horses_to_go 29.06.2007, 18:20 Uhr 0 1

There is no if.

Die Geschichte hinter einem Song.

Sie hatte ihren Regenschirm nicht umsonst mitgenommen. Als sie ihn im Regen stehen sah wusste sie es. Sie öffnete den Schirm und bevor er das schützende Dach des Zeitschriftenladens erreichen konnte, hatte sie ihn vor den nächsten Tropfen gerettet.
Er hat sie auf einen Kaffee eingeladen. Eine Woche später wurde daraus ein Abendessen auf seinem Balkon. Das war im Mai, normalerweise regnete es oft. Aber nun schein die Sonne öfter und sie nahm ihren Schirm nicht mehr allzu oft mit.
Wenn sie nass wurden, dann zuindest beide. Wenn sie darauf krank wurden, dann sie beide. "If you die," sagte sie,"so do I."sagte sie.
Ihre Freunde feierten dieses Paar, wie füreinander gemacht. So liebevoll konnten nur diese beiden miteinander umgehen. Es war keine Frage von Dominanz, es war keine Frage von Verzicht. Ihre Liebe wog alles auf.

Er bekam den Job in Amsterdam angeboten, eine einmalige Chance. Die Welt hielt den Atem an - aber niemand zweifelte daran, an dieser Liebe.
Wenn sie Kompromisse machten, dann zumindest beide. Wenn sie dann doch verzichteten, dann sie beide. "If you die," sagte er, " so do I."sagte er.
Sie sahen sich daraufhin einmal im Monat für vier Tage. Nur sie konnten sechsundneuzig Stunden so intensiv nutzen. Ausfüllen bis zur letzen Sekunde. Nur sie konnten die anfängliche Scheu am Flughafen so schnell überwinden. Für sie waren diese vier Tage das meiste. Die Wochen dazwischen waren kaum vorhanden. Und wenn sie sich vermissten, dann fehlten sie einander zur gleichen Zeit. Und wenn sie nicht weiter wussten, dann ermutigten sie sich gegenseitig zum Durchhalten. "If you die," sagten sie, "so do I." sagten sie sich gegenseitig.

Wie die kleinen Fehler, die einschleichende Routine und die zähen Stunden am Flughafen auf diese Beziehung drückten wollten beide nicht sehen. Die Dinge die plötzlich unübersehbar den Alltag störten, seine Unordnung, ihre Pingeligkeit. Sie schreien sich an und lächelten wenn Freunde zum Essen kamen. Das perfekte Paar kehrte die Scherben auf die Entfernung und den Stress dieser begrenzten Zeit. Die Wochen ohne den Partner waren willkommene
Pausen geworden, ein Aufatmen als das Flugzeug den einst so Geliebten in die Lüfte und ausser Sichtweite trug.

Die Türen knallten öfter und wurden oft stundenlang nicht geöffnet. Tränen liefen über Lippen die es nicht aussprechen konnten. " If you die," sagte sie zu sich selbst," so do I."
Er sagte es nie mehr.
Ihre Freunde kamen nicht an sie ran, sie verbrachte Nächte in ihrem Schlafzimmer, suchte nach seinem Herz und konnte die Liebe nicht finden. Sie muss wohl auf einem der vielen Flüge verloren gegangen sein, wie ein Gepäckstück nicht verladen wird.
Als er ihr sagte, dass er eine neue Freundin hat und zurückkommen wird um seine Sachen endgültig abzuholen, lachte sie und meinte das sie doch seine Freundin sei. Das Klicken des aufgelegten Telefonhörers konnte sie zwischen einem Schluchzen überhören. "If you die." sagte sie noch und legte auf.
Es war kaum einen Koffer füllend, viel war nicht übrig.

Er schloss die Tür und liess sie zusammengekrochen hinter dieser liegen.

Der Pilot konnte das Flugzeug nach Turbulenzen nicht mehr unter Kontrolle bringen. Der Aufprall muss ihn mit all seinen Gedanken sofort getötet haben. Ein Überleben war nach Angaben der Sachverständigen unmöglich.
Ihr Brief der auf seiner Beerdigung ausgelesen wurde, war etwas zwischen Ihr und Ihm.
"If you die so do I and it starts that day you cross that line - swear I will always be yours and you'll always be mine."

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