Verpasste Chancen.
Des Lebens. Der Liebe. Erfahrung. Resignation.
Sie kannten sich schon länger. Ein Freund von ihm machte die beiden miteinander bekannt. Damals war sie sehr oft in Begleitung von Maria-Lena und die beiden waren beliebt und viele in sie verliebt. Er war dagegen in etwas anderes verliebt. Er liebte den Sport. Jeden Tag ging er auf den Freiplatz und trainierte. Er liebte dieses Spiel. Die Bewegungen, die Musik, die Menschen, die er dadurch kennenlernte. Ein paar Jahre später würde er sagen, dass dieser Sport seinen Charakter formte, in der Zeit, in dem ein Junge langsam zum Mann wird. Streetball war für ihn eine Möglichkeit mit verschiedensten Kulturen in Kontakt zu kommen. Auf dem Court war jeder gleich. Die Hautfarbe, die Nationalität, der Beruf - alles geriet in den Hintergrund und wurde unwichtig. Der Welt ein Stückchen entkommen und in eine schönere abgleiten, das war weshalb er dieses Spiel so liebte.
Sie dagegen war eine Künstlerin. Sie malte und musizierte. Ein Bild nach dem anderen entsprang ihren Pinselstrichen. Die beiden trafen sich ab und an abends auf dem Freiplatz und ihr gefiel es mit ihm ein paar Körbe zu werfen. Er genoss ihre Gesellschaft. Auch wenn sie ihm ein wenig naiv vorkam, ihre Schüchternheit und ihr Lächeln erwärmten sein Herz. Doch es kam, dass sie sich in einen Freund von ihm versah. Es war ein gut gebauter, jedoch manchmal sehr unreifer, Basketballer mit dem Namen Malte, doch er erwarb die Gunst ihres Herzens.
Währenddessen ging er auf dem Freiplatz und suchte Trost im Sport. Immerhin hatte sie es ihm mittlerweile schon sehr angetan. Sie dagegen vergaß ihn ein wenig und meldete sich nur noch sehr selten. Mit voller Hingabe stürzte sie sich in ihre neue Beziehung. So gingen ein paar Wochen ins Land.
Eines Tages rief sie ihn an und benötigte seine Meinung. Die Beziehung lief nicht. Er hörte ihr zu und versuchte ihr sachliche, unvoreingenommene Ratschläge zu geben. Sie telefonierten lange und am Ende des Gespräches war sie wieder guter Dinge. Sein Charakter war einfach ehrlich, er steckte zurück um anderen zum Glück zu verhelfen. Ein paar Wochen schien die Beziehung neu belebt worden zu sein, jedoch war dies nur von kurzer Dauer und Malte und sie trennten sich.
Von diesem Zeitpunkt an, meldete sie sich wieder öfter. Sie unternahmen viel zusammen und hatten Spaß. Er konnte ihre Gefühle nicht einschätzen. Also versuchte er für sich zu werben. Er verstand es den Gentleman zu spielen und vielleicht beeindruckte er sie ja damit.
Ein paar Monate später ging er zur Armee. Er war jetzt nur noch selten da. Sie lernte neue Männer kennen und schien die eine oder andere Liebelei zu haben. Er lernte auch jemanden kennen. Ihm wurde bewusst, dass er wohl keine Chancen hatte und flüchtete sich in seine neue Bekanntschaft mit Ira. Die Beziehung mit Ira war sogar sehr gut und erfüllte ihn.
Das Verhältnis zu ihr dagegen wurde immer mehr zur Freundschaft. Sie rief ihn an, wenn sie Männerprobleme hatte. Im tat es im Herzen weh, wenn sie mal wieder an einen Falschen geriet. Und er fragte sich oft: „Wieso denn er und damals nicht ich? Was hat er was ich nicht habe? “ Doch ihm lag viel an ihr und er hörte zu, war für sie da. Ihr Leben veränderte sich zu dieser Zeit. Obwohl sie sich der Kunst verschrieb, entschied sie sich doch für ein wirtschaftliches Studium, was er nie verstand.
