chelena 04.07.2011, 16:18 Uhr 53 34

Übergabeprotokoll

Worte der Geliebten an die Freundin

Liebe Ulrike,

ich hätte nicht gedacht, dass dieser Tag kommen würde. Doch widrige Umstände zwingen mich, Dir das, was ich Dir weggenommen habe, zurückzugeben. Hätte ich noch einen Funken Verstand in meinem Körper, würde ich es nicht tun. Doch dieser ist mir schon vor einer Weile abhanden gekommen. In etwa zur gleichen Zeit wie auch mein Stolz und meine Moral.

Bevor Du ihn bekommst, möchte ich nur noch ein paar Worte sagen, Dir erklären, wie er tickt, denn ich glaube, Du kennst ihn nicht mehr.

Beispielsweise solltest Du wissen, dass er keine Oliven mehr mag. Erst seit kurzem, seit dem Abend mit den Martinis. Ach ja, davon weißt Du ja nichts. Aber darum geht es auch nicht.

Er trainiert nicht gerne alleine im Fitnessstudio. Auch Joggen macht ihm mehr Spaß zu zweit. Er ist im Job ein Einzelkämpfer, doch er geht nicht gerne allein durchs Leben. Ich bin mir nicht sicher, ob Du das je erkannt hast.

Er mag Wortspiele. Dass er in mir die Königin in dieser Disziplin gefunden hat, muss Dich nicht erschrecken. Ich weiß, dass das nicht Deine Stärke ist. Aber mach Dir nichts daraus - ich werde ihn weiterhin tagsüber unterhalten. Denn im Gegensatz zu Dir finde ich es nicht albern, wenn er lacht. Im Gegenteil, ich liebe es. Du glaubst gar nicht, was mein Herz für Sprünge macht, wenn ich sein Lachen höre. Wenn man ihn kennt, ist es ganz einfach, zu erkennen, wann er aus purer Höflichkeit lacht und wann es wahre Freude ist. Kannst Du echt und unecht auseinander halten?

Wenn er nervös ist, kriegt er keinen Bissen runter. In den vergangenen Monaten habe ich so ziemlich jede Mittagspause mit ihm verbracht. Wir haben Asiatisch gegessen und Mexikanisch, Sushi und Burger, und hin und wieder ein Eis. Und alles war gut. Doch wenn wir abends zu zweit gekocht haben, wanderte seine Portion meist komplett wieder in den Topf. War er je so verliebt in Dich, dass er nichts essen konnte?

Er mag Sex um 5 Uhr morgens. Und entgegen Deiner Meinung steht er auch auf das Kuscheln danach. Vielleicht hast Du ihm nur nie die Chance gegeben, das zu zeigen.

Er macht wundervolle Liebeserklärungen. Hast Du ihm je zugehört? Ihm in die Augen gesehen? Seinen Atem an Deinem Hals gespürt, bis ihr beide eingschlafen seid? Weißt Du, wie unglaublich nähebedürftig er sein kann, wenn man es zulässt? Er schläft gerne als "Löffelchen" ein. Das wusste er selbst schon nicht mehr, weil er es mit Dir nie erlebt hat. Wie kannst Du diesem Mann nicht nahe sein wollen?

Erinnerst Du Dich an die Party vor drei Monaten, nach der es ihm so schlecht ging? Ich weiß, dass Du es nicht verstanden hast, wie er so viel trinken konnte. Wie solltest Du auch wissen, dass es ihn innerlich zerrissen hat, mich nicht alleine zu sehen. Und selbst nicht alleine zu sein.
Wir haben vier Tage gebraucht, um die Situation annähernd zu verarbeiten, doch noch heute habe ich noch manchmal einen Kloß im Hals. Denn nicht nur er hat an dem Abend gelitten.
Wunder Dich also nicht, wenn er Dich auch zukünftig nicht mit zu Firmenfeiern nimmt. Das wäre unter den Umständen einfach zu viel verlangt.

