effi2.0 30.11.-0001, 00:00 Uhr 4 1

Vom DUalismus von DU und Nicht-DU

von Vergleichen, die sich immer wieder von hinten anschleichen

„Kommst du noch mit zu mir?“. Sie schaut ihn an und grinst. „Klar.“ Sie nehmen den Weg durch den Park und nicht entlang der Straße. Er erzählt ihr, dass schräg hinter dem Teich erst kürzlich ein neuer Anbau der Uni entstanden ist und hebt den Arm, um in die Richtung zu zeigen. Sie kann in dem Dunkeln, das nur ab und an durch ein paar wenige Laternen unterbrochen wird, gar nichts so richtig erkennen und nickt trotzdem, denn Nachfragen ist ihr gerade zu anstrengend.

Sie laufen mit einem Meter Abstand voneinander nebeneinander her, brauchen nach dem Kino und dem letzten Mal  bei ihr eine längere Anlaufphase, denn das eine Glas Wein war zwei, oder eher drei, Gläser zu wenig.

Sie sitzen in seinem Wohnzimmer und er erzählt ihr von der spanischen Praktikantin, die nächste Woche bei ihm einzieht. Sie fragt ihn, wie sie heißt und überlegt dabei, ob es sie interessiert, wie sie aussieht, ob sie heiß ist und er auf sie heiß sein könnte. Ein bisschen vielleicht, redet sie sich ein und kauft sich den Selbstbetrug doch keine Sekunde ab.

Nach kurzem Schweigen beugt er sich von der Seite vor zu ihr und küsst sie, zieht sie an sich heran.

Er legt ihre beiden Brillen an die andere Seite des Sofas, setzt sich auf sie, küsst sie im Nacken und im Dekolleté. Dabei schließt sie die Augen.

Verpiss dich L., du hast hier gerade wirklich nichts zu suchen, stell dich doch nicht immer wieder, die ganze Zeit, vor mich hin, nimm deine Finger von mir. Und schau mich nicht so an, interessiert dich doch sowieso nicht.

Sie gehen in sein Schlafzimmer.

Sie genießt jede Berührung und will nicht vergleichen, aber vergleichen war schon immer ihre Spezialität und ihr Kopf arbeitet auf Hochtouren, hat von den Möbeln über Zeitschriften bis hin zum Salzstreuer alles abgeglichen. Und sein Kopf ist nun mal ganz offensichtlich so anders, so klein, auf seinem Rücken finden sich keine Leberflecke, egal wie penibel sie ihn danach abtastet.

Er ist wirklich liebenswert, redet viel und sagt dabei die richtigen Dinge, aber sie kommen aus dem falschen Mund.

Die ganze Nacht wälzt sie sich hin und her, legt sich auf ihn, schmiegt sich an ihn an, von hinten, lässt sich halten, hält seine Hand und streichelt seine Finger, die nicht viel größer als ihre sind. Er streicht mit seinen Fingerkuppen über ihre und umgreift ihre Hand, so wie es L. nie getan hat, nie tun würde und nie tun wird.

Am Morgen frühstücken sie zusammen in seinem Wohnzimmer, dabei mustert sie erneut den selbstzusammengesteckten Sofatisch aus Paletten und das Regal voller Reisebücher und Romane. Er hat einen guten Geschmack, von der Schallplatte, die er auflegt, ertönen ein paar gute Songs und er lächelt sie an, während er sein Brötchen schneidet.

Ihr fällt auf, dass die beiden Hälften unterschiedlich groß sind.

So achtlos hätte L. sein Brötchen nie geteilt.

Fick dich, achtsam warst du nur bei Lebensmitteln, Möbeln und Gin, nicht aber bei mir. Also warum nur vermiss ich deine scheiß riesengroßen Hände, die meine eigentlich nie so richtig festhalten wollten und dein schräges Lächeln, mit dem du mich viel zu selten angesehen hast?

Er schaut in seinem Handy, wann die nächsten Bahnen zurück nach Frankfurt fahren. Als sie aufsteht, stellt er sich dicht hinter sie und gibt ihr einen weiteren Kuss in den Nacken und eine wohlige Wärme durchfährt sie, aber als sie die Arme sieht, die sie von hinten festhalten, denkt sie wieder nur, das sind die falschen.

Scheiß Spiel.

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4 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Darfst n Gegenvorschlag machen.

    03.05.2015, 08:44 von effi2.0
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      das ist echter Duduismus!

      03.05.2015, 22:30 von FrankFrangible
    • 1

      Find ich selbst lustig, Duduismus!

      04.05.2015, 12:06 von effi2.0

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

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