Mitbewohnerin_von_einem_Freund 30.11.-0001, 00:00 Uhr 1 5

Versprechen der Nacht

Kennst du mich noch? Ich bin die, die viel zu oft wegen dir geweint hat. Die viel zu oft wegen dir nicht schlafen konnte.

Eine Nacht um verloren zu gehen. Um die Wahrheit zu sagen. Weißt du noch, damals, da haben wir uns das Versprechen gegeben. Das Versprechen da zu sein für immer, für uns. Uns durch die beängstigenden Momente des Lebens zu leiten und sie hinter uns zu lassen. Versprochen, dass wir uns an den Händen halten und gemeinsam laufen um alles Schöne festzuhalten. Die dunkelblaue Nacht hat in unseren Augen geglitzert.

Du sagst, mich zu sehen, sei wie Eiswürfelherzen aus dem Kühlschrank zu holen. Ich muss lachen, aber das Lächeln auf meinem Gesicht verschwindet leise im sanften Laternenlicht. Ich habe mich so lange gedrückt, bin Umwege um Klarheiten gelaufen, weil ich mich in mir selber verlaufen habe. Es ging so unfassbar viel falsch bei uns, aber irgendwas hat mich immer gehalten. Irgendwas wollte dir immer zuhören, immer in Kontakt bleiben, obwohl es uns doch nur gegenseitig kaputt gemacht hat.


Kennst du mich noch? Ich bin die, die viel zu oft wegen dir geweint hat. Die viel zu oft wegen dir nicht schlafen konnte.

Ich wollte dir so Vieles sein, da ich aber nicht wusste wie ich dir „so Vieles“ sein kann, versuchte ich so vieles um dir Irgendwas zu sein. Und alles was geblieben ist, ist unsere katastrophale Schrift mit der wir nicht aufhören können, damit da noch irgendwas bleibt.


Unsere Geschichte kam mir immer vor wie ein Puzzle, bei dem einige Stücke fehlen, die nur noch in der großen Puzzlepackung gefunden werden wollen. Drei Jahre hat es gedauert. Drei Jahre voller Schmerz und Freude, voller Sehnsucht und Fragen, voller Irrungen und Verwirrungen, voller DU und etwas weniger UNS.

Wir sind im Stande uns kurze Zeit ein weniger unzufrieden fühlen zu lassen und das ist ja auch gut, aber für mehr reicht es nicht. Es reicht nicht jetzt und auch sonst nicht. Ich möchte nicht immer Türen offen halten, die doch in Wirklichkeit eh schon lange abgeschlossen werden sollten.

Es sind diese Tage an denen man sich das Herz aus der Brust reißen möchte, in der Hoffnung, dass es dann weniger weh tut. Das sind die Tage, an denen man den Kopf unter Wasser tauchen möchte bis da nichts mehr ist, über das man nachdenken müsste.

Ich wollte nie, dass du ganz verschwindest. Das war immer meine größte Angst. Ist meine größte Angst. Da kam ein Moment. Er hat sich langsam aufgebaut, aber dann war er da. Der Moment, der mir laut ins Gesicht schrie, dass das hier enden muss, weil mein Herz dabei verloren gegangen ist. Weil es andere Dinge gibt, die gerade viel besser tun.


Laute Musik, viele Menschen. Du lachst, du tanzt, du trinkst. Da ist jemand der dich küsst und du küsst ihn zurück, dabei kennst du ihn kaum. Morgen musst du arbeiten, aber dir wird es schlecht gehen. Das Bier schmeckt langsam schal. Die Treppen zum Klo werden zum Hindernis, also gehst du einfach nach Hause durch die kalte Novembernacht. Du lachst für dich alleine und dabei laufen dir Tränen durch das Gesicht. Deine Haare riechen nach kaltem Rauch. 


Und dann war da dieser Augenblick. Nach Monaten. Du kamst aus dem Bahnhof, ich weiß es noch genau. Alles weg. Gedanken. Erleichterung. Zweifel. Wut. Gegenwart. Umgebung. Alles weg. 

Ich möchte dich dann umarmen und nicht mehr loslassen. Ich möchte dich dann festhalten um mich zu vergewissern, dass du wirklich da bist. Da ist Etwas. Etwas was dich nicht gehen lassen möchte. Nicht jetzt, aber vor allem auch sonst nicht.

Hast du dich mal gefragt wie es ist, in einem Zug zu sitzen und dort hinzufahren, wo jemand auf dich wartet, der dich liebt? Jemand, der da am Bahnhof steht, nur weil du in diesem Zug sitzt. Hast du dich mal gefragt wie es ist, auszusteigen und geküsst zu werden? Hast du dich mal gefragt wie es ist, dann Hand in Hand und Herz an Herz durch die Stadt zu laufen, um dich der Winter und im Kopf Sommer? Auf dem Gesicht ein zufriedenes Lächeln das einfach nicht verschwinden möchte.

Du schaffst das immer noch. 


Tags: Irrungen und Wirrungen, Zugfahren, immer wieder, Kopfkarussell, liebe
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