Gib ihm nicht das Gefühl, immer stark sein zu müssen. Lass ihn sich auch mal anlehnen. Wenn er gestresst ist, hilft kein Abend vor dem Fernseher. Schnapp ihn Dir, fahr mit ihm raus. An einen See. Oder noch besser ans Meer. Leg Dich mit ihm in den Sand, und er wird von alleine anfangen zu reden. Du musst Dich mit seinen Problemen nicht überfordert fühlen. Nimm einfach seine Hand und zeig ihm, dass er nicht alleine ist. Damit hilfst Du ihm mehr als mit jedem Satz.

Wenn ihr mit seinem Sportwagen fahrt, dann lass ihn ruhig mal das Gaspedal durchtreten. Und dann schau ihn von der Seite an, wie er strahlt. Das zählt viel mehr als schimpfende Passanten.

Ich weiß, dass Du Dir Deiner Optik bewusst bist. In Deiner Welt würdest Du mich nie als Gefahr einstufen. Doch Dir sollte klar sein, dass Deine Welt nicht auch automatisch seine ist. Er lebt nicht nur für seine Arbeit und für das, was er sich von seinem Gehalt leisten kann. Und er braucht mehr an seiner Seite als ein großes, blondes, superschlankes Statussymbol. Wenn Du ihn halten willst, dann schenk ihm mehr Wärme, denn die vermisst er! Du vergibst Dir nichts, wenn Du ihm Deine Zuneigung und Liebe zeigst. Besser gesagt gewinnst Du nur - nämlich ihn.

Denk nicht, ich würde mich kampflos geschlagen geben. Das ist nicht der Grund, warum Du ihn zurückbekommst. Vielmehr haben wir so viel umeinander gekämpft, dass es irgendwann zu sehr wehgetan hat, um weiterzumachen. Mit jedem Tag, den wir uns sehen, reißen die Wunden, die wir uns zugefügt haben, weiter ein. Wir haben den Moment verpasst, um abzuspringen. Und die Gelegenheit, Klarheit zu schaffen, war nie richtig da. Du solltest wissen, dass er bereit war, sich von Dir zu trennen. Nur durch mein Zögern hat er gezögert. Und dann war es zu spät für uns, denn Du bist ohne Ankündigung bei ihm eingezogen. Würden Deine Augen nicht naturgemäß der Nase Richtung Decke folgen, wären Dir vermutlich noch die dunklen Haare im Bad aufgefallen.

Gibt Dir das alles zu denken? Meinst Du nicht, Du solltest mehr Bereitschaft zeigen, an euch zu arbeiten? Glaub mir, wenn ich noch einmal die Chance hätte, würde ich es tun. Aber mein Zug ist abgefahren. Das zu wissen, mindert den Schmerz keineswegs. Doch ich möchte es für ihn und mich leichter machen und ihn freigeben, denn er verdient es nicht, noch länger warten zu müssen.

Also bitte ich Dich inständig: Tu ihm nicht weh, werde aufmerksamer für seine schwachen Seiten, die er so beharrlich versteckt. Grab ruhig einmal tiefer, denn seine Seele weiß er gut zu schützen. Und wenn Du dabei irgendwo auf mein Herz stößt, gib es mir bitte zurück. Vielleicht kann ich dann auch irgendwann weiterleben.

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53 Antworten

Kommentare

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    Wie unfassbar ekelhaft die "fiktive Autorin" dieses Textes sich doch selbstbeweihräuchert.

    Sie hat ja sicherlich alles soooooo viel besser gemacht als ihr Pendant - und der ARME ARME ARME Mann, der jetzt wieder zu seiner Partnerin zurückMUSS!

    Dass er sie - aus freien Stücken - betrogen und belogen hat, dass er ein unehrlicher und feiger Hund ist, der lieber Problemen aus dem Weg geht als sich ihnen zu stellen - das alles, liebe "fiktive Autorin", siehst Du mit Deiner noch weiter rosanen Brille nicht.

    Bäh.

