... und ein Pony
Kleine Kinder - vor allem Mädchen - wünschen sich sehnlichst ein Pony. Aber ich bin erwachsen und habe andere Wünsche.
Ein großer deutscher Philosoph hat mal gesagt: "Wir wollen alle mehr oder weniger dasselbe, seit es Menschen gibt...einen Platz an der Sonne, frisches Gemüse, ein Bett und jemanden der uns liebt."
Ich bin verwirrt.
Bis vor kurzem wusste ich genau, was ich will. Aber jetzt stehe ich hier und all meine Vorstellungen und Gedanken liegen im großen Chaos auf dem Boden verstreut wie kleine Glassplitter und ein Aufsammeln dieser Gedanken ist nahezu unmöglich.
Ich will eine Arbeit haben, der ich jeden Tag nachgehen kann, die mich fordert und ausfüllt. Gut bezahlt soll sie bitte auch noch sein. Auf der anderen Seite fallen mir ausreichend Tätigkeiten ein, die den Tag zur Genüge füllen würden und von Hartz IV kann man vielleicht auch ganz gut leben.
Ich will mir hier eine Existenz aufbauen, mich heimisch und verbunden fühlen und das "Wir-Gefühl" einer großen Gemeinschaft spüren. Auf der anderen Seite zieht es mich magnetisch von hier weg und ich kann mir nicht vorstellen, Jahr und Tag in der selben Umgebung zu verbringen, durch grüne Wiesen zu spazieren und den gemütlichen Dorfabend in der Kneipe als Highlight meiner Woche zu deklarieren.
Ich will heiraten, einen Menschen bejahen und mit ihm gemeinsam auf rosanen Zuckerwattewolken im siebten Himmel durchs Leben schweben. Auf der anderen Seite macht mir der Gedanke, mich lebenslänglich an jemanden zu binden, egal auf welche Müllhalde uns das Leben leiten mag, Angst.
Ich wünsche mir Kinder. Kleine, süße wohlerzogene Geschöpfe, die den ganzen Tag mit weißer-Riese-weißen Kleidchen durch den Garten laufen, spielen und die ich mit der Leichtigkeit der Frau aus der Kinder-Pingui-Werbung durch das Leben begleiten kann. Auf der anderen Seite kriege ich die Krise bei dem Gedanken an eine kleine, sabbernde Chantal, der ich unter ohrenbetäubendem Geschrei die bestialisch stinkende Windel wechsele und die mich, wenn sie älter ist nur noch fragt: "Ey Grufti, haste ma n Euro?"
Ich bin so verwirrt. Eines aber weiß ich:
Ich will dich! Ich will mich morgens auf der Toilette darüber ärgern können, dass du schon wieder vergessen hast, die Klopapierrolle auszutauschen. Ich will stundenlang mit dir beim Frühstück über Gott und die Welt philosophieren. Ich will turbulente Tage und wilde Nächte mit dir verbringen, am Abend mit dir einschlafen und von deinem Schnarchen mitten in der Nacht geweckt werden.
Ich will dich fröhlich und ich will dich flennend. Ich will dich stark und ich will dich schwach. Ich will dich leise und ich will dich laut. Ich will dich fluchen und ich will dich pfeifend. Ich will dich fremd und ich will dich vertraut. Aber vor allem will ich dich - mit allen Konsequenzen.
"Wir wollen alle mehr oder weniger dasselbe seit es Menschen gibt. Einen Platz an der Sonne, frisches Gemüse, ein Bett und jemanden der uns liebt."
... und ein Pony!




Kommentare
Der erste Absatz klingt irgendwie so konstruiert und nicht so flüssig wie der Rest, aber ansonsten mag ich deinen Text meine Liebe :))
15.02.2011, 08:40 von Daner