minulay 30.11.-0001, 00:00 Uhr 4 2

Tod der Opportunisten-Hure

Für einen Hauch von Charakter.

Wir reden drei Minuten über Freundschaft, viel mehr fällt uns dazu nicht ein. Ich weiß nicht was ich von dir, ihm oder mir will, ich will nur dass es echt ist. Authentisch sein, the fuck.

Was mich wirklich ankotzt ist die Halbwahrheit. Ich sag dir, ich hab ihn gesehen. Dass ich mit ihm geschlafen habe, verschweige ich. Und das nur, um dein scheiß Lächeln in deinem Gesicht zu bewahren – oder mich vor einer längeren und sicher anstrengenden Diskussion. Keine Ahnung.

So hören in letzter Zeit alle meine Sätze auf. Keine beschissene Ahnung.

Die Fragen sind nun also: Wann wurde aus mir eine Opportunisten-Hure? Und wie komme ich da wieder raus?

Meine Seele für einen Fitzel Rückgrat! Oder meine Plattensammlung, was auch immer mehr wert ist.

Gott, gib mir den Mut meine eigene Herrin zu sein, die Erkenntnis meiner Wünsche und die erbarmungslose Durchsetzung dieser. Mittlerweile sind mir die Freundschafts-Leichen lieber als die durch mangelnde Selbstachtung erkaufte mich-haben-alle-lieb-harmony.

Keine Ahnung.

Ich entschließe mich also an mir zu arbeiten, weil ich, wie meine ganze Generation, so verdammt reflektiert bin. Meisterin der Analyse, bewusstes Bewusstsein, Denkerin und Philosophin. Meine subjektive Brille wird neu eingestellt und meine schwarzen Seiten ans Licht gezerrt. Außerhalb der Komfortzone beginnt das Leben, Baby.

Ich habe allerdings nicht damit gerechnet, dass es außerhalb der Komfortzone so unglaublich unkomfortabel ist. Das ist nicht meine Chill-Out-Area; na hoffentlich kommt bald diese scheiß Erleuchtung.

Karten auf den Tisch. Sätze fangen an mit: Ich will. Ich kann nicht...mehr. Ich will ehrlich zu dir sein.

Ich schneide ihn von seiner langen Leine los. Und auch dich. Versuche bei der Wahrheit zu bleiben. Die Wahrheit ist: Es tut scheiß weh. Für die eigene Meinung und die Kundgabe der Wahrheit seiner subjektiven Wahrnehmung bekommt man keine Küsse.

In den Serien werden diese komplett authentischen Charaktere immer supercool dargestellt. Überall anecken und es auch noch genießen. Aber Authentizität hat nichts mit Gefühlskälte zu tun. Authentisch sein heißt nur, dass du dein eigenes Wesen nackt der Welt aussetzt. Und notfalls die Schmerzen erträgst. Für einen Hauch von Charakter. Um ein bisschen mehr Original und ein bisschen weniger Kopie zu sein. Für die Selbstliebe.

Also versuche ich gerade zu stehen und mich nicht mit dem Wind zu drehen. Erschreckend wie alleine man da so herum steht. Nicht so einfach, wenn ich nicht, wie sonst, von dir gestützt werde. Oder von sonst jemanden. Ich bin mir nicht sicher, ob das Applaus verdient. Vielleicht auch nur grenzenlose Dummheit. Engstirnigkeit.

Aber es ist ein letztes Experiment kurz vor der Explosion. Ich hätte nur geschrien in deinen Armen. Glaube ich. Ich wär im Glück nicht glücklich geworden. In deinem Schatten ist es zwar windstill, aber auch kalt. Zeit die Höhle zu verlassen. Vielleicht auch nur leeres Gelabber. Wir werden sehen.

 

Du wendest dich ab, erkennst das Mädchen gar nicht wieder. Normalerweise so handzahm, so lieb und lustig. Den Mund voll tausend süßer Worte und das Herz groß und rot für dich. Und ich hab viel für dich gegeben, war Auffangbecken für dich in einer scheiß Welt. Und auch für ihn. Und auch für sie. Jetzt bin ich es mal für mich selbst und zieh das sogenannte Ding durch, und zwar Meines. Im Moment statt tausend leider nur drei Worte für dich, und so richtig süß sind die auch nicht:

 

Friss oder stirb.

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4 Antworten

Kommentare

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    allzeit gültig:

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen."
    [Adorno]

    06.08.2013, 21:36 von schauby
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      Danke.

      19.02.2013, 13:26 von minulay

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