Gellert 28.04.2008, 21:58 Uhr 5 3

Versager

sie ähnelte mir und es scheint mir wichtig. ihr kopf wäre wie ein ergonomisch geformtes weiches Sofa für mich. ich verlieb mich doch nicht grundlos.

VERSAGER

Schon dieses Wort klingt (alleine) sehr komisch.
Der Grund dafür, dass es hier steht und im Großen und Ganzen Thema der folgenden Erzählung ist, ist einerseits schlichter Art, andererseits auf anstrengende Art und Weise zu erklären. Ich will nicht unbedingt das sein, was dieser Titel ausdrückt. Aber es ist eine Interpretation meiner Geschichte.
Niemand von uns will ein Versager sein. Ich fühl mich aber irgendwie wohl.
Aber zurück zu diesem Wort. Sagen wir uns dieses Wort gegenseitig ins Gesicht, mal mitleidig, mal aggressiv (also beschimpfend) wirkt es wie der Begriff für eine Art Erfolglosigkeit. Bemitleidenswert, oder?
Sagen wir uns den Begriff einfach mehrmals hintereinander vor, so stellt sich der Effekt ein, dass man sich schon wundert, ob es diesen Begriff überhaupt gibt.

Nun zerpflückt man sich das Wort, analysiert es.
Warum eigentlich Sager?
Die eigentliche Frage, die mir bei einer solchen Analyse direkt ins Gesicht sprang, war, warum das Wort so negativ besetzt ist und wirkt.
eigentlich, und genau genommen kommt doch von versagen, es ist eben das zugehörige Nomen, eine Art Beruf.
Und das Verb kann auf zwei Arten interpretiert werden.
1.) "versagen kann mit "scheitern" gleichgesetzt werden.
2.) wenn jemandem etwas versagt blieb, kann (oder eher muss) das heißen, dass er keinen Ausblick auf etwas Bestimmtes hatte.
Das ist jetzt blumig ausgedrückt für meine Begriffe.
Nach dieser Definition kommt man zu dem Schluss, dass ein Versager der ist, der etwas versagt oder eben regelt, dass Ziele nicht erreicht werden.
Und schon wird eine existenzielle Beschimpfung zu einem ehrenvollen Prädikat.
Ein gewagter Vergleich wäre der Beruf des Totengräbers. Scheiß Job, aber man braucht ihn eben.
Ein richtiger Versager ist jemand, der sich selbst willentlich Dinge versagt. Das ist eine Prämisse ohne die ich mich schlecht fühlen und die Geschichte nicht funktionieren würde.
...Dieses ganze Schriftstück lang hab ich also nur angedeutet, dass ich ein Versager sein könnte. Aber dabei kommt es auf den Blickwinkel an. Ich will es trotz dieser zurechtgebogenen Worterklärung mir nicht eingestehen oder zuschreiben. aber nur dafür, dass es mal gesagt ist, hab ich mir keine Erklärung und Definition dieses Wortes einfallen lassen.

Ich sehe nur einen Zusammenhang zwischen diesem Wort und meiner Geschichte.
Ich will nicht alle ollen Kamellen aufwärmen, nur die letzte, die spannendste, kürzeste.
Gespickt von Pointen. Und am liebsten in Form einer Fotolovestory wie sie uns aus früheren Zeiten geläufig sind. Wo wir schon beim nächsten Wort wären.
dieses hat natürlich was mit prägnantem Schreibstil zu tun, will sagen schwanger, geläufig kommt doch von läufig, was wiederum so was wie brunftig bei Hunden zum Beispiel heißt. Nicht wahr? Nicht wahr!
Und wenn wir schon von Brunft sprechen, passt jetzt meine Geschichte gut in dieses Gefüge.

