TedMosby89 01.11.2011, 07:20 Uhr 12 16

Verzeih mir, für die schönen Jahre

Ein Brief.

Liebe Ex-Freundin,

Es ist nunmehr zwei Jahre her, dass ich Dich ein letztes Mal in den Arm genommen habe. Du warst mit deinen Eltern zur Unterstützung bei der Abnahme der Wohnung. Wir haben gerade unsere erste gemeinsame Wohnung aufgegeben und uns bei der Übergabe ein letztes Mal gesehen. Es war kühl in der Wohnung und die Stimmung war betrübt. Da standen wir nun vor dem Scheitern unserer gemeinsamen Wohnung, unseres gemeinsamen Lebens und unserer gemeinsamen Träume. Deine Eltern versuchten die Atmosphäre sachlich zu halten. So schnell wie möglich sollten wir diese Situation hinter uns bringen. Für uns alle war es nicht gerade einfach. Nach getaner Übergabe verließen wir das Haus und standen uns nochmals gegenüber. Wir nahmen uns in den Arm und waren sprachlos. Was hätten wir auch sagen sollen, nachdem wir uns zuvor noch gestritten haben. Dein Vater verabschiedete sich mit einem kräftigen Handschlag bei mir und stieg in sein Auto. Deine Mutter stand neben Dir und schaute mich traurig an. Ihr tat es sichtlich leid, dass alles so weit kommen musste. Sie wünschte mir noch ein schönes Leben und Glück für meinen weiteren Lebensweg. Du hast mich noch einmal gedrückt, dabei aber versucht mich in dieser Situation so wenig wie möglich anzuschauen. Ein trauriger Moment. Dann seid Ihr in das Auto gestiegen und fortgefahren. Da stand ich nun. Ich war nun endgültig wieder Single. Ein bisschen Zorn, ein wenig Wehmut und eine kleine Portion Melancholie trieben mich in diesen Moment zum Weinen. Ich wollte nicht, dass Du meine Tränen siehst, deshalb habe ich mich in dem Moment, an dem Euer Auto an mir vorbeifuhr, umgedreht. Ich wollte stark sein.

Nun ist es knapp 720 Tage her, dass ich Dich das letzte Mal gesehen hab. Wir wohnen in der gleichen Stadt, gehen gern in die gleichen Diskotheken, doch habe ich Dich seitdem nicht mehr gesehen. Meine Freunde haben Dich noch ein-, zweimal beim Feiern getroffen. Während ich mich in mein neues WG-Zimmer verkrochen habe, warst du feiern. Während ich wochenlang getrauert habe, hast Du fröhliche Bilder ins Internet gestellt. Dafür habe ich Dich gehasst. Ich habe mir gewünscht, dass Du unglücklich bist. Du sagtest einmal, ich wäre Deine große Liebe. So hat es sich auch angefühlt. Doch wie konnte das nur so enden? Ich habe stets für dich gekocht, habe dich mit Blumen überrascht, habe die Wohnung nach Deinem Geschmack für Dich eingerichtet, habe Dich getröstet als Du Sehnsucht nach Deinen Eltern hattest, habe Dich an die Hand genommen, als wir dachten Du seist schwanger, habe Dich umsorgt, als du krank gewesen bist. Mit anderen Worten: ich habe Dich geliebt. Nach unserer Trennung habe ich lange nach dem Grund gesucht, dass Du mich verlassen hast. Du sagtest mir, es sei nicht meine Schuld, ich habe alles richtig gemacht. Aber wieso musstest Du Dich dann von mir trennen? Ich habe es einfach nicht verstanden. Meine Freunde sagten mir, ich solle Dich vergessen, ich solle Dich hassen, für das was Du mir angetan hast.

Nach ein paar Monaten Trennung habe ich mich wieder mit anderen Frauen getroffen. Es musste Vorwärts gehen. Ich wollte wieder lächeln können. Ich wollte dieses kribbeln im Bauch spüren, welches ich empfunden habe, als ich Dich kennengelernt habe. Doch keines dieser Mädchen war so wie Du. Ich fragte mich, ob ich überhaupt nochmal eine Beziehung führen könnte, schließlich war unsere Liebe etwas ganz besonderes. Wir haben ein gemeinsames Buch über unsere Anfangszeit geschrieben. Wir haben unser „erstes Mal“ nachgeholt, weil dein erstes Mal schrecklich gewesen sein muss. Wir haben uns einfach nur geliebt. Sollte ich all diese Mühe nun nochmal für ein anderes Mädchen aufwenden? Ich konnte es nicht. Nach ein paar Versuchen eine Beziehung anzufangen und zugegeben auch ein paar Fehlern, habe ich gemerkt, dass Du nicht aus meinem Kopf gehst. Ich kann Dich nicht hassen. Ich will Dich nicht vergessen. Du warst in meinem Leben etwas Besonderes. Erst Du hast mir gezeigt, was Liebe ist. Du hast meinen Schalter umgelegt. Keine andere Frau hat das erreicht, was Du in mir ausgelöst hast. Deshalb will ich Dich auch erst gar nicht hassen oder vergessen. Du bist ein Teil meines Lebens. Vielleicht sogar der schönste Teil bisher.