Wenn er mal im Lande war, verband der Tanz die beiden. Sie gingen auf Partys und lebten das Leben. Sie tanzten ungezwungen zu Musikstilen, die sich nicht einmal wirklich mochten, doch sie tanzten zusammen und das war was es ausmachte. Sie hatte sich gemacht, ihr Studium hatte sie verändert. Sie wurde immer offener und spontaner. Das liebte er, weil es das einzige war, war ihr gefehlt hatte. Er realisierte, dass er wohl immer noch in sie verliebt war. Allerdings liebte er die Sicherheit und Geborgenheit seiner Beziehung.
Irgendwann kam es zum Streit zwischen den beiden. Sie verglich, unbewusst - wie sich später herausstellte, ihre Beziehungen mit seiner. Er war empört und wurde ungehalten. Er warf ihr Dinge an den Kopf, die in seinen Augen berechtigt waren. Später würde er es allerdings nicht mehr ganz so sehen. Sie hatten ein paar Monate keinen Kontakt. Irgendwann sprachen sie darüber und das Missverständnis klärte sich. Ihre Freundschaft stärkte sich wieder, doch der Streit ward nie vergessen. Sie telefonierte jetzt wieder mit ihm, brauchte jemanden zum zuhören, ihre Familienverhältnisse waren nicht die besten.
Es war Dezember und sein schönes Leben wurde durch entscheidende Geschehnisse verändert. Er beendete seine Beziehung, es lief einfach nicht mehr. Er kam nicht mehr damit klar, jedes Wochenende Tausend Kilometer zwischen Dienststelle und Ira zu pendeln. Zudem kam noch hinzu, dass Ira seine Mühen nicht mehr schätzte.
Am ersten Weihnachtsfeiertage gaben seine Eltern ihre Trennung bekannt. Er versuchte zwei Tage die Wogen zu glätten, rieb sich dabei auf. Am dritten Tage besuchte er seine Cousine, er brauchte Ablenkung.
Am vierten Tage traf er sich aber mit ihr zu einem Cocktail. Sie lachten viel. Erzählten von ihren Träumen. Er meinte er würde am liebsten am nächsten Tage sofort ans Meer fahren. Sie meinte sie auch. Er glaubte dies nicht, weil er sie nicht so spontan einschätzte. Er sagte ihr, wenn sie jetzt bejahe, fährt er mit ihr am nächsten Tage dorthin. Sie bejahte.
Am ersten Tag des Jahres ging die Reise los. Siebenhundert Kilometer ans Meer. Sie wollten in Rostock übernachten. Sie unterhielten sich viel. Abends gingen sie essen. Im Anschluss standen sie am Pier. Sie unterhielten sich, über Liebe, Beziehungen, das Leben. Er umschrieb, aber er fragte sie, ob sie jemals an mehr mit ihm dachte. Sie meinte, sie hätte nie über Freundschaft hinausgedacht. Für ihn war das ein Korb. Seine letzte Hoffnung erlosch. Trotzdem genoss er die Zeit mit ihr am Meer.
Am nächsten Tage fuhren sie nach Warnemünde. Er führte sie ein wenig herum. Spontan kam der Gedanke eine Flaschenpost zu verschicken. Sie erfragten in einem Lokal nach einer Flasche und fuhren etwas außerhalb an den Strand, der durch eine höhere Böschung abgegrenzt war. Vorher überlegten sie sich in dem Café, welche Botschaft sie versenden wollten. Eine auf Englisch, eine auf Spanisch, und jeder einen persönlichen Wunsch auf Deutsch, ohne, dass ihn der andere sehe. Er schrieb: „Mein größter Wunsch wäre es, dass die Frau, mit der ich diese Flaschenpost verschicke, mich lieben würde.“
Am Strand, es wurde bereits dunkel, waren sie alleine und genossen den Sonnenuntergang. Es war sehr kalt. Sie warfen die Flasche ins Meer, blieben noch eine kurze Zeit und fuhren dann über Nacht zurück nach Hause.
Auf der Autobahn unterhielten sie sich sehr lange. Irgendwann kam das Gespräch zu der Frage, welche Eigenschaften der zukünftige Partner jeweils haben sollte. Als sie Antwort auf die Frage gab, erkannte er sich in den Punkten wieder. Er fragte sich, weshalb sie ihn nicht sah. Das betrübte ihn sehr. Die Fahrt ans Meer gab ihm aber privat die Kraft für seine Herausforderungen im neuen Jahr.
