...und ich wünschte, da wären Tränen.
Ein Abend. Glücklich, doch traurig. Umgeben von Menschen, doch einsam.
Und dann ist da dieser Abend. 3:43 Uhr. Ich komme in meiner Wohnung an.
Und ich wünschte, da wären Tränen.
Doch was da ist, ist ein Fuß voller Blasen. Und ein trockenes Schluchzen.
Dabei war es ein guter Abend. Der erste, an dem du mal
über uns gesprochen hast. Ich sage dir, das schlimmste sei, dass du mal gesagt
hättest, du willst mit mir zusammen sein. Aber du hast nie gesagt, du willst nicht
mehr mit mir zusammen sein.
Endlich ist es mal ausgesprochen. Seit Monaten schleppe
ich dies mit mir herum. Nun sitze ich auf diesem Balkon, der nicht meiner ist.
Betrunken, ein bisschen. Traurig, sehr. Und auch glücklich, irgendwie.
Denn mein Fuß liegt auf deinen Beinen. Zu diesem Zeitpunkt noch zufrieden. Und ab und zu, wenn du nicht richtig aufpasst, oder genau wenn du darauf achtest – wer weiß das schon – liegt deine Hand auf meinem Knöchel.
Wir sprechen über alles. So wie wir das immer taten. Über Bagatellen und das Universum. Welches auch nur eine weitere darstellt in diesem Gespräch. Und ich traue mich. Ich traue mich und spreche dich endlich darauf an. Nach Monaten. Monaten, in denen wir nichts zusammen haben. In denen wir uns fast täglich sehen. Und du doch nur an mir vorbei schaust. Dabei bin ich da. Immer. So schön ich kann. So schön für dich.
Und an diesem Abend sagst du es. Ich bin schön für dich. Ich bin klug für dich.
Du weißt es nicht. Warum du nicht bei mir bist. Ich bei dir. Eigentlich müsste es so sein. Beieinander. Das weißt du. Das weiß ich. Das wissen auch die andern, die wir in der Wohnung, die nicht meine ist, haben sitzen lassen. Die über uns reden, im Scherz. Die Witze machen, über uns, die wir lange fort bleiben. Sie wissen es auch, dass wir beieinander sein sollten. So wie wir es wissen. Und es doch nicht sind.
Ich versuche Bilanz zu ziehen, für mich.
Auf der Haben-Seite: mein Knöchel unter deiner Hand. Deine
Aussage, du findest mich schön.
Auf der anderen Seite: mein Herz in deiner Faust.
Zerquetscht, schon vor Monaten. Deine Aussage, du weißt nicht.
Ein Bilanzziehen meinerseits: ich kann so nicht. Du
willst mich, aber du willst nicht. Ich will dich, aber so nicht.
Bald bist du weg. In einer anderen Stadt, einem anderem
Leben.
Und du begleitest mich. Wenige Minuten. Und du drückst mich. Kurz, zum Abschied. Sagst, ich könne mitkommen, zu dir. Eine Nacht Sicherheit haben.
Ich will nicht eine Nacht. Eine Nacht reicht nicht.
Das sage ich. Küsse scheu, was ich erreichen kann. Es ist deine Schulter. Ich wende mich ab. Habe Angst, unsere Geschichte endet hier. Ich gehe. Schnell. Weg von dir. Sehe mich nicht um. Ich weiß auch so, du bist einfach losgefahren. Ohne mir nachzusehen.
In mir ein trockenes Schluchzen.
Eine Stunde später komme ich an. In meiner leeren Wohnung. Bin stolz, ein wenig. Dass ich nicht mitgegangen bin, zu dir. Bin traurig. Dass du mir nicht die Sicherheit gibst.
Mein Fuß schmerzt. Der vorhin unter deiner Hand weilte.
Meine Augen ebenso. Sie brennen. Von Tränen, die
verborgen bleiben.
Es ist nur ein trockenes Schluchzen.




Kommentare
die kurzen, knappen sätze gefallen mir. sehr schön geschrieben!
28.08.2012, 00:28 von FinchenMagLachen...und ich wünschte, da wären Tränen!....
Tja,dann tuts noch mehr weh...wenn man nicht mal mehr weinen kann;/
Ein Bilanzziehen meinerseits: ich kann so nicht. Du
26.08.2012, 15:49 von Graustufen_statt_schwarzweisswillst mich, aber du willst nicht. Ich will dich, aber so nicht.
Seit Tagen suche ich nach einer solchen Ausdrucksweise für meinen Kopf! Danke!
ich danke dir.
27.08.2012, 00:59 von alynnraSehr guter Text. Eine Situation, die man irgendwie so ähnlich schonmal miterlebt hat. Aber richtig gut umgesetzt.
24.08.2012, 12:24 von ChaotImAnzugIch gebe es zu, ich hatte ne Handvoll Vorurteile, als ich begann zu lesen. der Titel, und dann das Thema...
20.08.2012, 10:38 von topfbluemchenAber ich muss sagen, das hat sich beim Lesen abgelegt. Traurige Geschichte, eindrucksvoll geschrieben. Ich habe fast mitgelitten.
hast du aufgehört, das D zu boykottieren? :>
20.08.2012, 11:04 von Jingeling89danke.
20.08.2012, 17:03 von alynnraich habs a kopiert, weil ic hnen guten Tag hatte ;)
20.08.2012, 19:46 von topfbluemchenIch weiß haargenau, wie sich das anfühlt. Nur habe ich sehr viel um ihn geweint, weil es einfach so gut gepasst hätte, wenn, ja, wenn...
17.08.2012, 14:51 von lalinaoch Gottchen.
16.08.2012, 18:13 von SurecampAber das ist schön geschrieben.
Nur die Gewissheit, dass er halt ganz auch andere Brüste liebkosten möchte, die muss sich noch setzen. Bei dir und den drei anderen wahrsch. auch.
Der Text hat mich wirklich berührt! Ich glaube, ich weiß genau, wie du dich in der Nacht gefühlt hast... Sehr, sehr gut ausformulierte Emotionen, auch wenn es sich für mich an manchen stellen zu sperrig gelesen hat.
16.08.2012, 00:23 von -atinA-danke dir.
16.08.2012, 03:41 von alynnraGefällt mir gut, passt auch irgendwie zu mir. Die Formatierung von deinem Text verstehe ich noch nicht so ganz - aber alles in allem sehr rund :-)
15.08.2012, 11:41 von Miss.ButterflyIch sehe auch gerade: ein paar Leerzeilen sind wohl reingerutscht beim Kopieren von Word zu Neon. -.-
15.08.2012, 11:49 von alynnraDabei geht es doch noch ... richtig störend wirds erst, wenn mitten in den Sätzen an falschen Stellen (so nach 1 bis 5 Worten) Zeilenumbrüche kommen.
15.08.2012, 12:00 von CyroIm Grunde finde ich die Leerzeilen in diesem Text sogar positiv .. sie verhindern das zu schnelle Lesen und lassen die Sätze mehr Wirkung zeigen.
Traurig, aber ehrlich und verstandesmäßig völlig richtig. Sich aussprechen, klare Verhältnisse schaffen. Auch wenn es dem Träumer in mir widerstrebt.
15.08.2012, 10:36 von CyroEinfach unbeschreiblich gefühlvoll.
15.08.2012, 09:54 von mooneyes