Kleingeist 19.11.2006, 15:00 Uhr 6 2

Und der Oscar geht an.....

mich

Bleib einfach du selbst!
Hat nicht jeder von uns schon mal diesesn Satz gehört. Sei es das Vorstellungsgespräch oder das erste Date, als wäre Loyalität sich gegenüber die Lösung auf alle Probleme.

Was ist aber wenn man gar nicht weiß wer man ist. Tja dann hat man ein Problem.
Ich erwische mich andauernd dabei, wie ich versuche eine bessere Version den Menschne in meiner Umgebung unterzujubbeln, in der Hoffnung, dass sie nicht merken wie ich wirklich bin oder zumindest glaube zu sein.
In den letzten 2 Jahren und unzähligen Dates, kann ich mittlerweile mein Gegenüber sagen wir mal: manipulieren!
Es ist schon fast lustig, weil ich eigentlich immer das gleiche tue. Ein Blick, ein Thema und ich habe die Rolle angenommen die ich bei dieser Person spielen will.

Tja, wäre das immer so einfach. Die Hobbydates sind reine Projekte aus Langweile.
Aber was passiert wenn ich jemanden wirklich mag?
Dann funktioniert mein Schauspiel leider nicht mehr, und ich mutiere selbst zu einem nervösen und dauerlabbernden Freak.
Egal was mein Date macht, ich versuche auch ihm eine bessere Version von mir zu zeigen, habe aber das Gefühl durchschaut zu werden.
Im Prinzip bin ich so damit beschäftigt, die Traumfrau zu spielen und meine Unsicherheiten in gelanglosen Erzählungen zu ersticken, dass ich nicht einmal merke wer mein Gegenüber ist.
Ruhige Momente bringen mich fast um den Verstand, da ich genau weiß, dass ich da mein wahres Gesicht zeige und mein Date sieht, dass ich Fehler habe, und was für welche!
Wie eine Katze scheue ich direkten Augenkontakt, aus Angst er könnte durch mich durchblicken und sehen wie klein und ängstlich ich bin.
Eine überdrehte, exzentrische, gemeine und labile Person.
Treudoof, aufopfernd, sensibel, dramatisch, falsch und faul. Ich bin kleingeistig und nicht tiefsinning, eifersüchtig, neidisch und außerdem nervig!
Das einzig Gute was man über mich sagen kann ist, dass ich in der Lage bin über meinen Stolz hinaus zu lieben und die Menschen die mir wichtig sind bedingungslos liebe. Meine Freunde, die jedes Schauspiel durchschauen.


Aber damit kann man doch niemanden beeindrucken, das ist doch nicht liebenswert!
Ganz heimlich hoffe ich, dass trotz meiner schaupielerischen Leistung jemand in der Lage sein wird, dahinter zu Blicken und irgendwas entdeckt, was trotz Fehler liebeswert ist.
Ich kann es auch den Männern nicht verübeln, wenn sie nach einem Monat eine Ahnung bekommen, wer ich bin und dann die Flucht ergreifen.
Wer will schon mt einer Kopie von irgendwas zusammen sein. Keiner will dabei sein und zusehen was aus Geduld und Vertrauen wird. Ich spiele nicht ganz, ich zeige nur das was man sehen braucht.
And the Oscar for best female Performance goes to......

Hier ist meine Dankesrede:
Ich danke meinen Eltern, die mir von klein auf gezeigt haben, wie man eine glückliche und normale Familie spielt.
Ich danke allen Männern, die sich jemals anmassten, mein echtes Ich zu beurteilen und solange zu tretten und runterzumachen, bis ich es geglaubt habe.
Ich danke auch der FH Wiesbaden und Darmstadt, die mir ins Gesicht sageten, dass Sie in den Bildern die ich unter großem emotionalem Druck und Schlafmangel gezeichnet habe, meine Persönlichkeit zeigen, diese nicht Interessant sei und sie keine künstlerische Begabung feststellen können.
Und last but not least danke ich jedem, der mir dabei geholfen hat meine Würde, mein Selbstbewusstsein zu killen und mich als Schaupielerin förderten.
Danke!

