comealittlebitcloser 09.07.2007, 21:51 Uhr 5 1

Und jetzt?

Entspannen auf Knopfduck.

Gerade in den fünf Minuten Pause ist Leere. Entspannen im Zeitplan also.
Wie ein hibbeliges kleines Kind dem man Kaffee gegeben hat springe ich von einer Beschäftigung zur nächsten. Termin auf Termin. Nachdenken? Nein.
Meinen Terminkalender habe ich selbst gewählt. Ich kann nicht mehr anders. Eine Stunde Nichts-Tun ist zu viel für mich.
Schlecht muss das nicht unbedingt sein. Still sitzen war nie meine Stärke erst recht nicht Nein-Sagen.

Kino? Klar.
Tennis? Natürlich.
Schnell noch was trinken gehen? Bin sofort da.

Jeden Tag nehme ich mir, mit dem Wissen es weder zu schaffen noch zu wollen, vor, eher ins Bett zu gehen. Oder mal wieder diese und jene Bekannten anzurufen. Erfolglos. Es wird nie früher als 2 und telefonieren kann ich nurnoch unterwegs.
Ein schleichender Druck von allen Seiten. Immer mehr Menschen betrachten mich als Teil ihres Lebens, vorallem als Teil ihrer Zeit.
Ich kann nicht anhalten. Ich kann nicht mehr. Der Zeitplan der nächsten zwei Wochen steht bereits. Dass Termine aufeinander fallen und ich mit Ausreden absagen muss, ist die Regel.
Wann mein Leben so eine krankhafte, aber doch regelhafte Art und Weise angenommen hat, ist mir rätselhaft. Es kann nicht lange her sein, denn ich erinnere mich noch gut an die Zeit zurück, in der ich das alles nicht brauchte. In der ich mich einfach ruhig hinlegen konnte, auch mal für eine Stunde und nur Musik hören.
Heute hat mich eine merkwürdige Begegnung daran zurückerinnert. So von dem bloßen Anblick einer alten Freundin, die mir einmal viel bedeutet hat, berührt zu sein, hätte ich nicht gedacht. Für wenige Minuten saß ich wie paralysiert im Auto. Die Stimmen um mich herum prallten an mir ab, ich starrte nur aus dem Fenster. Und wieder einmal lief alles weiter. Meine Gedanken zogen auf das Tennisfeld. Bis jetzt. Bis ich hier sitze und nichts mit den 5 Minuten freier Zeit anzufangen weiß, als nachzudenken und mein Leben zu hinterfragen. Jeden Tag erlebe ich so viel, lerne so viele Menschen kennen ohne mir dessen bewusst zu werden. Das erste mal seit 3 Tagen schlafe ich überhaupt wieder in meinem eigenen Bett.
Doch, ich mag mein Leben, auch wenn ich mich vielleicht gerade immens übernehme und mir die Folgen erst klar werden wenn es lange zu spät ist. Ich brauche das jetzt. Ich brauche jede einzelne Minute in denen mir die Menschen um mich herum zeigen, wie viel ich ihnen bedeute und wie gerne sie Zeit mit mir verbringen.
Nie habe ich so viel Nähe erfahren, nie habe ich sie so sehr gebraucht.
Was meine Freunde mir bedeuten kann ich nicht in Worte fassen. Deswegen möchte ich jede einzelne freie Minute mit ihnen verbringen.
Doch Versprechen zu brechen wird notwendig und reisst mich jedesmal aus meinen Terminen und macht mir klar wie sehr ich mich gerade verrenne.
Ich habe immer die Menschen verachtet, die nie Zeit hatten. Für nichts und niemanden. So bin ich nicht, so will ich nicht sein. Aber so werde ich. Schleichend und stetig.
Manchmal bereue ich, so durch mein eigenes Leben zu rennen, nie mehr allein zu sein. Früher war ich oft alleine. Das habe ich gebracht, genauso wie jetzt Menschen um mich in jeder Minute. In kurzen Augenblicken werfe ich mir selbst vor, vor der Wirklichkeit wegzurennen, absichtlich nichtmehr zur Ruhe kommen zu wollen, nur um mir nicht mehr so viele Gedanken um alles zu machen. Alles ist einfacher wenn man nicht so viel überlegt, einfach lebt und handelt.
Und jetzt?
Weiter so.

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5 Antworten

Kommentare

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    Stress, Eilkrankheit, Burnout-Syndrom, Zeitmangel, ...
    Ich verstehe dich nur zu gut, da es mir in den letzten zwei Jahren genau so ging.
    Ich bin nur dadurch zur Ruhe gekommen, indem ich auf die Schnauze gefallen bin.
    Deshalb wünsche ich dir Mut stehen zu bleiben und hoffe, du findest deine "goldene Mitte" (wieder).

    Espa

    15.03.2008, 14:15 von Espa
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    Erstmal: netter Text, stilistisch gut, finde ich. Thematisch auch. Aber: Vergiss nicht, auch ein bisschen, wenigstens ein kleines bisschen Zeit für dich allein übrig zu lassen. Ein Leben auf der Überholspur mag verlockend sein, aber auch dieser Teil der Straße bleibt nicht von Stau und stockendem Verkehr verschont - schmerzhaft ist es dann, wenn man feststellt, dass man, zuvor im Rausch der Geschwindigkeit, in dem nun ernüchterten Zustand doch alleiner ist, als man dachte...

    "Alles ist einfacher wenn man nicht so viel überlegt, einfach lebt und handelt." Das dachte ich auch einmal, bzw. denke es immernoch, manchmal, aber es fällt mir persönlich schwer, danach zu leben, denn ich glaube, dass alles nur einfacher erscheint und die Probleme meist nur nach hinten verschoben werden...

    31.07.2007, 13:24 von lookwhatyouvedone
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    und dein ende hast du auch selbst gewählt, so wie fast jeder. psychopat zu sein ist nichts auf das man stolz sein sollte. eher etwas dass man ändern muss.

    10.07.2007, 20:06 von comealittlebitcloser
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    nein so werde ich nicht enden, so endet man nur wenn einem alles scheißegal ist und darauf pass ich auf.
    mir ist nicht alles scheißegal.

    10.07.2007, 20:01 von comealittlebitcloser
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