Santsche 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 7

Und irgendwann vergeht es.

Man sagt sich, die Zeit heilt alle Wunden. Ich stimme dem zu.

Noch nie sah ich den Himmel wie heute Nacht. Die Sterne strahlen als wären sie von Gott gesandter Sprühregen und glänzen durch unbeschreibliche Helle. Das Meer scheint dunkel, trotzdem leuchtet es mir mit einer ungezwungenen Leidenschaft entgegen. Tief rauschende Wellen spielen jenes Lied, das ich hörte, als ich mich zum ersten Mal in dich verliebte. Und das magische Sternenbild scheint unvergleichlich wie zu jener Zeit, als du mir zum ersten Mal das Herz gebrochen hast.

Es war eine Nacht in der ich erkannte, dass ich an deiner Seite war, und eine andere dich umhüllte.

Ich war schockiert. Geschwächt. Du hattest uns verraten. Der Glauben an eine glücklichere Zeit war nicht mehr gegeben und in meiner Verzweiflung schien mir der einzig richtige Weg dich ihr zu überlassen. Ich tat dem so. Nächtelang war ich gequält von Selbstzweifel und sah die Welt nur noch als verdunkeltes Zimmer. Ich erkannte, dass Liebe nichts weiter als eine Aneinanderreihung von Buchstaben war. Ein gebrochenes Herz eines hingebungsvoll verliebten Wesens, war nicht mehr als ein Organ das in meiner Brust schlug.

Selbstmitleid half irgendwann nicht mehr. Die Schlaflosigkeit gewann an überhand. Ich begann einen Marathon der mich vergessen ließ. Verspürte ich Lust, befriedigte ich sie. Verlangte ich Nähe, nahm ich sie mir. Verlor ich den Mut, weinte ich um ihn. Und es war gut so. Ich schlief mich durch die Nächte von Paris und tanzte auf den Bühnen von New York, aber der Schmerz…

… es war nicht schlimm. Ganz im Gegenteil. Ich war so hoffnungslos hündisch, dass ich dir noch dankbar dafür war. Ich lernte dieses rätselhaft psychologische Trauerspiel zwischen Liebe und Schmerz endlich kennen. Vergeblich versuchte ich es zu bekämpfen. Zuvor verstand ich nie die Bedrücktheit von Frauen, die sich als Priorität eines Mannes fühlten, und im Nachhinein doch nur eine Option waren. Ich hatte von diesem Liebesschmerz gelesen, gehört noch viel mehr, verspürt noch nie. Und als ich glaubte, ich sei unverwundbar…

Es war nicht die Wut auf ein zerbrochenes Gefühl. Es war auch nicht die Angst vor dem Allein sein. Es war lediglich die Enttäuschung darüber, mit welcher Leidenschaft ich dir mein Herz geschenkt hatte. Und mit welcher Leidenschaft du es zerbrachst.

Ich glaubte den Weg alleine nicht zu schaffen. Ich war schwach und  verhielt mich wie Narziß in seinen besten Jahren. Nächtelang küsste ich auf den Straßen von Berlin, und wachte am nächsten Tag neben einem Mann in Barcelona wieder auf. Diese kindlichen Exzesse ließen mich Leben spüren. Du hattest es mir lediglich genommen. Ich verspottete jene, die an Liebe glaubten - ich verhöhnte solche, die sich ihr hingaben.

Ich lebte mein Leben, ich lebte meinen Schmerz, ich lebte meine Verzweiflung. Und irgendwann…

…verging es.

Man sagt sich, die Zeit heilt alle Wunden. Ich stimme dem zu.

Die Erinnerung an Meer und Sterne schrieb ich nieder. Ich tat alles Erdenkliche, dass ich nicht mehr an dich denken musste. Und mit der Zeit erkannte ich auch den Nutzen des Schmerzes, und den Zweck der Liebe. Nichts würde sich ändern, habe ich gedacht. Aber so war es nicht.

Egal geworden bist du mir nicht, ich kämpfe bloß nicht mehr. Die Gezeiten kamen und gingen, und jeden Tag kommen sie aufs Neue und spülen sich abermals davon. Die Möwen singen nun das Lied im Wind der Wellen, unseres ist verstummt. Ich spüre wie die nächtliche Meeresluft durch mein Haar fließt, ich meine Jacke enger knöpfe und du durch meine Gedanken streifst. Ich lasse dich gehen, in der Hoffnung, dass du irgendwann deinen Weg finden wirst.

Ich vergrabe meine Gedanken an uns am Ufer im Sand. So tief ich nur kann, und immer weiter. Mit ihnen vergrabe ich die Erinnerung.

Und plötzlich reiße ich mir die Kleider vom Leib, lache dabei aus tiefstem Herzen, das ich schon verloren glaubte, und vergesse das Gefühl an Schmerz und Trauer.

Ich habe erkannt, dass meine Seele immer noch den Takt des Lebens angibt, und tauche ins tiefe schwarze Meer. Die unglaubliche Lust am Leben kehrt langsam zurück.

                       Stück für Stück lerne ich wieder zu lieben.


Tags: Liebeskummer
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