Scheherazade 18.07.2006, 22:31 Uhr 2 1

Viele Frösche musst du Küssen...

"Ich hab mich von meinem Freund getrennt.", meine ich beiläufig im Gespräch mit meiner besten Freundin. "Du hattest einen Freund???"

Sie und ich haben uns seit zwei Monaten weder gesehen noch gehört. Mir ist zwar klar, dass inzwischen vieles passiert ist, von dem die jeweils andere nichts weiß. Aber bis zu diesem Augenblick war mir nicht bewusst, dass zwei Monate so lang sein können bzw. die Beziehung zu meinem Exfreund so kurz.
Irritation erst recht, als meine Freundin anfängt zu lachen: "Das ist ja typisch."
Typisch für mich? Wirklich? Einige Wochen mit einem Mann, dann ist er langweilig und weg damit? So wie frau eine Glühbirne auswechselt, wenn das gute Stück ihre Zeit hinter sich hat?

Nachdem das Gespräch beendet ist, gehe ich in mich.
Bis jetzt habe ich es immer den Männern zum Vorwurf gemacht, wenn eine Beziehung scheiterte. Auch wenn ich diejenige war, die das Desaster beendete. Meine Verblichenen waren nicht feinfühlig genug. Oder zu plump. Oder zu klein. Oder zu alt. Oder zu kompliziert. Oder zu einfach. Oder zu melodramatisch und theatralisch. Oder zu stumpfsinnig. Oder mir zu unähnlich. Oder mir zu ähnlich.

Vereinfacht kann ich behaupten: Mir ist einfach noch nicht der Richtige begegnet.
Irgendwer hat irgendwo behauptet, frau müsse erst viele Frösche küssen, ehe sie ihren Prinzen fände. Nur woran erkenne ich nun den richtigen (Prinzen-)Frosch?
Also erstmal erstelle ich mir ein Profil, beziehe dabei meine (positiven als auch negativen) Erfahrungen ein und erstelle daraus ein Gesamtkonzept. Hmhm. Das klingt alles zu strukturiert, zu geplant, als wolle ich ein zwanzigstöckiges Bankgebäude mit Parkanlage und Freizeitzentrum planen und nicht den Mann für mein Leben finden.
Also doch einfach auf das Gefühl hören? Aber das ist dann viel zu sehr Wünschelrutentechnik und bringt mich nur unter Idealbedingungen an die Quelle meiner Sehnsüchte.
Vielleicht versuche ich es mit einer Kontaktanzeige. Also keiner Realen, nur eine hypothetische Anzeige.
Suche temperamentvollen, kreativen, mäßig leidenschaftlichen, äußerst männlichen und attraktiven Single(!!!) mit Begeisterung für Literatur, Theater und Gesellschaftsspiele.
So weit, so unklar. Das Problem ist: Von außen sieht frau leider nur das Äußere. Der Rest ist Überraschung, aber selten Spiel, Spaß, bestenfalls noch Spannung.

Aber mal ehrlich: Wieso grübele ich herum? Die zentrale Frage ist doch: Glaube ich daran, den Richtigen, the only One, romantisch ausgedrückt: Die große Liebe zu finden?
Und darauf kann ich keine Antwort geben. Nur soviel: Ich hoffe es. Sonst wäre ich ja bei meinem letzten geblieben, denn der war ja immerhin nett. Und ich hab es schon schlechter getroffen.
Doch bei einer Population von über sechs Milliarden Menschen auf der Welt soll mein Einziger gerade mir über den Weg laufen? Ich war in Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht besonders gut, aber um die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung zwischen mir und Mr. Dr. Prof. Right abzusehen, brauche ich nicht einmal einen Taschenrechner.

Ich will bei der Wahrheit bleiben: Nach dem Telefonat mit meiner Freundin habe ich kurz an mir gezweifelt, mich gefragt, ob ich entweder vom Beziehungspech verfolgt werde oder eine gestörte Nymphomanin bin. Aber im Grunde ist es wahrscheinlich tatsächlich wie bei einer Glühbirne: Wenn sie ihren Geist ausgehaucht hat, ist es schwachsinnig, sie durch Streicheleinheiten und nette Worte wieder zum Leuchten zu bewegen. Ich muss einfach nach einer Glühbirne mit langer Leuchtzeit suchen. Doch da ist es mit den Glühbirnen wie mit den Fröschen...
Ein Fazit konnte ich jedoch aus meinen Überlegungen ziehen: Ich sollte meine beste Freundin öfter anrufen, denn wir beide haben bis jetzt jeden Frosch und jede kaputte Glühbirne überstanden.

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Kommentare

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    Oh ja, ich fühle mich gerade ähnlich: Entweder ist er zu unromatisch, zu uneinfallsreich, zu erwachsen, zu normal oder aber zu aufdringlich, zu leichtsinnig oder zu groß... Das klingt so komisch, aber man sucht nun mal nach Mr. Perfect! Is doch irgendwie auch klar, wenn man schließlich noch jung ist... Und das Gefühl, etwas verpasst zu haben, mag ich auch echt nicht. Also lautet die Devise: Suchen (und auch gesucht werden, was irgendwie prickelnder ist!) und Ausprobieren.

    21.07.2006, 19:18 von Knulli
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    Ich denke ein Anfang ist nicht soviel nachzudenken. Das soll nicht heißen das ich grundsätzlich was dagegen habe, ganz im Gegenteil. Aber meine Ex hatte auch nachgedacht, hatte sich dann Dinge eingeredet die so nicht stimmten, hat angefangen aus einer Mücke einen Elefanten zumachen ....

    Man sollte also Nachdenken, sollte es aber trotzdem einfach auf sich zukommen lassen.

    Ich finde auch das man mit diesem Schema wie er/sie sein sollte nicht soweit kommt. Ich zum Beispiel könnte nicht sagen ob sie blonde oder braune Haare haben sollte, oder ob sie älter oder jünger sein muss ... u.s.w.
    Wenn der richtige(bzw. ein infragekommender) Mensch vor einem steht wird man es merken. oder nicht?

    21.07.2006, 10:23 von sonnendeck2000
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