Vertrauenssache. Vertrauensbruch.
Dass sie teilweise mehrere Stunden so verbrachte bemerkte sie gar nicht, zu sehr war sie in dem Geräusch ihres Herzschlages und ihres Atems versunken.
Mit angewinkelten Beinen saß sie auf dem Boden, spürte die Kälte der Fliesen unter sich.
Dass sie den Staub unter den Küchenschränken sah störte sie reichlich wenig.
Überhaupt störte sie gar nichts mehr.
Sie saß einfach nur da, war ganz still und bei sich selber und wartete.
Schloss die Augen und lehnte den Kopf zurück.
Atmete so flach wie möglich und hoffte, dass ihr Herz leise genug schlug um ihn nicht zu verschrecken.
Dass sie teilweise mehrere Stunden so verbrachte bemerkte sie gar nicht, zu sehr war sie in dem Geräusch ihres Herzschlages und ihres Atems versunken, zu sehr darauf konzentriert keinen Laut von sich zu geben.
Und wenn sie ganz ruhig geworden war, kam er zögernd heraus.
Vorsichtig setzte er eine Pfote vor die Andere, seine Augen blitzten hochkonzentriert durch den Raum und auch nicht der kleinste Laut blieb von seinen Ohren unbemerkt.
So haargenau er jeden Schritt setzte, der ihn ein bisschen weiter in den Raum brachte, so verloren und tollpatschig tapsten seine Pfoten durch die Gegend, sobald er seinen Winkel vollständig verlassen hatte.
Zaghaft hob sie ihre Hand, tastete sich langsam an das kleine Fellknäuell heran und stoppte sofort als dieses die Bewegung registrierte. Blitzschnell und fauchend drehte es sich um und musterte die in der Luft schwebenden Finger argwöhnisch, fing an sie zu beschnuppern und als es sie letztendlich akzeptierte wagte sie es auch, behutsam mit ihren Fingerspitzen durch sein Fell zu kraulen.
Nach einer weiteren Unendlichkeit von Stille und stockendem Atem hob sie den Kater vorsichtig hoch und schloss ihn in ihre Arme.
Er fuhr seine Krallen aus, hinterließ Kratzer auf ihrer Haut und fauchte.
Ängstlich zuckten seine Augen hin und her, hellwach und auf der Suche nach einer Fluchmöglichkeit.
Es dauerte eine Weile, bis er merkte, dass gar keine Gefahr drohte.
Dann rollte er sich ein, beruhigte sich und sein Atem wurde mehr und mehr zu einem zufriedenen Schnurren.
Immer noch ohne sich größer zu bewegen, streichelte sie ihn, wog ihn hin und her und flüsterte ihm beruhigende Worte ins Ohr.
In ihrem spielten sich Erinnerungen ab, wie er versucht hatte sie zu halten, ihr über den Kopf zu streicheln und sie zu beruhigen, während sie hilflos und ungeschickt durch ihr Leben gestolpert war und wie sie es nach Monaten schließlich gestattete, weil sie es Leid war sich gegen das zu wehren, was sie so dringend brauchte.
Auf einmal sprang sie ruckartig auf, fing an zu kreischen und zu schreien, hob den Kater über ihren Kopf wirbelte ihn durch die Luft drehte ihn um sich herum, vollkommen in Trance und betäubt von dem Schmerz, spürte kaum wie das Tier sie biss und kratzte hörte weder das Gefauche noch die Schreie, stampfte mit ihren Füßen auf dem Boden herum, lachte, lachte über den dummen Kater der jeden verdammten Tag wieder so blöd war, sich auf sie einzulassen und den sie jetzt aus der Höhe auf den Boden knallen ließ.
Schließlich brach sie erschöpft auf dem Boden zusammen, kugelte sich ein, machte sich so klein wie möglich, spürte die Kälte der Fliesen auf ihrer Haut und das Salz ihrer Tränen auf ihren Lippen, sah durch ihre blinzelnden Augen den Kater verschreckt in seinem Winkel sitzen, ließ ihre Augen vollständig zufallen und genoss das Gefühl der Kratzer und Wunden auf ihrer Haut und des schlechten Gewissens in ihrem Kopf.
Denn so Leid ihr das arme Tier auch tat, so befriedigte sie der Gedanke, dass es ihm damals vielleicht danach genauso schlecht gegangen sein könnte wie ihr jetzt.





Kommentare
inhaltlich sehr bewegend, spricht mich persönlich an
10.10.2012, 00:01 von blurredcontoursSehr ungewöhnlicher Text, aber mir gefällt er. Spannend verfasst.
29.09.2012, 00:26 von arsvitaeWas mich am meisten interessiert - bei allen Texten - woher kommen diese wundervollen Schreibflüsse anderer Menschen, diese Ideeen, Inspirationen, die dann automatisch in die Hand wandern und den Stift tänzeln bzw. die Finger tippen lassen.
Vielleicht versuch ich mich auch mal mit dem Verfassen eines Textes :)
Danke! :)
29.09.2012, 16:49 von MondregenBei mir ist es meistens so, dass ich mit einer Idee anfange und einfach darauf los schreibe und dann entwickelt sich einfach irgendwas..
Probiers doch einfach mal! :)