Er zog zu seiner Dienststelle, begann zu musizieren, liebte das Leben. Es wurde ein gutes Jahr. Sie lernte Pierre kennen und begab sich in eine neue Beziehung. Sie versprach ihm ihn zu besuchen. Zweimal versetzte sie ihn vorher. Er unterhielt sich mit seinen besten Freunden oft über sie. Die Absagen schmerzten ihm sehr. Viele meinten er solle sie vergessen und er begann daran zu glauben, dass es wohl das Beste wäre. Er führte schließlich ein neues Leben, in einer neuen Stadt.
Weihnachten besuchte er seine Familie in seiner Heimat und verbrachte eine schöne Zeit. Auch seine Cousine war endlich mal wieder hier. Er hatte sie über ein Jahr nicht mehr gesehen. Seine Cousine entschloss sich mit ihm feiern zu gehen und sie tanzten voller Lebensfreude.
Sie war auch da, mit Pierre. In einem Moment, als sie alleine am Rande der Tanzfläche stand, ging er zu ihr und fragte sie ob sie nicht tanzen wolle. Sie meinte, dass sie später komme und es versprochen sei. Seine Gedanken waren nicht gut. Er ging erst ein paar Schritte von ihr um sich dann doch umzudrehen, zurückzukehren und sie zu fragen, ob das Versprechen den gleichen Wert hätte, wie das Versprechen des Besuchens. Ihr Gesicht verriet Bestürzung. Er ging und er war erleichtert. Er befreite sich von der Last, die ihn bedrückte. Es war der Zeitpunkt, als er mit der Liebe zu ihr abschloss.
Dennoch bedrückte ihn die scheinbare Traurigkeit von ihr. Wo ist das so freudige Mädchen, das er damals liebte? Er unterhielt sich mit seiner Cousine über sie. Seine Cousine meinte, dass sie nicht schätze was sie an ihm hätte und deshalb sei sie es auch nicht wert. Er beließ es dabei und genoss den Abend. Sein Leben ging voran. Er hatte eine tolle Zeit mit seiner Familie und mit seinen Freunden an den Weihnachtstagen.
Drei Wochen später erhielt sein E-Mail-Konto eine Nachricht von ihr. Sie sei eine schlechte Freundin gewesen und sie möchte wieder mehr mit ihm machen. Er antwortete und zeigte sich bestürzt von ihrer scheinbaren Veränderung zum leblosen Mädchen, doch er würde sich auch gerne wieder mit ihr treffen und tanzen gehen.
Zwei Tage später unterhielten sie sich. Sie meinte ihre Beziehung liefe nicht so gut. Er hörte ihr zu. Im Verlauf es Gespräches wollte sie von seinen Damen-Erfahrungen wissen. So erzählte er ein wenig, was ihm bisher widerfuhr. Er trank gerade ein Glas Wein und genoss die Musik, als sie auf sich selbst kamen. Auf die Beziehung zwischen ihnen und die empfundenen Gefühle. Irgendwann meinte sie, dass sie nicht weiter als Freundschaft dachte, weil sie schon so lange befreundet waren. Sie hatte das Gefühl, dass es für ihn nie mehr als Freundschaft war.
Er erzählte ihr in einer Offenheit, über die er sich selbst wunderte, welche Gefühle er für sie gehegt hatte, vielleicht noch hegte. Er gestand ihr, dass sie die einzige Frau ist, die er in seinem Leben kennenlernte, zu der er sofort kommen würde, falls sie ihn anriefe. Ihr fehlten die Worte. Ihm auch. Ihre Bekanntschaft bestimmte seine Gefühle über mehr als 4 Jahren und er verpasste seine Chance, weil sie nicht glauben konnte, dass er Interesse an ihr hatte. Er verabschiedete sich, betrank sich mit Wein, stand am nächsten Morgen auf und begann zu schreiben.






Kommentare
Was lernen wir daraus :
10.01.2010, 13:31 von tintinniaIn der Regel, stehen wir uns in puncto Liebe selbst im Weg.