Ehrlich gesagt, ist das echt schwer! Es macht müde und ich denke daran, die Schauspielerei an den Nagel zu hängen, leider habe ich noch kein alternatives Angebot!
Als ich noch glaubte keine Maske tragen zu müssen, konnte ich mich nicht nicht währen und schwor das kleine Stückchen Herz, dass noch lebte zu schützen. Mit Maske war es immer einfacher, denn wenns darauf ankam ging zuerst sie kaputt und du wurdest zum Glück nur gekratzt.
Jetzt habe ich alle Masken verbraucht und was nun?

Vielleicht sollte ich mehr "du darfst" Produkte essen!

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      @[Benutzer gelöscht] und wer bist du, dass du dir das recht raus nimmst, über mich zu urteilen?

      du weißt einen scheiß über mein schicksal! also pssst!

      24.11.2006, 10:14 von Kleingeist
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    Ein sehr ergreifender Text durch all die Ehrlichkeit, die du in ihn gesteckt hast. Meinen Respekt. Aber du bist mit diesem Gefühl nicht alleine auf dieser Welt, deswgen solltest du dich davon nichtüberwältigen lassen.
    Irgendwann kommt der Tag an dem man in den Spiegel schaut sieht, wie die Maske zerbricht und es wäre schade, wenn du diese Maske dann als dein verlorenes Ich sehen würdest.

    *bleib stark*

    21.11.2006, 00:21 von Amator
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    Kluger Text.

    „Ich erwische mich andauernd dabei, wie ich versuche eine bessere Version den Menschen in meiner Umgebung unterzujubbeln…“

    Das ging mir auch oft so, ich neige heute, nicht mehr so stark wie früher dazu, Menschen zu überschätzen, wenn sie liebenswürdige Seiten haben. Aber man will auch nicht ständig gebremst sein und denken: „wo ist der Haken“, wo fällt der Schatten um so dunkler, an diesem glänzenden Licht“. Es macht die bewusste Erfahrung aus, sich nicht auf böse Überraschung hin, damit zu täuschen, wie wir gern wären. Aber es ist ein Schritt mehr in diese Richtung, wenn wir wirklich akzeptieren, warum wir es im Moment (noch) nicht sind. Ansonsten würde der Wünsch nach Aufbau und Verwirklichung von Idealen, nur noch ein kleiner zynischer Haufen Kapitulation sein.

    Und es gehört vor allem Stärke dazu, sich mit Schwächen und Verletzlichkeiten auseinander zusetzen, als sie in den Schatten des Unbewussten „Ungewollten“ zu verbannen. Die schmutzige „Unschuld“ die vor ihrer Verantwortung flieht, ist die gefährlichste. Es ist auch immer eine Frage der Sphären und Milieus in denen wir uns bewegen, wie offen man damit umgehen kann. Ein Kopf wäscht den anderen. Mal sauber, mal verschmutzter als sie vorher waren. Bestimmte Szenerien erlauben einfach nicht, die Dinge so wiederzugeben, wie wir sie erleben, auch wenn es noch so brennt. Aufrichtigkeit gegenüber sich selbst ist ein hohes Gut, aber es kann falsch platziert bzw. dosiert auch in guter Absicht zum Verhängnis werden, wenn andere weit entfernt davon sind, dem gleich zu tun…

    19.11.2006, 18:21 von schauby
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    Sehr guter Text mit viel Wahrheit. Schön geschrieben, man spürt die Stimmung.

    Schauspiler sein ist wirklich nicht einfach, niemad kennt dich wirklich. Man sieht eben nur die Maske, geblendet von dem guten Schauspielertalent.

    19.11.2006, 16:13 von RomanTheKing
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    Erstmal "Respekt" an diesen ehrlichen, selbstreflektierenden Text!

    Das Gefühl hinter Maske erfüllt einen eben wirklich nicht auf Dauer. Im Gegenteil, es macht dich nur kaputt.

    Ich hoffe du findest einen für dich passenden Mittelweg.

    19.11.2006, 15:29 von Tavila
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