Ich hatte mich mit einer schönen jungen Dame, einer potentiellen Lebensabschnittsgefährtin verabredet. sie ist 4 Monate jünger als ich und meist das genaue Gegenstück zu mir. idealistisch und sich selbst einschränkend.
wir hatten vor etwa einer Woche im betrunkenen zustand abgemacht, uns gestern, also Samstag zu treffen.
die Woche schlich oder kroch vielmehr, gleich einer Schnecke dahin. so kam es also, dass wir uns schon auf diesen tag freuten.
ich weil ich sie sehen wollte. sie weil sie mich sehen wollte. der Grund warum ich sie sehen wollte lässt sich nur unschwer erraten. ihre gründe kann ich nicht interpretieren, weil ich einfach nicht in ihrem kopf hause.
ehrlich gesagt, ich vermute, dass ich mich in diesem kopf wohl fühlen würde. er ähnelt inhaltlich bis auf wirklich essentielle dinge meinem.
aber dann könnte ich ja in jedem kopf hausen.
nein, ich würde schon ihren mein eigen nennen wollen. Nicht weil ich sie beherrschen will oder so - nein, ich glaube nur, dass wir möglicherweise auf gleicher Wellenlänge waren.
so lässt sich also dieses Wunschdenken, mit ihr eine Partnerschaft einzugehen erklären. sie ähnelte mir und es scheint mir wichtig.
ihr kopf wäre wie ein nahezu ergonomisch geformtes weiches Sofa für mich.
ich verlieb mich doch nicht grundlos.
seit letzter Woche hab ich mich stark verändert, ich rauch jetzt pfeife und alles andere, was ich zwischen die Finger bekomm. Samstag war tag meiner ersten Zigaretten, Zigarillos und *****, außerdem der tag meines selbstgebauten Pfeifenkopfes, Schnupftabaks und einer Wasserpfeife.
Nikotin hoch 3
Etwas viel, aber auf etwa 12 stunden gemütlich verteilt. Und ich hab mich nie dabei irgendwie schlecht gefühlt. physisch.
hmm... die Liste der Rauchgeräte und Erfahrungen hab ich also ziemlich erweitert an diesem tag. man muss nicht alles ausprobieren. ich auch nicht.
Jane und ich unterhielten uns während der zeit bis die anderen Gäste auch auf die gemütliche Hausparty kamen gut, wir kamen uns auf gewisse weise noch näher, um uns dann schmerzlich weit auseinander zu leben. das klingt jetzt wie eine gescheiterte lang zuvor anhaltende ehe. ist aber die Zusammenfassung von wenigen stunden Aufenthalt im selben Raum.
So saßen wir zunächst nett und adrett nebeneinander auf dem Sofa, berührten uns ab und an zufällig, tauschten blicke, Gedanken und Worte.

Die Hausparty wurde immer reicher in der Anzahl ihrer Gäste. was zuvor als date bekannt wurde, verwandelte sich mit dem eintreffen zahlreicher scheinbar gut befreundeten Menschen zu einer solchen.
mit der Anzahl der Gäste stieg auch der Nikotin und Alkoholkonsum, folglich auch der Flüssigkeitsstand unserer Körper. Dies hatte zur Folge, dass jeder Gast mindestens einmal die Toilette aufsuchen musste. Ein Folgenschweres Tauschen der Sitzplätze war damit natürlich auch verbunden, und nach vielem Umhergetausche und einem "ach hier wird’s mir zu eng, ich setz mich zu dir aufs Sofa" kamen wir doch wieder in die Konstellation Sie-neben-mir-Ich-neben-ihr.

Neben ihr saß aber noch jemand. eine schillernde Persönlichkeit, aber für diese Geschichte ein unwichtiger Nebenhandlungsstrang.
Ein anderer Gast sprach in der großen Rund von einem alten Computerspieltitel, die schillernde Persönlichkeit und ich verwickelten uns sofort in ein Gespräch darüber, da wir trotz des enormen Altersunterschiedes von 6 Jahren das gleiche Computerspiel gespielt hatten.
Ich freute mich über meinen Mitstreiter und sah aber neben diesem angeregten Gespräch ein anderes flöten gehen: Jane wollte raus aus diesem Kreuzfeuer von alten sinnlos blöden Computerspielen aus irgendeiner uralten Jugend und weg von uns.
oder zumindest von mir. also entfernte sie sich schleunigst, doch der echte krasse schnitt der uns trennt war das spätere gesellen zum Gastgeber.
ich kann mir keine solch innig Freundschaft zwischen dem wirt, ohne welchen ich die Rechnung gemacht hatte, und meiner Jane vorstellen. Der Gastgeber wollte mehr als das was sie mir über ihn erzählt hatte (guter Kumpel etc.), was ihn mit mir zwar verband, ich kann gut sagen dass der Kerl Geschmack hat, aber ihn mir auch widerwillig zum Konkurrenten machte.

So verbrachte ich die zeit bis zu meinem ersten ***** mit dem stopfen der pfeife, einer tiefsinnigen Unterhaltung mit der schillernden Persönlichkeit, zwei Zigarillos und dem Nachdenken über das, was nun aus Jane und mir werden würde.
zum für die Abendgesellschaft lang und Heißersehnten high-light des abends, welches nur auf mich extrem light und die andern ziemlich übelst high wirkte, saß sie dann doch wieder neben mir und stand mir bei, alles richtig zu machen.
kurz darauf war sie auch schon wieder weg und sollte mir erst später wieder anstatt meines letzten Zigarillos und der schillernden Persönlichkeit Gesellschaft leisten.
dieses hin und her machte mich ganz kirre und so endete der Abend für sie auf dem Schoß und im Arm des guten Kumpels, der anscheinend der Gastgeber und nicht - wie von mir erwünscht - ich war. Trotzdem war doch der ganze Abend recht nett und nach ethische Diskussionen über das zurücklassen von einsamen Alkoholleichen in der Wohnung beschlossen wir noch in den Rockclub unseres Vertrauens zu gehen.
und dort hatte ich dann mal wieder das Motiv der Geschichte, mit welchem sie anfing:
Glück. So wie der Sieg beim stumpfsinnigen Poker schaffte es mein Glück, mir unbeliebte Kurskameraden auf den Hals zu hetzen. Die beiden Mädels wurden von mir davon überzeugt, dass sie mich unbedingt nach Hause bringen sollten und die beiden fuhren wieder ab. schon stand ich vor meiner Tür, meinem Bett, meinem Traum.
Jane war irgendwo da draußen. Weit weg.