    18.07.2011, 07:46 von Dunnagh
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    Fragwürdig!
    Aber sehr unterhaltsam ;-)

    17.07.2011, 23:21 von Pluuume
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    Gute Idee, aber mir ist die Erzählerin zu selbstbezogen, zu naiv, zu selbstdarstellerisch. Sie wirkt verletzt, gekränkt und so, als müsste sie sich selber Bestätigung geben. Die Freundin wird nur von außen betrachtet, bzw. die Sichtweise des Freundes über sie nacherzählt. Der Geliebte/Freund wird in den Himmel gelobt. Man bekommt gerade zu Mitleid mit dem Kerl und gleichzeitig einen Brechreiz im Hals. Konnte er sich so lange nicht entscheiden, bis die Erzählerin eine Entscheidung treffen musste? In dem Text hat man das Gefühl die Beziehungen werden jeweils nur von den Frauen bestimmt. Das ist meiner Meinung nach die größte Macke an dem Herren.

    Eine Stelle hat mir jedoch richtig gut gefallen. Die mit dem Meer, da habe ich den Sand unter der Haut gespürt.

    13.07.2011, 10:36 von schnatterliese
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    die idee ist originell. aber nicht bedacht wurde: dass mensch x aus mensch y was anderes herausholt, antickt, der typ ist ja kein hund aus dem tierheim, für den es eine bedienungsanleitung gibt.
    ich würd sagen: mädel der gehört dir nicht und er muss selbst seinen mund aufmachen und für sich einstehen in der hauptbeziehung.
    auch drei monate snd nicht die welt und überhaupt: bleib bei dir und nur bei dir. fährste besser mit.
    dennoch: die idee war gut.


    13.07.2011, 00:34 von juliettamoon
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    Außergewöhnlich.
    Außergewöhnlich schön.

    Dem kann ich nur zustimmen!

    12.07.2011, 20:20 von Libellenrausch
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    Sollte der Text nicht fiktiv sein, finde ich eher die Protagonistin überheblich und nicht die Freundin. Wie kann man nur so anmaßend sein und denken, dass man einen Menschen 100%ig kennt und einschätzen kann? Und dann auch noch zu denken, dass einem der Mensch "gehört" und man ihn jemand anderem übergeben kann, wenn man möchte? Da fehlen mir die Worte. Der Text mag gut geschrieben sein, aber bei so einem mistigen Inhalt kann ich mir nur an den Kopf packen...

    11.07.2011, 14:40 von Stefania2703
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    Was'n das für'n Bullshit!

    11.07.2011, 01:05 von aprilhimmel
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    Hammerhart, absolut klasse und wieso hast du gezögert?

    ...

    10.07.2011, 23:58 von Batida72
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    ....Ich kann Chelenas Gedanken sehr gut nach empfinden. Am Anfang wehrt man sich gegen die Gefühle, wie sie selbst ja auch mit dem Satz In etwa zur gleichen Zeit wie auch mein Stolz und meine Moral. zum Ausdruck bringt.
    Doch so sehr man auch kämpft gegen sich und die Gefühle, irgendwann gibt man auf.

    Man sollte sich immer vor Augen halten, das hierzu immer zwei Personen gehören. Nicht allein die Geliebte ist die Schuldige.

    In so einer Situation würde man der Freundin/Frau wirklich gerne einiges sagen. Man hat so viele Gedanken im Kopf. Man lernt den Mann eben auch von einer anderen Seite kennen.

    Teilweise sind chelenas Textpassagen etwas überzogen und überheblich geschrieben. Denn trotz allem und der Verbindung, die man zu dem Mann hat, weiß man nie wie er sich zuhause verhält und wie die Beziehung tatsächlich läuft...
    Vielleicht ist sie sich bewusst, was für ein toller Mann er ist? Und die Freundin weiß es einfach nicht mehr bzw. hat verlernt es zu schätzen?

    Ansonsten, ist es eine außergewöhnliche Art, die Gefühle auszudrücken.

    10.07.2011, 15:18 von Nadinchen1911
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    Übergabeprotokoll.
    Guter Titel, super Idee, genial umgesetzt.

    10.07.2011, 01:30 von WhisperMoon
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