Flora20121985 31.03.2007, 15:56 Uhr 0 0

Und ICH konnte doch nicht von UNS gehen

Und wieder umschlangst du mich mit deinen Armen, in deinem Bett, spürte deinen Atem auf meiner Haut, in der ich mich schon so lange verloren fühlte

Wir stehen am Bahnhof. Du fährst zu deiner Familie. Ein guter Freund von uns steht neben uns. Dein Zug kommt. Wir küssen uns zum Abschied. Ich will dich an mich heranziehen, doch du drückst dich weg. Du verträgst soviel Nähe nicht. Unser guter Freund verabschiedet sich von mir. Er nimmt meine Hand und gibt mir rechts und links ein Küsschen auf die Wangen. Das erste Mal, dass er das macht. Und grade vorher habe ich noch daran gedacht, dass er mich im Vollrausch einmal zu sich gezogen hat und mich geküsst hat. Ich glaube, du wusstest das nicht mal. Aber wahrscheinlich ist das auch besser auch. Obwohl du vor ein paar Tagen gesagt hast, dass er viel besser zu mir passen würde, als du. Innerlich habe ich dir zugestimmt, aber trotzdem hab ich "nein" gesagt.

Weißt du, ich habe dich abgöttlich geliebt. Du warst der Mann für mich. Schon immer. Und trotz aller Differenzen, die wir jeden Tag auskämpfen, sehne ich mich nach deinem alten Ich. Wie du damals warst. Wie du um mich gekämpft hast. Du hast mich gewonnen und dann war der Kampf vorbei. Jetzt kämpfst du mit mir, aber nicht mehr um mich. Früher war ich ich, früher warst du du, früher waren wir noch wir. Ich hier, du dort, und manchmal haben wir uns in der Mitte getroffen. Und damals habe ich dich geliebt. Mehr als irgendjemanden anderen.

Jetzt fühle ich mich ungeliebt, ich fühle mich benutzt von dir. Und trotzdem hält mich etwas bei dir. So wie Mücken, die ins Kerzenlicht fliegen, obwohl es sie umbringen wird. Aber diese böse Anziehung ist da. Vielleicht sehne ich mich auch nur nach dieser Wärme dieses Kerzenscheins. Und achte nicht darauf, was es mich kosten könnte.

Und trotzdem ich dich nicht loslassen kann, gehört mein Herz dir doch schon lange nicht mehr. Mein Herz ist das einzige, das dir nicht gehört. Wir kennen uns schon so lange. Wir teilen uns alles. Wir arbeiten gemeinsam. Wir haben den selben Freundeskreis, die selben Interessen. Aber ich existiere schon lange nicht mehr. Wahrscheinlich existiert auch kein WIR, wahrscheinlich bist DU es, in dem WIR leben. Aber mein Herz gehört dir nicht mehr. Wahrscheinlich hab ich es weggesperrt. Damit du das einzige, was mich am Leben hält, nicht zerstören kannst. Oder ich habe es an unseren Freund verloren. Ich weiß es nicht. Ich glaube, wir wissen es nicht, wissen nicht, was mit uns passiert. Wahrscheinlich wär mein Herz auf ewig dein gewesen, wenn du derselbe geblieben wärst. Wenn du mich immer geliebt hättest wie am ersten Tag. Aber das tust du nicht. Nicht mehr.

Ein ewiger Zwiespalt teilt mich. Ich weiß nicht mehr, welcher Teil dir und welcher mir gehört. Welcher Teil von mir liebt dich noch? Welcher nicht? Liegst du neben mir, redest du mit mir, dann wünsch ich mir so sehr, du wärst einfach nicht da. Ich würde dich einfach nicht kennen, ich wäre einfach frei, frei von dir. Bist du dann doch mal nicht da, dann sehne ich mich nach dir. Nach dir? Nein. Ich glaube, ich sehne mich nach deinem früheren Ich. Ich sehne mich gar nicht nach dir. Eigentlich sehne ich mich dauernd nach deinem früheren Ich. Bevor du dich so enorm verändert hast. Bevor du begonnen hast, mich in deinen Träumen zu hintergehen.

Und nun liege ich trotzdem wieder neben dir, du umarmst mich. Ich fühle mich geborgen und gefangen. Nur kann ich mich nicht entscheiden, was ich fühlen soll. Soll ich dich lieben, soll ich dich hassen? Und eigentlich will ich nicht mir dir schlafen... Und ich tus trotzdem. Warum eigentlich. Warum eigentlich nicht?

Am Morgen wach ich auf und fühl mich gut. Ich stehe auf, ich will zu dir gehen und dir einen guten Morgen wünschen. Denn du bist schon so viel früher aufgestanden. Aber ich hör dich schon von weitem fluchen. Ich will doch nicht mehr zu dir. Du umarmst mich, aber ich will dich wegstoßen. Jetzt grade verachte ich dich. Einmal streichelst du mir durch die Haare. "Ich liebe dich" sagst du. Ich lächle. Du streichst mir übers Gesicht. Küsst mich. Und ich kann DIR doch wieder nicht wiederstehen. Zu sehr hänge ich an deinem alten ich.
Aber wo ist mein ICH hingekommen?

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