clavis 31.01.2009, 10:18 Uhr 9 6

Träume

Was außer der Liebe kann sonst noch so sehr Fluch und Segen zugleich sein?

Mitten in der Nacht lag ich neben ihr in meinem Bett in der Ecke meines kleinen Raumes und wachte wie so oft nach kurzem Traum auf, fortan unfähig die Augen zum Schlafe geschlossen zu halten. Nervös wälzte ich mich umher und suchte verzweifelt Entspannung. Aber der Schmerz in meinem Herzen und das Weh, das meine Seele umhüllte ließen mich keine Ruhe finden und so begann ich, mit ihr zu reden. «Süße» sagte ich, «Süße, weißt du was ich gerade geträumt habe? Wir waren im Wald unterwegs, plötzlich in freiem Feld auf riesigem Gelände, und der Weg, der uns führte, wurde immer steiniger und bergiger. Wir haben uns gegenseitig helfen müssen, haben uns gegenseitig festgehalten damit niemand in einem Graben oder gar in eine Schlucht stürzte, haben uns gegenseitig mit Räuberleiter ausgeholfen damit wir auch die größeren Hindernisse leichter passieren konnten, ich habe dich getragen und du hielst mich fest, und ich werde nie das Bild von dem Strahlen in deinem Gesicht vergessen als wir beide nur durch Kooperation endlich an unserem Bestimmungsort angekommen waren, dein Lachen und deine Freude haben sich so sehr in mein Gedächtnis eingeprägt als wäre dies alles erst gerade eben und tatsächlich passiert. Süße, was genau unser Ziel war weiß ich leider nicht mehr, denn hier bin ich aufgewacht.» Ich spürte, wie meine Augen zu schmerzen begannen und dass es mir Mühe bereitete, die Tränen zurückzuhalten. Augenblicke vergingen, ich wollte ihr einen Kuss geben, hielt jedoch inne. Ich suchte ihre Augen in der Dunkelheit, konnte sie nicht finden. Dann sprach ich sie erneut an. «Süße» sagte ich, «Süße, weißt du was ich heute Nachmittag gemacht habe? Ich bin spazieren gewesen, an nur uns beiden gehörenden Orten, du weißt schon, bei der alten Gedenkstätte, auf den Wegen im dichten Wald und im Schlosspark. Ich war alleine, aber ich spürte dich ganz nah bei mir. Ich konnte deine Schritte hören und deinen Schatten sehen, dann, als ich Musik einschaltete, gingen mir lauter Bilder von deinem bezaubernden Gesicht durch den Kopf, und jede einzelne Note erzählte mir märchenhafte Geschichten von dir. Als es etwas ruhiger wurde und das Rauschen der Baumkronen verstummte, konnte ich deinen Atem und deinen Herzschlag hören, ich lief zu dir und wollte dich umarmen, aber plötzlich warst du verschwunden. Schlagartig befiel ein starker, kratzender Schmerz meinen Hals und in meinem Kopf begann alles sich zu drehen. Halt suchend lehnte ich mich an einen Baum, ich fühlte mich leer, kalt, fast krank und schwindlig. Es bereitete mir Mühe, geradeaus zu gehen. Süße, ich bin jeden Morgen mit dem Gedanken an dich aufgewacht, habe ihn meinen Tagesablauf begleiten lassen und ihn mit in die Nacht genommen, und nun bin ich wieder hier, neben dir, und ich möchte dir sagen wie viel du mir bedeutest, wie wertvoll, wie einzigartig du bist. Deine Schönheit und deine Ausstrahlung sind unbeschreiblich, und doch möchte ich es wenigstens immer wieder versuchen. Ich möchte dich auch jetzt in meine Arme schließen, ich möchte vor allem immer für dich da sein. Süße, weißt du, dass ich erst dann wieder ruhig schlafen kann wenn ich weiß dass du glücklich bist?« Mein Herz begann immer schneller zu klopfen, es schmerzte beinahe, ich merkte wie an meinen Wangen langsam Tränen hinuterliefen, erst eine, dann eine Zweite, und nun konnte ich sie nicht mehr zurückhalten. Ich schluchzte. Ich presste mein Gesicht in mein Kissen, ich quälte mich. «Süße, weißt du das?»

Aber die Wand blieb auch diesmal stumm.

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    Also, ich find ihn definitiv zu schnulzig, deinen Text. Und der Kosename "Süße" steht sowieso ganz oben auf der schwarzen Liste. Ne, auch hier gilt: weniger ist mehr.

    17.05.2012, 21:39 von wittchenschnee
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    wow. unglaublich geschrieben! verwirrend doch auch... jetzt muss ich nachdenken... ;) echt genialer text! und das ende sitzt... krass... so unerwartet. und traurig. und bekannt...

    25.02.2010, 19:42 von Die.mit.rotem.Haar
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    Mir gefällt vor allem diese Erzählpassagen, die so eine Atemlosigkeit und Verzweiflung rüberbringen. Sehr gut. Beide Daumen hoch und empfehlung.

    05.02.2010, 13:08 von palanka
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      @[Benutzer gelöscht] danke für dem comment! dieses ende, das man nicht erwartet, ist genau das was ich erreichen wollte. schön dass es ankommt ;). aber warum sollte man als schreiberling nicht gerne hören wollen, dass anderen die geschilderte situation bekannt vorkommt? ich find das eigentlich eher positiv... ;)

      13.07.2009, 23:08 von clavis
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    geld ist auch fluch und segen zu gleich

    13.04.2009, 00:01 von vanila
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    Schick,ein bißchen wulstig vielleicht aber gute Story guter Aufbau

    21.02.2009, 08:44 von Kayah
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    Oh man.... ich kenne sowas. Das ist kein angenehmes Gefühl.
    Ich weiß nicht ob es dir irgendwas hilft, aber es kann noch schlimmer sein. Und zwar dann wenn man denjenigen wirklich neben sich liegen hat und es einem trotzdem noch so geht. Pure Qual!

    Aber ein guter Text, Daumen hoch.

    10.02.2009, 12:33 von Snowhoney
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