autriche 30.11.-0001, 00:00 Uhr 1 1

Über die nordamerikanische Dating-Kultur

Nicht länger möchte ich Euch einen Überblick darüber vorenthalten, was ich in Kanada über die nordamerikanische Dating-Kultur gelernt habe.

Nicht länger möchte ich dem geneigten Leser einen Überblick darüber vorenthalten, was ich in den zehn Monaten Kanada über die nordamerikanische Dating-Kultur gelernt habe.
Zuerst einmal: Es gibt mehr Worte für die selben Geschichten und es steht mir vielleicht etwas treffenderes Vokabular zur Verfügung, wenn ich meinen, mich ab und zu über msn konstatierenden, kanadischen Freundinnen eine angemessene Antwort auf die Frage
‚How’s the boy situation, Marie?‘
geben will.
Vielleicht aber auch nicht, aber urteilt selbst (andere Kanada-Austausch-Schüler
und -Studenten werden bei der Lektüre meiner Erläuterungen unter Umständen grinsend an ihr Zeit im Land mit dem Ahornblatt zurück denken).

Seeing someone:
Diese Wendung bezeichnet die erste Kontaktaufnahme, man befindet sich im Stadium des Kennenlernens und noch ist völlig offen, wohin es gehen soll, trotzdem ist es eher ungewöhnlich, freundschaftliche Anbahnungen mit Seeing someone zu bezeichnen. Der Klassiker ist hier schon das Kennenlernen zwischen unterschiedlich geschlechtlichen Personen, die im Falle von gegenseitigem Gefallen das Eintreten in die nächst höhere Stufe, das Dating, anstreben.
Doch solange man sich noch in der Phase des Seeing befindet, ist es durchaus vertretbar, mehrere Eisen im Feuer zu haben. Das ganze läuft völlig unverbindlich und auf beiden Seiten ohne schlechtes Gewissen, ob man das Seeing anderer Personen offen oder verdeckt handhabt ist einem selbst überlassen. Falls sich jedoch schon in einer frühes Phase des Seeing abzeichnet, dass der Eintritt in die Stufe Dating für die nächste Zukunft geplant ist, sollte man das Seeing anderer Personen doch besser unterlassen. Technisch ist es, solange man sich in der Seeing-Phase befindet, erlaubt, ein schlechtes Gewissen im Fall des Mehrgleisigfahrens kann nur als Indikator gelten, dass am baldigen eintritt in die Dating-Phase reges Interesse besteht.

Dating someone:
Hat man sich bei Seeing bewährt und gegebenenfalls einen oder mehrere Konkurrenten aus dem Feld geschlagen, kann es los gehen mit dem Dating. Ab hier ist es vorbei mit der Mehrgleisigkeit. Der Begriff des Datings lässt erkennen, dass es sich bei den Datenden noch um eine junge Combo handelt, bezeichnet Dating ja schließlich die wie eine Zuckerbonbonkette aneinandergereihten Dates. Doch auch wenn der eine gerade zuhause in der heimischen Sauna sitzt und der andere auf dem Fahrrad in Richtung Hallenbad unterwegs ist, befindet man sich im Zustand des Datings. Der Begriff umspannte also auch die Zwischenstücke zischen den einzelnen Verabredungen, den Dates, und drückt so mit die empfundene Verbundenheit auch bei Abwesenheit des Partners aus.

going out with someone:
Wo genau der Unterschied zwischen Dating und going out liegt, zu durchschauen, ist mir in zehn Monaten Nordamerika nicht gelungen. Rein sprachlich sind beide Wendungen ja fast synonym (Wie, Dates könne auch zuhause stattfinden? Aber da man als Datenede ja nicht zusammen wohnt, ist das pünktliche -auch das unpünktliche im Übrigen- Erscheinen am Treffpunkt ja für einen der beiden immer mit irgendeiner Form von going out verbunden!)

Being in a relationsship:
Hier besteht kaum ein Unterschied zur klassischen deutsche Beziehung. Deshalb springe ich gleich weiter zum nächsten Punkt, einer Mode, die wie Helloween und Valetine’s Day nach Europa überzuschwappen droht, wie auch alles andere, womit sich Geld verdienen lässt.

having changed promise rings:
Diese Wendung bezeichnet einen Zustand, in welchem beide Partner (manchmal aber auch nur einer) durch den Austausch sog. promise rings der Beziehung nach innen und nach außen (vor allem wohl nach außen) mehr symbolische Stabilität, auch die Absicht, eine gewisse Dauer zusammen bleiben zu gedenken, verleihen wollen.
Zehn Finger haben die Glücklichen (bzw. die bei Laubsägearbeiten geschickten)unter uns und die brauchen wir auch, jedenfalls in Nordamerika, wo eine lang andauernde (für nordamerikanische Verhältnisse wohl gemerkt) Beziehung schon mal ein bis drei (nach oben sind keine Grenzen gesetzt, ridicolousness gilt nicht als eine solche...) promise rings zeitigen kann. Etwas Platz lassen muss man schon noch, denn der promise ring, eigentlich alle von ihnen, verweist ja auf ein Versprechen, dass noch mindestens zwei weitere hinzugefügt werden, ein engagement ring und ein wedding band.
Juwelier sein muss man in Kanada.

being engaged:
Nun ist es soweit (durchaus schon nach zwei Wochen oder so, wir sind schließlich in Nordamerika), über einen der wenige frei Fingerchen wird ein Klunker gestülpt und schon ist man engaged.

getting married:
Und nun noch schnell der letzte von allen (naja, wird sich zeigen, wir sind schließlich in Nordamerika) und die Angelegenheit ist in trockenen Tüchern.

getting divorced:
dacapo al fine
Ich sagte es, glaube ich, schon: Juwelier sein muss man in Kanada.

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Kommentare

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    BANG

    20.11.2007, 12:59 von palettentreter
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