Heute weiß ich, dass ich vieles falsch gemacht habe. Heute weiß ich, dass ich Dich oftmals einfach hätte ziehen lassen sollen. Heute weiß ich, dass ich das Beste was mir je passiert ist nicht genug gewürdigt habe. Ich habe Fehler gemacht und es war auch meine Schuld, dass die Beziehung in die Brüche gegangen ist. Das habe ich mittlerweile verstanden. Deshalb kann ich auch damit leben. Deine Sachen, unsere Erinnerungen liegen nun im Keller, eingepackt und staubgeschützt in einem Karton. Ich habe sie noch, aber sie berühren mich nun weniger. Ich habe wieder gelernt nach vorne zu schauen. Habe mich aufgerappelt und steh nun wieder mit beiden Beinen im Leben. Es geht mir gut. Manchmal sehne ich mich noch nach der gemeinsamen Zeit zurück. Manchmal erinnere ich mich an deine liebenswerten Eigenarten. Ich denke ich bin nun wieder für etwas Neues bereit. Ich habe aus den Fehlern gelernt und werde sie sicher kein zweites Mal machen. Ich wünsche mir, dass meine nächste Freundin auch die letzte Freundin für immer sein wird. Ich will eine lebenslange Beziehung führen und versuchen alles dafür zu geben. Dafür danke ich Dir, denn dank Dir weiß ich, was ich will. Du hast mich zu einem besseren Mensch gemacht.

Es tut gut, zu wissen, dass man die Liebe erfahren hat. Es tut gut zu wissen, dass man das himmlischste Gefühl auf Erden einmal erleben durfte. Sollte ich dieses Gefühl nie wieder erleben, dann werde ich nicht traurig sein. Es hat sich gelohnt zu leben, denn ich habe die Liebe von ihrer schönsten Seite erfahren. Würde ich morgen sterben, dann sicher mit einem Lächeln auf den Lippen. Schließlich habe ich alles erlebt, was man zu Lebzeiten erleben musste – die Liebe.

 

Ich danke dir,

Dein Ex-Freund

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12 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Sehr schön geschrieben! Wenn man hasst bleibt man ewig an den Menschen gebunden. Ich finde es schön das du dich bedankst und diesen Teil als einen wichtigen deines Lebens siehst :)

    26.11.2011, 12:13 von oneheartbeat
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  • 1

    ich find es nicht zu lang, aber wunderbar ehrlich. der brief geht selbst einem außenstehenden echt an die nieren.... ich finde es klasse, wenn ein text einen so aufwuehlen kann!

    17.11.2011, 22:53 von Insomnia291986
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  • 0

    Nach dem Titel ging meine Erwartung in eine andere Richtung,...und obwohl auch ich den Text ein klein wenig zu lang finde, konnte ich mich gut einfühlen...

    Auf das es eine neue, große Liebe gibt!

    04.11.2011, 17:13 von MademoiselleBlabla
    • 0

      Mich würde interessieren, in welche Richtung deine Vorstellung ging?

      Es gibt sie, man muss nur empfänglich dafür sein. An dem Ausdruck "Richtiger Ort, richtige Zeit" ist etwas wahres dran.

      04.11.2011, 18:37 von TedMosby89
    • 0

      Ich finde der Text bringt gut zum Ausdruck, dass es wirklich Liebe war was du empfunden hast. Eure gemeinsame Zeit hat dich geprägt und du hast aus Fehlern gelernt....ich denke die Erinnerung ist das was bleiben sollte. Nicht das schlechte Gefühl der letzten Tage,an denen man sich ein letztes Mal gesehen hat..

      05.11.2011, 08:46 von MademoiselleBlabla
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  • 1

    den ersten Absatz mag ich, da hab ich das Gefühl mitten dabei zu sein; da kommen Erinnerungen hoch!
    Insgesamt ist mir der Text aber zu lang.
    Trotzdem eine schöne Art der mal anderen Liebeserklärung

    03.11.2011, 14:57 von Zimtmohn
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  • 0

    das war mir etwas zu viel, heute morgen. naja und son nick ist ja geschmackssache.
    ich zieh mir jetzt rosamunde pilcher rein...

    02.11.2011, 08:48 von RAZim
    • 0

      Freut mich!

      02.11.2011, 09:10 von TedMosby89
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  • 1

    wie kitschig...

    02.11.2011, 04:06 von -Johanna-
    • 0

      Da ist was wahres dran!

      02.11.2011, 09:10 von TedMosby89
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  • 0

    Bei dem Titel hätte ich etwas anderes erwartet.
    So frage ich mich, was du (Erzähler) falsch gemacht haben sollst?
    Ich würde vermuten, etwas anderes, als du vermutest…

    Das wäre für mich der Schlüssel zum Text.

    01.11.2011, 10:27 von coronaria
    • 0

      Ja, die Beschreibung war etwas unglücklich gewählt.

      02.11.2011, 09:10 von TedMosby89
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