Dieser Text beinhaltet bis hier hin
44 x Ich
19x mir
16 x mein, meiner
15 x mich
15 x sie
9 x sich
8 x ihr, ihre
7 x über
5 x Jane
5 x Versager
5 x Gast
4 x Persönlichkeit
3 x Gäste
3 x Sofa
3 x Zigarillos
3 x Zeit
2 x denken
2 x vorstellen
2 x fühlen

MEIN ZUG FÄHRT
Die nächste Begegnung mit Jane verlief vielleicht noch unglücklicher als die zuvor beschriebene. Eigentlich kann man nicht viele Worte dafür vergeuden. Nach 3 Stunden rumhocken und einer Art smalltalk zückte ich meine taschenuhr, las die Zeit ab und verschwand mit den Worten „Mein Zug fährt jetzt dann.“.
Und das wasrs auch schon. Ich bin schon gespannt wieviele Begenungen es noch braucht bis wir das geklärt haben.
Ich kann mit die ganze Sache einfach nicht restlos erklären.

FÜR DICH HAB ICH DOCH IMMER ZEIT
Trotz dieser vorangegangenen eher unerfolgreichen Begegnung und der Tatsache, dass sie mich ziemlich runtergezogen hat, antworte ich also auf von ihr folgende sms weiterhin freundlich gesonnt.
Diese Sonne hält lange an. Außer jemand erinnert mich dran, wie fertig ich nach unserem letzten Treffen war. Aber was hat das schon zu bedeuten – Im Vergleich zu gutaussehenden sms mit Sätzen wie „für dich hab ich doch immer zeit“, „meld dich doch mal wieder“, liebe grüße, jane“ oder spontane Informationen die man manchmal gar nicht haben wollte: „ich sitz grad in der wanne“.
Letztes Wochenende ist unser Treffen geplatzt. Ich hatte nämlich einen geschäftlichen Termin mit meinem Dealer. Leider ist auch dieser Termin geplatzt. Warum weiß ich nicht, viellleicht hatte er Muffensausen.

*DRÜCK*
Ein Wochenende folgt auf das andere.
So zieht sich die Sache hin, und ich glaube ich würde noch heute an ihr hängen, wenn nicht der unvermeidliche Fall eingetreten wäre. Früher oder später musste es ja soweit kommen, ich wusste ja, dass eine Liaison der beiden nicht mehr auszuschließen war. Guter Kumpel. Und mein Dealer hatte tatsächlich Schiss.
Davor dass ich meine Freundin mitbring, auf die er ja steht.
Kann ich daraus einen Schluss ziehen? Etwas neues lernen? Fürs nächste mal?
Nein. Eher nicht. Es wird kein nächstes Mal geben.

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5 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Ich find den super finde ich

    Ja, schon

    Siehste, meine Sonntagslangeweile kann auch mal nützlich sein für dein Ego
    PUSH

    30.08.2009, 12:42 von kleinepiratin
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    Gehetzt, passagenweise. Wirkt auf mich wie ein willkürlich zusammengesetztes Puzzle... oder, ein Bild von Damijan Fric.

    29.04.2008, 10:27 von ssanni
    • 0

      @ssanni gehetzt? mhm. kann sein.
      damijan fric? ist das nicht der mit den aggressiven kontrastierenden farbflächen und fotorealistischen inhalten? kann man das vergleichen?

      29.04.2008, 14:50 von Gellert
    • 0

      @Gellert dieser damijan fric scheint zu versuchen
      salvador dali nachzuahmen. wie schlecht...
      also kein vergleich zu dieser geschichte,
      finde den verlauft toll aufgeteilt und so manche wortspiele sind auch fresh ^^

      09.08.2009, 09:36 von pinkness
    • 0

      @pinkness fresh!
      word!

      09.08.2009, 21:35 von Gellert
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  • 0

    Respekt, du hast alles durchgelesen.
    schau mal den anderen text an, der wird gerade zerlegt, gibs dir ;')

    28.04.2008, 22:45 von Gellert
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  • 0

    Hm.. ich weiß nicht was ich sagen kann/will/soll..
    ein Text sollte so sein. Bewundernswerter Schreibstil.. und eine Geschichte, wie ich sie auch grade erlebe.. fast. Nicht ganz. Aber fast. Mein Lieblingstext, ab jetzt. Hm. Schöne Grüße.

    28.04.2008, 22:40 von Der_Muenzer
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