anulal 23.02.2012, 17:50 Uhr 10 23

Vielleicht..

vom Schönreden, Selbstmitleid üben, Lieben und Erinnern. Vom Plan des Loslassens. Vom Bemerken und Erkennen, aber lange nicht vom Verstehen.

Vielleicht verstehst du irgendwann, wieso ich so bin, wie ich bin. Wieso ich so handel, wieso ich so denke, wieso ich so fühle. Vielleicht denkst du eines Tages an alles zurück und lächelst, vielleicht wirst du verbittert sein, Vergangenes bereuen, dir Vorwürfe machen oder denken, dass das alles hätte anders sein sollen. Vielleicht lernst du irgendwann, es zu schätzen zu wissen, dass es jemanden gab, der deine ganze Geschichte, deine Makel und Macken kannte und dich trotzdem so gewollt hätte wie du warst.

Ich kann es gar nicht richtig beschreiben.. Es ist, als würde ich nicht komplett sein. Ich weiß, das klingt nach Standardkitsch, aber es ist die Wahrheit. Richtig vollkommen fühl ich mich erst, wenn ich bei dir liege. Wenn ich deinen Arm um mich, meine Wange auf deiner nackten Brust und deinen warmen Atem auf meiner Kopfhaut spüre. Alles andere, der Stress, die Hektik, die Unzufriedenheiten – all das fällt von mir ab und alles was zählt, ist der Augenblick. Du und ich. Denn zusammen sind wir unschlagbar; waren wir schon immer.
Jedes Mal, wenn mir gesagt wird, dass es sich nie ändern wird und ich loslassen soll, ruf ich mir diese Momente zurück in Erinnerung und keiner, wirklich niemand, weiß, wie richtig und gut sich das alles anfühlt. Vielleicht rede ichs mir auch schön, aber ist es nicht so, wie es sein sollte? Wir lachen, wir albern, wir streiten, wir kommen zur Ruhe, wir lieben und wir sind einfach wir selbst.

Unter Menschen ist es so, als wären wir Fremde. Ich gucke dich an, höre deine Stimme und erkenne dich nicht. Dein Lachen klingt anders, deine sonst so weichen Blicke schmerzen. Wir gehen aneinander vorbei als hätte es uns nie gegeben und es gibt nichts auf dieser Welt, das mir schwerer fällt, als diesem Spiel standzuhalten. Trotzdem könnte ich niemals den Mut aufbringen, die Regeln zu brechen. Die Angst vor der Niederlage ist viel zu groß. Aber aufgeben? Auch das ist keine Option. Oft hab ichs versucht, nie geschafft. Egal was war, egal wie oft betrogen, getäuscht oder hintergangen wurde – immer kam ich wieder beim Ausgangspunkt an: dir. Bei dem, dem letzten Endes mein Herz gehört und der mir doch immer wieder unlieb wird. Bei dem, den ich so lange zu kennen geglaubt habe und der es trotzdem schafft, mich immer wieder unwissend und allein im Regen stehen zu lassen.

Die Leute sagen, dass Liebe alles sei, was du brauchst, aber was sie nicht sehen ist die Tatsache, dass manche Menschen sich selbst verlieren an dem Ort, von dem es kein Zurück mehr gibt. Sie hoffen und glauben daran, dass sich die Dinge zum Guten wenden werden, aber früher oder später müssen sie einsehen, dass es ihnen ohne das alles besser geht und sie loslassen müssen.

Vielleicht blicke ich irgendwann zurück und lächle, vielleicht werde ich verbittert sein, Vergangenes bereuen, mir Vorwürfe machen oder denken, dass das alles hätte anders sein sollen. Vielleicht werde ich mir nichts vorzuwerfen haben, weil ich dich nie aufgegeben habe. Vielleicht werde ich mich darüber ärgern, dass es so war; dass ich zu wenig auf mich selbst geachtet habe und wer weiß -  vielleicht kann ich irgendwann akzeptieren, dass die Zeit einfach nicht die Richtige war und du mittlerweile nicht mehr derjenige bist, der sich vor Jahren in mein Herz geschlichen hat, ohne dass ich etwas davon merkte..


Tags: Missverständnisse, Veränderungen
23

Diesen Text mochten auch

10 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    schön geschrieben :)

    17.04.2013, 23:19 von DieTascha
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    ..es ist als würdest du gerade von meinem Leben schreiben..DANKE für diesen wundervollen Text!

    29.02.2012, 08:11 von IWhatever
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Kann ich gut nachvollziehen. Der Text gefällt mir sehr.

    26.02.2012, 13:28 von Degoutant
    • Kommentar schreiben
  • 3

    ..., dass es jemanden gab, der deine ganze Geschichte, Mäkel und Macken kannte....

    Was bitte sind Mäkel?

    24.02.2012, 07:32 von lalina
    • 0

      Gute Frage! Ich könnte nun irgendetwas von einem Neologismus quatschen, aber ich schätze, da hat sich wohl einfach der Fehlerteufel eingeschlichen. "Makel" soll es natürlich heißen. Danke!

      24.02.2012, 12:27 von anulal
    • 0

      Bitte.

      24.02.2012, 12:29 von lalina
    • 0

      Kleinkarierte Neon.de Kommentare ftw. :)

      08.06.2012, 01:51 von HeavenKnowS
    • Kommentar schreiben
  • 0

    es ist irgendwie immer wieder schön zu lesen, das es einem nie alleine so geht! aber es ist auch verdammt schwer,mit solch einer situation richtig klar zu kommen ...

    23.02.2012, 19:15 von JulahzumJott
    • Kommentar schreiben
  • Die Trümmer­männer

    Millionen Syrer sind auf der Flucht. Doch was passiert mit denen, die blieben? In Aleppo versuchen ehemalige Kämpfer zu retten, was nicht mehr zu retten ist.

  • Durchs Wochenende mit … Lars

    Und, wie war dein Wochenende so? Jede Woche fotografiert ein NEON-Redakteur sein Wochenende mit dem Handy. Diesmal: Text-Praktikant Lars Weisbrod.

  • Hobo-Reise: Zur großen Freiheit

    Wer auf Güterzügen durch Amerika reist, lernt Menschen und Landschaften kennen, die sonst verborgen bleiben. Ein Artikel aus der aktuellen Ausgabe.

Neu: NEON für dein iPad!

Neueste Artikel-Kommentare