. Ich spürte vollkommenes Glück. Ich zehre von diesem Moment, ich weiß nicht, ob ich jemals zuvor diese Vollkommenheit erfahren habe und kann mir momentan nicht vorstellen, sie in diesem Maße nochmals zu spüren. Weil es nicht mit dir sein wird.

Ich ahnte es. Ich ahnte es bereits von Anfang an, da ich mit der Zeit erkannte, was für ein Mensch du wirklich bist. Unstet, chaotisch, ein Frauenschwarm und selbstüberzeugt. Dennoch in menschlichen Beziehungen zutiefst verunsichert und taktlos. Ich spürte, dass es eben einfach nicht passte. Dass ich keinen verunsicherten, aber dennoch narzisstischen Menschen an meiner Seite gebrauchen konnte. Es gab mir nichts mehr. Spätestens als du dich 2 Wochen lang nicht mehr meldedest schloss ich innerlich, wenn auch unter Schmerzen und Zwiespalt, mit dem Gedanken ab, dass es ein Wir geben könnte. Das war gut so. Alles super. Alles bestens. Sagte ich mir.

Aber wie so oft kommt alles anders im Leben. Du lerntest jemand anderen kennen. Der Grund für dein nachlassendes Interesse an mir war Sie. Ein Schlag ins Gesicht. Innerlich zerbrach wieder einmal etwas in mir. Als wäre unsere gemeinsame Phase nicht ohnehin schon ein ständiges Auf und Ab gewesen, eine ständige Unsicherheit. Aber Sie. Warum? Ich verlor wieder mal mein Gesicht. Du warst mir zuvor gekommen, verdammte Scheisse. Ich ließ mir nichts anmerken von meinem inneren Zerfall, von meiner Leere, meiner Wut. Nein, keine Wut, eher eine menschliche Enttäuschung. Ausgetauscht, mal wieder. Du wolltest nie eine Beziehung haben. Tja, jetzt weiß ich es, du wolltest sie nicht mit mir. Aber ich blieb stark, ich hielt durch, ließ mir nichts anmerken, erzählte, bei mir gäbe es auch jemand anderen und ich hätte es sowieso beenden wollen. Wir tranken unser Bier, lachten, redeten, versprachen uns weiter in Kontakt zu stehen. Wer’s glaubt.

Ich träume von dir. Ich denke an dich. Ich hänge in Erinnerungen fest, und komme nicht von ihnen los. Ich bin leer, auf gebraucht, kaputt. Wie ein vollgeschriebenes, dann ausradiertes, zerrissenes und anschließend weggeworfenes Stück Papier.

Wieder dort angekommen, wo ich war, bevor ich dich kennenlernte. Im Dreck.

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9 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Wenn dies für dich die Aussage des Textes ist, dann iss lieber 'ne Käsestulle.

      29.05.2014, 15:23 von Honigmaedchen.
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 1

    Narzissten habens drauf. Das mit dem Herz brechen.

    20.04.2012, 01:40 von Lanvin
    • 0

      So sieht's aus.

      20.04.2012, 12:29 von Honigmaedchen.
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  • 1

    wow... könnte aus einem meiner tagebücher stammen. crazy.
    liebes honigmädchen ich hab deinen text sehr gerne gelesen und es hat mir spaß gemacht ihn zu lesen. viel leidenschaft kommt durch und das gefällt mir. und nur gaaaanz kurz von mir, du bist nicht dort wo du vorher warst, du hast eine weitere erfahrung gemacht. JA, vielleicht eine ähnliche wie schon 5 mal davor, aber du bist dennoch weiter. Ich wünsch dir das du eines Tages jemanden triffst der DICH will und zwar GANZ. Und habe keine Angst davor deine Wünsche und Bedürfnisse zu äußern! :-)

    22.02.2012, 18:18 von HotnRed
    • 1

      Ich danke dir, meine Liebe.

      Warme Worte machen selbst das kälteste Herz ein Stückchen wärmer.

      22.02.2012, 18:56 von Honigmaedchen.
    • 1

      schön gesagt... ach wie herrlich wenn man sich gegenseitig ein kleines lächeln schenken kann... haha! :-)

      22.02.2012, 18:59 von HotnRed
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  • 1

    die geschichte kommt mir zu bekannt vor... wunderbar geschrieben, gefällt mir!

    21.02.2012, 20:29 von s_t_e_ll_a
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