bunteschaos 30.11.-0001, 00:00 Uhr 2 0

Traumblasen

Was sagt man denn da noch, sag mir das, was für Worte bleiben übrig?

Als die Tür aufgeht,kommst du hinter einem Freund in den Raum. Ich werfe dir keinen einzigen Blick zu, außer diesem heimlichen. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Du schaust durch mich hindurch. Wir geben uns so unheimliche Mühe,einander nicht anzusehen,dass unsere Gesichter ganz grau werden. Ich köpfe den Sekt,du sitzt in der Mitte der Menschen und bist der Pol,an dem sich alles bricht. Ich verschwinde hinter der Theke,betrinke mich. Bin nur noch halb da. Und werde immer wütender. Du bist hier, auf einmal, und du hältst es nicht einmal für nötig, irgendetwas zu sagen. Selbst das 'Hallo' hast du dir gespart. Und obwohl ich unheimlich gern genauso wäre,spiele ich das hier nur. Wenn du mich so gut kennst wie du es vorgabst,wüsstest du das.Vielleicht weißt du es auch. Ich kann unheimlich gut spielen. Bin Schauspieler des Lebens. Schauspieler für dich. 
Als die Flasche leer, ich angetrunken und du gelangweilt von alledem hier bist, stehst du auf und gehst auf eine Zigarette vor die Tür. Ich weiß nicht,was mich so in Flammen gesetzt hat,aber voller Wut pfeffere ich die Flasche auf den Tisch, packe meinen roten Mantel und marschiere dir nach. Draußen ist es kalt,das passt gar nicht zu uns,wir gehören in den Sommer. mein Atem haucht kleine Kringel in die Luft. Du stehst draußen, rauchst und ich laufe dir wutentbrannt entgegen.

" Was denkst du dir",feuere ich," was denkst du dir eigentlich."
Du schaust mich nur seelenruhig an. Hast gewusst,dass ich dir nachkommen würde. Ich bin so wütend,dass ich auf dich eintrommle. Mit meinen Fäusten. Es juckt dich nicht im geringsten,du hältst nur die Zigarette höher. Verzweifelt kippt meine Stimme. "Du hast es nicht mal für nötig gehalten, anzurufen. bescheid zu geben. Du tauchst hier einfach auf und denkst, dass ich nicht ein bisschen sterbe dabei? Du tauchst hier einfach auf und denkst,es ist alles einfach,alles cool und du,du kannst dich einfach in die Menge mischen?"
Du lächelst. Ganz leicht. Denn auch wenn du nicht genau in diesen Worten gedacht hattest,hast du das gedacht. Hier aufzutauchen wäre einfach. Wir müssen uns ja nicht ansehen. Aber manchen Dingen kann man nicht ausweichen,egal wie sehr man sich bemüht.
Ich wüte immer noch,komme mir dabei vor wie ein unstoppbarer Tornado, eine Naturkatastrophe, eine Katastrophe.

Du küsst mein tränennasses Gesicht.

Es ist so einfach,wie es nie ist. Du küsst mich einfach, meine aufgewühlten Worte verpuffen in deinem Rachen. Du nimmst mir einfach wieder den Atem um sauer zu sein. Du trocknest meine Salztränen ganz einfach mit deinen fahrigen Fingerbewegungen. Du zertrittst sogar noch die Zigarette, während du in meine Haare fasst. Und ich? Ich werde auf einmal ganz weich. Und das hasse ich,das hasse ich so sehr,dass ich glatt damit weitermachen könnte,diesmal mich selbst anzuwüten.

Du schaust mich an. Öffnest den Mund. Holst Luft.

Und ich wache auf, schrecke hoch,sitze aufrecht zwischen den Laken und frage mich wo ich bin, wo ich eben gerade noch war und weshalb ich von dir träume,wenn ich dich doch vergessen habe.

2 Antworten

Kommentare

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    "und weshalb ich von dir träume,wenn ich dich doch vergessen habe."
    der letzte Satz gefällt mir besonders gut. so wahr..
    Solche Träume sind schrecklich.

    20.03.2012, 23:25 von alwaysthinking
    • 0

      ja, und vor allem irgendwie noch unmöglicher zu vergessen wie der rest!

      20.03.2012, 23:29 von bunteschaos
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