alwaysthinking 30.11.-0001, 00:00 Uhr 8 2

Unterschiedliche Geschwindigkeiten

Unsere Uhren haben (im Gegensatz zu unsren Herzen?) nie im selben Takt geschlagen,wir hatten sie nie verglichen,geschweige denn aufeinander abgestimmt

Egal, wo wir beide gewesen sind, egal, an welchen Orten wir waren, egal ob oben, unten, dort oder doch wo anders – das alles spielte keine Rolle. Es war unwichtig, weil wir an all dieses eigentlich so wunderschönen Plätzen nie zur selben Zeit waren. Es war nie möglich, die Aussicht gemeinsam zu genießen oder sich zu zweit daran zu erfreuen. Nein, wir liefen nie in derselben Geschwindigkeit sondern rannten die Strecken in komplett unterschiedlichen Zeiten.  Unsere Uhren haben nie im selben Takt geschlagen, wir hatten sie nie verglichen oder aufeinander abgestimmt.

Während ich einen herrlich leichten Herbsttag genoss, dabei zusah, wie die buntgemalten Blätter elegant, wie in Zeitlupe von den Bäumen fielen, und mir die letzten richtigen Sonnenstrahlen ins Gesicht lachten, warst du so hektisch. Du warst bereits dabei, den Schnee, der sich vor deine Türe gesammelt hatte, wegzuschaufeln. Bei dir war schon Winter, alles war kalt und meistens grau. Du hattest keine Zeit zum Entspannen, denn da war so viel zu tun.

Und wenn bei mir gerade die ersten Knospen aufsprangen, bist du ebenso schon in der glühenden Sommerhitze gelegen. Ich spürte das leichte Kribbeln auf der Haut, freute mich über jede Sekunden und jeden einzelnen Schritt in Richtung Sommer und du, du hast gar nicht mehr an den – an unseren - Frühling gedacht, sondern hast nur das Hier und Jetzt. Im Spätsommer.

Das war immer so. Bin ich noch ganz hoch geflogen, weil gerade erst oben angekommen, da bist du schon leise am Boden gelandet und hast keinen Blick mehr zu mir geworfen. Und wenn wir mal wieder miteinander am selben Weg gestartet sind, dann hast du das Ziel bereits Stunden vor mir erreicht, während ich derzeit noch mit dem steinigen Weg und vor allem mit mir selbst zu kämpfen hatte.

Wir zwei, ja wir  rannten mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Der eine schnell, der andre langsam und bedacht.

Ich bin jemand, der für alles Zeit braucht. Genügend Zeit zum Nachdenken, zum Gedanken sortieren, zum Gefühle analysieren, zum Mitmirselbstklarkommen. Aber wenn ich mir diese Zeit erst genommen habe, dann bin ich da. Hundertprozentig. Dann gibt es da nur diese eine besondere Person im Leben, dann dreht sich alles nur um dieses neue „wir“. Dann würd ich alles dafür tun, dass da noch mehr Zeit übrig ist. In diesem Fall ist es aber anscheinend so, dass du schon wieder meiner Zeit voraus bist und ich dich nicht mehr einholen und dann mit dir mithalten kann. Du bist wahrscheinlich schon über alle Berge, bei dir ist bereits Winter. Und ich, ich sitze hier und sehe den Blumen beim Aufblühen zu, genieße die ersten Sonnenstrahlen und sehe dem ganzen lustigen Treiben zu.

Ich sitze hier, mit meinen jungen Schmetterlingen, und denke an dich. Und du? Du tust das nicht.

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    06.09.2012, 07:52 von halbkindmf
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    Das kommt mir leider sehr bekannt vor. Wobei ich lange Zeit gerne stehen geblieben bin und gewartet habe. Leider, weil es zermürbend ist zu warten. Und mittreißen funktioniert auch nicht wirklich lange. Vielleicht versuchst du mal nicht alles zu hinterfragen und überspringst einfach mal eines deiner Hindernisse.  

    05.09.2012, 20:59 von jetsam
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      In einer Beziehung gibt es kein muss. Ich meine vielmehr ein aufeinander zugehen und verstehen, daraus einen Mittelweg zu finden.


      Wenn ich bei einem Spaziergang am Wegesrand eine Blume sehe, dann kann ich sie mir ansehen und dieses Bild im Kopf speichern. Ich könnte sie auch pflücken und mitnehmen. Wenn ich aber dahocke und sie mit von allen Seiten betrachte, dann braucht man seine Zeit dafür, während der Partner schon weitergelaufen ist. warum pflücke ich sie also nicht, nehme sie mit und beibe auf gleicher Höhe?


      Das Beispiel passt nicht ganz. Aber ich stelle mir die Frage, ob ich in jeder Situation alles von jeder Seite betrachten muss. Vielleicht sollte man lernen, dass der Partner schneller denkt und somit auch Entscheidungen abnehmen kann, dessen Entscheidungswege für den anderen Partner zu schwierig erscheinen und lange dauern. 

      06.09.2012, 09:40 von jetsam
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      Ja, so war das eigentlich gemeint.
      Manche Menschen sind eben besser im sich-öffnen und sich-fallenlassen. Andere - wie ich zB - machen sich mehr Gedanken, haben mehr Zweifel, brauchen einfach mehr Zeit zu diesem Prozess. Vor allem in der Anfangsphase.
      Schwierig wird's halt dann, wenn die ganze Situation unterschiedlich wahrgenommen wird und verschiedene Probleme entstehen, die der andere vielleicht überhaupt nicht bemerkt. Und wenn's dann nicht zur Aussprache kommt.
      Weil irgendwann ist einer von beiden schon so weit gelaufen, dass der hintengeblieben nichtmal mehr verstehen kann, was der andere sagen will. Und umgekehrt.

      06.09.2012, 19:14 von alwaysthinking
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      siehste, jetzt bin ich in meiner ichtweise so weit weggelaufen, dass ich dich nicht mehr gesehen habe. :(


      Eine blöde Situation, in der ich auch keinen Rat mehr geben kann. Versuche einfach darüber zu reden. Vielleicht begreift er es ja und schaltet mal einen Gang zurück. Wünschenswert währe es.

      06.09.2012, 19:21 von jetsam
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