GartenVonGettis 30.11.-0001, 00:00 Uhr 2 2

Und weißt du was? Ich vermisse dich.

Wir standen ihnen gegenüber und wir haben sie bloß gestellt. Und trotzdem sind wir an ihnen zerbrochen, so wie sie an uns zerbrochen sind.

Was ich denke über uns, was ich fühle, was ich erinnere, all das wechselt ständig. Aber da bist du immer.

Manchmal bin ich einfach nur froh. Froh, dass ich dich kennen lernen durfte und dass du mich gerettet hast als es mir so schlecht ging. Dann denke ich daran, dass du der einzige warst, der in der Lage war wieder Licht in mein Leben zu bringen. Ich denke an deine positive Art und an dein wunderbares schiefes Grinsen. Ich denke daran, dass ich nie gedacht hätte, dass das mit uns was wird und daran, dass das wohl am Anfang ganz gut war, weil ich mich sonst nie getraut hätte, mich auf dich einzulassen. In diesen Momenten ist mir bewusst, dass wir mehr hatten als ich mir je erhofft hätte und ich bin dir dankbar, dass du mir mein Selbstvertrauen zurückgegeben hast. Wenn ich mich an unsere Gespräche erinnere und an dein blödsinniges, wahnsinnig süßes Geplapper, dann muss ich an Sommerwiesen denken, an Sonnenschein, an Pistazien und an Radler. Du hast mich wieder glücklich gemacht. Und ich bin dir wirklich dankbar für jeden Moment mit dir. Für all die Geduld, die du für mich aufgebracht hast, obwohl ich doch nie welche mit dir hatte. Für all die Tage, die du mir so leicht gemacht hast, weil ich wusste, dass ich etwas habe, auf das ich mich freuen kann. Für all die Nächte in deinem Arm und die Morgenstunden, in denen ich neben dir liegen und deine Sommersprossen zählen durfte. Und vor allem für all den Kaffeegeschmack, den ich dir von den Lippen küssen durfte.

In manchen Momenten denke ich auch daran, was alles nicht funktioniert hat. Wie oft ich böse auf dich war und enttäuscht, weil du mich nicht verstanden hast. Ganz oft war mir richtig schlecht, weil mich das so traurig gemacht hat und ich hätte schreien können, damit du merkst, dass was nicht stimmt. Ich denke an all die Tage, an denen einfach alles schief gelaufen ist und die tausend Situationen, in denen wir gar nicht gut funktioniert haben. Ich denke an Enttäuschungen und an die daran anschließenden verzweifelten Versöhnungen, die eigentlich immer bereits den nächsten Streit in Aussicht gestellt haben. In diesen Momenten bin ich sicher, dass wir wohl sowieso keine Chance gehabt hätten und dass die Beziehung für mich auch immer ein schlechtes Gewissen bedeutet hat. Eines, was ich an dich weitergeben wollte. Und dann frage ich mich, ob so nicht alles viel einfacher ist. Viel geordneter.
Außerdem denke ich oft daran, dass ich recht damit hatte, dass du erschreckend rational sein kannst. Loyal und liebevoll und geduldig, keine Frage. Aber nicht entschlossen und kämpferisch und bereit zu lieben, wenn es weh tut und du keinen Nutzen mehr siehst. Du triffst klare Entscheidungen. Mit dem Kopf. Das heißt nicht, dass dein Herz stumm ist, es heißt nur, dass es nicht der Chef ist.
Diese Rationalität hat mir wohl zu Recht immer Angst gemacht.
Vielleicht wäre es ja sowieso nicht gut gegangen.

Meistens aber denke ich daran, dass wir so viel verpasst haben aus Angst, aus Rücksicht und aus Kommunikationsmangel. Meine Zweifel haben so lange Zeit dafür gesorgt, dass wir nicht glücklich werden konnten und als ich sie endlich besiegt hatte, hatten sie dich bereits besiegt.
Sie waren schwachsinnig und falsch, die Realität stand ihnen gegenüber. Wir standen ihnen gegenüber und wir haben sie bloß gestellt.
Und trotzdem sind wir an ihnen zerbrochen, so wie sie an uns zerbrochen sind.
Das ist das, was am meisten weh tut. Die Einsicht. Der Gedanke daran, wie viel Zeit wir hatten ohne sie nutzen zu können. Und der Gedanke daran, dass die Zeit nun abgelaufen ist, wo ich bereit bin sie zu nutzen.
Wir haben so viel verschenkt. Ich habe so viel verschenkt. Und du verschenkst jetzt gerade so viel. Aber das kannst du ja nicht wissen.
Meine Versprechen konntest du nicht glauben, weil du sie nicht fühlen kannst. Du kannst nicht ahnen, dass ich erst jetzt nach all den Monaten wirklich bereit war, die Zweifel besiegt hatte und gemerkt habe, dass ich dich wirklich, wirklich liebe. Also wirklich liebe. So ganz richtig.

Das kam viel zu spät, ich weiß. Du warst bereits am gehen und so konnte ich dir lediglich hinterher rennen, wohl wissend, dass das eher affig aussehen würde als überzeugend.
In einer unkontrollierten Nacht hast du dich umgedreht und mich angesehen, alles zugelassen, doch bei Tag ist deine Vernunft einfach so viel stärker als dein Herz.
Und deswegen war’s das.

Niemals werden wir all diese Nächte durchtanzen, auf die ich mich so mit dir gefreut habe. Wir werden uns nicht gegenseitig anfeuern und keine verrückten Reisen unternehmen. Wir werden nicht am Strand übernachten und Dosenbier trinken. Wir werden keine Purzelbäume im Garten machen, wenn die Sonne raus kommt und keine Konzerte besuchen. Wir werden nicht mit deinen Freunden grillen oder mit meinen zum Fußball fahren. Wir werden niemals zusammen Michel aus Lönneberga gucken oder die Pisten runter fegen. Wir werden keine Spaghetti kochen, nicht zusammen von der Kirmesbank fallen und nicht im Bett frühstücken. Wir werden nicht picknicken, kein Zelt aufbauen und kein Vanille-Stracciatella-Eis selber machen. Wir werden uns nicht verstehen lernen.

Ich hatte noch so viel vor mit dir, aber die Zeit war abgelaufen, bevor ich mich dazu entschließen konnte, damit anzufangen.

Ich weiß nicht, ob es im Endeffekt gut oder schlecht ist. Ich weiß nur, dass es falsch ist.
Ich weiß, dass ich voll bin von dir und leer, wenn ich an all die Dinge denke, die wir verpasst haben.

Und weißt du was? Ich vermisse dich.


Tags: liebe, Trennung, Reue, Liebeskummer, Fehler, Pläne
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2 Antworten

Kommentare

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    Genau das.

    02.03.2016, 14:02 von sarahpt_
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  • 1

    Danke!

    06.11.2015, 21:38 von Himmelundhoelle
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