Stjaernaflicka 07.09.2017, 20:09 Uhr 12 10

Verkehr[t]

Aber Du bist gar nicht hier, Du bist in einem Irgendwo und irgendwie nirgendwo und überall zugleich.

Um ein Haar hätte ich uns an den Haaren herbeigezogen, wär‘ in Deinen Harem eingezogen - dabei bist Du bloß eine Projektion meiner Sehnsucht auf ein Wir. Aber Du bist gar nicht hier, Du bist in einem Irgendwo und irgendwie nirgendwo und überall zugleich.
Ich dachte dieses Mal sei es anders, weil ich nicht wollte, dass Du mich bloß anfasst, sondern mit zögernden Liebkosungen berührst. Ganz vorsichtig, ganz still. Und dann laut und lauter, bis ich vor lauter Du nicht weiß wo mir der Kopf steht, weil er so verdreht von Dir ist, dass mir Hören und Sehen vergeht und ich nur noch fühlen und nicht mehr denken kann.
Wir waren uns nicht nur beinahe nah, waren nicht mehr nur bei "Na, wie geht's?" - "Danke, gut.", obwohl eigentlich so Vieles nicht gut war, sondern bei "Wie geht es Dir?" - "Gehst Du mit mir .. - noch ein Stückchen weiter?" - über [ ] ja [ ] nein [ ] vielleicht [ ] knutschen hinter'm Fahrradschuppen hinaus. Wir waren uns nah und beinahe näher noch und doch so weit voneinander entfernt, weil Du bei unser’m Miteinander immer bloß bei Dir geblieben bist. Ich weiß, ich habe mich nie beschwert, habe mit Schwert und Schild für uns gekämpft und viel zu spät erst begriffen, dass Du das gar nicht wolltest. Ich bin in die Schlacht gezogen, doch Du hast mich auf die Schlachtbank gezerrt. Du wollest mich nicht enthaupten, hast Du gesagt, behauptet, dass es hauptsächlich nicht hat sollen sein – aber wie kann es denn nicht sein sollen, wenn Du es nicht hast wollen sein, denn wenn man etwas nicht sein will, dann kann es zwar sein sollen, aber nicht sein müssen. Doch Ausreden und rausreden kannst Du so gut und ich glaube nicht, dass es Dich weder Kraft kostet noch Mut – es ist ein Fahrzeug und Du bist der Autopilot. Zwar sagen sie: "Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt", aber weißt Du, auch für Dich gilt die StVO.

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12 Antworten

Kommentare

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    guter Beitrag

    11.09.2017, 12:23 von 8steideki
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    Gefällt.

    10.09.2017, 13:56 von honest.spue
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    Aua. Schön!

    08.09.2017, 12:38 von themagnoliablossom
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  • 1

    Du Wortspielkind... 

    08.09.2017, 07:12 von sailor
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    Das hast du bereits auf einer Bühne vorgelesen, stimmts? :) 

    07.09.2017, 21:37 von Neapel
    • 0

      Nee, tatsächlich habe ich das noch nicht. Aber Dein Eindruck kommt nicht von ungefähr: meistens habe ich beim Schreiben schon im Ohr wie es klingt. Bei dem hier ist es durch eine unregelmäßige Reimrhythmik aber recht offensichtlich (bzw. gut von Dir erkannt), dass er durch Vortragen/Hören ggf. besser funktioniert :)

      07.09.2017, 23:26 von Stjaernaflicka
    • 0

      Du meinst, deine Texte hören sich immer gleich an?

      08.09.2017, 10:43 von quatzat
    • 0

      Ich habe sogar die passende Stimme dazu im Ohr :)

      08.09.2017, 10:45 von Neapel
    • 1

      quatzat, da ich Deine These bzw. Frage weder in noch zwischen meinen Zeilen lesen kann, interessiert mich, wie Du das aus der Antwort an Neapel generierst. Oder liest Du, was Du hören möchtest? Oder legst Du mir Deine Ansicht auf meine Texte in den Mund? So viele Fragen!

      08.09.2017, 15:04 von Stjaernaflicka
    • 0

      Na, dann streng mal die Zellchen an und verbinde den Ausgangspost mit deiner Antwort.


      Voila.

      Die anderen Fragen kannst du dir viel besser beantworten als ich.

      10.09.2017, 12:29 von quatzat
    • 1

      Not my circus, not my monkeys.

      10.09.2017, 17:13 von Stjaernaflicka
    • 0

      ... sagte der Clown, als keiner lachte, und verschwand.

      11.09.2017, 08:57 von quatzat
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