Totgeburt
Schweißgetränkte Köpfe reiben sich aneinander und die Seifenblase zerplatzt.
Während Du von Liebe redest, beobachte ich die Stubenfliege über deinem Kopf. Es ist die ewig gleiche Spur auf dem Tonband der Eintönigkeit und ich habe die Stop-Taste abgebrochen. Unzählige Kaffeebecher stehen im Zimmer verteilt. Aschenbecher sind überfüllt. Aufgerissene Kondompackungen liegen im Flur und das Badewasser läuft seit Tagen.
Musik immerzu.
Im viel zu teuren Kleiderschrank finde ich den einen Anzug, der mittlerweile viel zu groß ist. Mein Kopf verschwindet zwischen Schulterpolstern, die Hose rutscht und ich werde stündlich weniger. Namen werden an Hauswände geworfen. Hamster schlafen in ihrem Rad und Solarleuchten verschandeln die Balkone im Innenhof. Atemnot.
Musik immerzu.
Ich zähle Zahnbürstenborsten und Streifen an Schuhen. Ich messe die Höhe der Zippoflamme mit Deinem alten Geodreieck und versuche Regentropfen mit Haarlack zu konservieren. Die Toilettenpapierrolle fliegt durchs Fenster und ich fühle mich umstellt. Wasser fault, Dielen quellen auf, Insekten gewinnen die Oberhand. Was ich hasse regiert mich.
Musik immerzu.
Eine Chance, ein Leben, eine Frage. Nur der Mund fehlt. Oder Lippen. Die Zunge verschluckt, die Finger verkrampft, die Augen verdreht. Unkenntlichkeit in Perfektion. Schweißgetränkte Köpfe reiben sich aneinander und die Seifenblase zerplatzt. Du sitzt auf Deinem hohen Ross und blutest im Schritt. Zwei die nicht miteinander können. Liebe und Hass.
Musik immerzu.






Kommentare
total gut, merci
18.09.2012, 11:09 von Red-she-devilSprachlich finde ich das gut. Sehr plastisch und konturhaft. Sowas schreibt man meistens runter. Wars so?
14.09.2012, 22:11 von quatzatAllerdings finde ich den letzten Absatz nicht ganz stimmig. Vielleicht noch bis zur Mitte und inklusive dem letzten Satz, aber die Stellen dazwischen fühlen sich unstimmig an. Allerdings - und das führe ich definitiv auch als Kritikpunkt an - erschließt sich mir keine klar Interpretation. Der Text bleibt entgegen seiner Konturhaftigkeit und schönen Fühl- oder Schmeckbarkeit leider diffus. Hm. Widerspruch. Also: Die Darstellung ist fein, aber die Message (für mich) fürchterlich unklar. Allerdings zieht sowas natürlich beim Neon-Publikum, weil man 'sich da drin finden kann', ohne dir hier irgendwelche Fängerabsicht unterstellen zu wollen. Dazu ist der Text sprachlich viel zu entspannt.
So wars. Richtig.
15.09.2012, 11:30 von RAZimIch verstehe was du meinst. Da es aber nunmal so runtergeschrieben ist, kommt es evtl. zwangsläufig dazu, dass der Text nicht zwingend eine Botschaft enthält oder überhaupt (über den Ansatz hinaus) interpretiert werden kann.
Die Intention war eher, ein bestehendes Gefühl in Sätze zu fassen. Das ist mir zum Ende hin etwas entglitten bzw. zu persönlich geraten (vielleicht der Uhrzeit geschuldet).
Danke fürs Lesen und Kommentieren. Schönes WE, quatzat!
Kenn ich nur zu gut.
16.09.2012, 22:01 von quatzatSchönes WE hat ich, danke :)
Danke für das wunderschöne Lied!
04.09.2012, 20:31 von Melodiairgendwie gut, auch wenn ich den sinn und inhalt noch nicht verstanden habe...
21.08.2012, 19:23 von instead-ofich lese es jetzt einfach so oft, bis es klick macht
bewegend.
17.08.2012, 11:42 von Lischen2409the ballad of love and hate...und damit meine ich nicht den link! groß. ganz groß.
16.08.2012, 11:35 von berlin_bombayMitten ins Herz, Mr. RAZ, mitten ins Herz.
10.08.2012, 20:50 von cosmokatzehttp://www.youtube.com/watch?v=CkgbB5FGO18
09.08.2012, 23:40 von libidovermintes terrain. ich selber hätt mich nicht getraut, was zu diesem siamesischen zwilling zu produzieren...
Siehste, Gambo? DAS sind Texte, unter denen ich nicht pöbel, weil ich die gut finde.
09.08.2012, 18:31 von SurecampTut mir leid, wenn ich jetzt mal keinen bösen Kommentar schreiben kann, außer: den find ich gut.