FruehlingIstMeinName 17.02.2009, 01:57 Uhr 3 0

Trennung – Tag 1

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Ich weiß auch nicht, wie weit ein einzelner Mensch und ein einzelnes gebrochenes Herz wegrennen kann

oder wie viel Bier ich noch in mich reinschütten muss, um zu verkraften, dass WIR nicht mehr sind.

In kleinen, ruhigen Momenten – denn man ist ja stark und markiert den Harten – sitze ich da, die Tränen glühen übers Gesicht und ich stelle fest, dass

1. man jemanden kennen kann wie keinen Zweiter auf dieser Welt und dass es trotzdem nicht reicht
2. der wichtigste Teil dessen, was mein wahres Leben ausmacht, hinter mir liegt, ohne noch einmal zurück zu kommen.

Was mich jetzt umgibt, erscheint so unreal. Es kann auch gar nicht wahr sein. Jeden Moment geht die Tür auf und dann kommst du herein und fragst mich wie mein Tag war. Dann essen wir einen Happen, reden und blubbern vor uns hin. Dann planen wir die Tage und necken einander… Oder halt auch nicht.

Jeder Moment in der Vergangenheit und Gegenwart – war und ist nur einmal da, auch wenn es ganz anders scheint und viele Dinge so unendlich wirken. Doch das wahre Leben, das mein Leben ausmachte – es liegt hinter mir und kommt nicht mehr zurück.
Die Erkenntnis, dich nicht mehr an meiner Seite zu haben, da wo du quasi hingehörst und wo du fest verwachsen bist, tut mir mehr weh als jeder andere Schmerz, den ich bisher kannte. Doch mehr schmerzt mich die Erkenntnis, versagt zu haben und festzustellen, dass Liebe allein eben doch nicht reicht.

Ich hab dich geliebt über all die Jahre hinweg – das wusstest du, dessen warst du dir immer bewusst. Ich hab all deine schönen Momente geteilt und bei schlechten Zeiten mit dir Wunden geleckt. Ich hab dich auch verstanden, wenn du deine 5 Minuten hattest oder verstanden, warum du anfängst zu sabbern, wenn du ein schönes Motorrad siehst oder warum du Kaugummi so verabscheut hast. Ich weiß immer noch alles über Dich und alles, was dich ausmacht.
Doch irgendwann kommt man an jenen Punkt, es ähnelt einem Aufprall bei voller Geschwindigkeit an einer xbeliebigen Wand und du stellst fest, dass man nur noch die Erinnerung und Vorstellung dessen liebt, wie man einst war - wie WIR einst waren.

In der Gegenwart wiederum sind wir an Kleinigkeiten und mittleren Katastrophen gescheitert, weil wir in der Liga der erwachsenen Beziehungen spielen. Früher war es einfach: studieren, ein bisschen anti sein, den Tag verpennen, weggehen, Freunde treffen, Klausuren schwänzen, sich hemmungslos auf dem Flurboden lieben und nicht nachdenken, einfach nur genießen.

Dann wachst du auf und rennst zur Arbeit, grübelst über schwachsinnige Projekte, Renovierungen und Werkstatt Termine nach. Und futsch ist sie die Leidenschaft, die Spontaneität und die große Amore. Untergegangen im Ernst des Lebens, weil man feststellt, was für unterschiedliche Dinge man will – was man bereit ist, dafür auch zu opfern.

In der Gegenwart haben wir uns auf die Nase gepackt – unfreiwillig. Wir haben es so sehr versucht, gekämpft und Dinge geändert, die uns gefielen, nur um einander zu gefallen…

Doch unsere Vergangenheit Baby, die war wunderschön – ohne dass ich sie idealisieren oder romantisieren muss. Barfuss sind wir nachts auf Straßen getänzelt und haben Blumen am Wegrand geklaut. Ich war deine Frau, du mein Mann und alles war gut.

Wir waren außergewöhnlich. Unsere Trennung war außergewöhnlich.

Ich weiß nicht, wie viel gewöhnliche Tage, Stunden vergehen und wie viele gewöhnliche, schweigende Gespräche ich führen und wie viel gewöhnliches Bier ich noch in mich reinschütten muss, um unsere Außergewöhnlichkeit nicht mehr zu vermissen.

Nur Du hast meine ganze Welt gerockt Babe. Nur Dich habe ich wirklich geliebt.

3 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    es gibt einen Tag 2 - denn wenn man so lange zeit so nah beieinander war, fast 6 jahre - dann scheint es unmöglich aus dem leben des anderen ganz zu verschwinden. es findet eine art liebe auf anderer ebene statt, in zuhören und mut zusprechen, wenn man einander braucht :) und beide wissen, dass sie vielleicht kein liebespaar mehr sind, aber dafür seelenfreunde, die immer aufeinander zählen und miteinander lachen können - das ist auch was schönes :)

    15.04.2009, 02:09 von FruehlingIstMeinName
    • Kommentar schreiben
  • 0

    du kannst gedanken lesen.
    ich bin nur so neugierig... gab es noch einen tag 2 nach der trennung oder gab es noch eine chance?

    01.04.2009, 23:33 von sommerblau
    • Kommentar schreiben
  • 0

    wie schön, traurig :(

    18.02.2009, 19:17 von Polly_
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare