Juli_3712 30.11.-0001, 00:00 Uhr 1 3

Und du bist die Droge....

Ich weiß nicht, wer dieser Mensch im Spiegel ist. Ich bin es nicht. Ich habe mich selbst verloren. An dich.

Diese Wände, die einmal mein Zuhause waren, sind kalt. Leer. Einsam. Ich hasse es hier zu sein. Als würde die Zeit still stehen. Als würde sich die Welt da draußen weiterdrehen während hier drin alles bleibt wie es ist. Das ist nicht mehr mein Zuhause. Hier fühle ich mich nicht mehr geborgen. Hier kann ich mich nicht mehr erholen. Hier tut einfach nur alles weh. Alles hier schreit nach dir. Genauso wie mein Herz...
Das ist auch nicht mehr mein Gesicht. Dieses aufgesetzte Lächeln. Die leeren Augen. Die blasse Haut. Das bin nicht mehr ich. Das Herz, dass nur noch Trauer und Verzweiflung kennt. Die Ängste, die mir die Luft zum atmen nehmen. Der Verstand, der immer wieder droht durchzudrehen. Die Gedanken, die niemals stillstehen. Und die immer um dasselbe kreisen. Um dich. Wieso bist du gegangen? Wieso hast du aufgegeben? Wie konntest du all das zurücklassen? All die Jahre? Die Erinnerungen? Die Träume? Träume....Das, was früher meine Albträume waren, ist jetzt zur Realität geworden. Aber jetzt gibt es kein Erwachen mehr. Der Albtraum hält mich fest umklammert. Flucht ist unmöglich. Ich muss damit leben. Und ich kann es nicht. Mir fehlt die Kraft. Und der Wille. Ich will dich nicht loslassen. Ich will mein Leben nicht ohne dich leben. Du gehörst dazu. Das hast du immer...Und doch kann es nicht bleiben wie es ist. Ich gehe daran kaputt. Ganz allmählich. Stück für Stück. Mein Herz zerbricht. Immer wieder. Ich sehe die Scherben. Ich stehe mittendrin. Und ich verletze mich an jeder einzelnen. Mit blutenden Händen versuche ich mein Herz wieder zusammenzusetzen. Immer wieder. Nur um zuzusehen wie es wieder in Stücke gerissen wird. Immer wieder. Du tust mir nicht gut. So lange schon. Und doch gehöre ich dir. Mein Herz, meine Gedanken, meine Seele. Weil da immer noch diese verfluchte Hoffnung ist. Die Hoffnung dich zu retten. Dich aus deinem Eispalast zu befreien. Dir zeigen zu können wie schön alles sein kann. Dich bei mir behalten zu können. Ohne dass es weh tut. Weil ich dich brauche. Weil jede Faser von mir nach dir schreit. Ich bin abhängig geworden. Ein Junkie. Der Verstand kann die Sucht nicht aufhalten. Sie ist zu stark. Wenn ich daran denke was ich verloren habe und mir vorstelle dass ich es wirklich für immer gehen lassen muss erfüllt mich blinde Panik. Mein Herz beginnt zu rasen. Das Atmen wird schwer. Das Gefühl von Ohnmacht steigt in mir auf. Ich kann das nicht. Ich kann nicht loslassen. Ein neues Leben beginnen. Ohne dich. Ich kann einfach nicht... Und immer wieder setze ich mir einen kleinen Schuss. Schreibe dir. Treffe mich mit dir. Stelle mir vor wie du neben mir läufst. Meine Hand hälst. Mich in den Arm nimmst. Spüre dich in jeder Sekunde in meiner Nähe. Und dann ist es erträglich. Dann kann ich zumindest funktionieren. Bis die Wirkung nachlässt. Kalter Entzug. Panik. Ohnmacht. Du bist nicht mehr hier. Und du willst auch nicht hier sein. Du hast uns aufgegeben. Ich kann diesen Kampf nicht gewinnen. Und doch kämpfe ich weiter...Warum? Weil ich muss...Weil ich sonst einfach zerbreche. Ich kann nicht mit dir und nicht ohne dich. Ich brauche deine Nähe. Und doch ertrage ich sie nicht. Weil du nicht mehr du bist. Ich darf dich nicht mehr berühren wie ich es immer tat. Ich sehe dein Lächeln nicht, deinen warmen Blick. Wie oft haben wir darüber geredet dass wir uns das gar nicht vorstellen können.... Den anderen nicht mehr zu berühren. Zu küssen. Zu lieben. Wir waren alles füreinander und mit einem Mal sind wir wie Fremde. Das ertrage ich nicht. Das ist der Moment in dem die Risse im Herz so unerträglich tief werden. Wo bist du? Wo sind wir? Wir können doch nicht von einem Moment auf den nächsten einfach verschwunden sein...Das wollten wir nie.....Ich fühle mich so endlos einsam. Und dann fängt es im Bauch wieder an zu vibrieren. Wie Wellen türmt sich die Panik auf. Die Angst. Die Trauer. Die Verzweiflung. Ich kann die Gedanken nicht fassen, so vieles nicht begreifen. Ich drohe in alldem zu ertrinken. Also greife ich mit letzter Kraft nach dem rettenden Strohhalm. Setze mir den nächsten Schuss. Warte bis der Schmerz nachlässt. Bis es erträglich wird. Wohlwissend was mich danach erwartet. Wohlwissend dass der Schmerz nur kurz betäubt wird. Und dass er danach so viel schlimmer wird. Aber das ist es mir wert. Es ist ein kleiner Augenblick mir dir. In dem es fast ist wie immer. Ich kann es nicht lassen. Ich bin abhängig. Und ich weiß dass es mich zerstört. Aber ich bin machtlos. Die Sucht ist zu stark. Und du bist die Droge...


Tags: Trennung, Einsamkeit, Verzweiflung, Sucht, Ohnmacht
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Kommentare

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  • 1

    Besser hätte ich es nicht formulieren können.
    Meine Gedanken drehen sich seit geraumer Zeit auch nur um eine Person.

    03.02.2016, 14:49 von Phil1802
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