cloudless_sky 30.11.-0001, 00:00 Uhr 3 27

Teil 2: Ende

„Ich werde dich vermissen“, hast du gesagt als du gegangen bist.

Teil 1: Ohne Ende

Ich habe genickt: „Ich dich auch, aber ich werde alles tun, um dich nicht zu vermissen.“ Das hast du so hingenommen. So wie ich es hingenommen habe, als du gesagt hast, du würdest, du könntest mich nicht lieben.

Ich habe uns einmal als eine Festung beschrieben. Eine Festung im Sturm. Doch diese Festung ist nicht unsere, sie ist meine, meine allein, und du bist einfach eingezogen. Dabei hattest du einen Koffer voller Dinge, die wir nicht gebrauchen konnten. Viele gute Fragen, lange Nächte und interessante Gespräche, aber versteckt in einem kleinen Seitenfach war sie, deine Idee von Unabhängigkeit, von Freiheit, vom frei sein von dem, was dich zu lange festgehalten hat.

Meine Festung hat dir gefallen, für eine Weile zumindest. Das ist kein Wunder, ich finde es lässt sich gut in ihr leben. Irgendwann ist dir aber wieder eingefallen, was sich noch alles in deinem Koffer befindet, vor allem in dem kleinen Seitenfach und dann hast du meine Festung verlassen. Am Anfang nur für eine kurze Zeit, doch dann wurden deine Spaziergänge immer länger und ich einsamer.

Das war ich vorher nie. Meine Festung erschien mir immer perfekt für mich, doch plötzlich, so ohne dich, war sie leer. Und ich konnte den Wind draußen  hören und die Wellen, die an die Flutmauer peitschten und ich wusste nicht, warum du gerade in so einem Wetter spazieren gehen musst.

Du wolltest mir nie weh tun und ich wollte dich nie aufhalten, aber irgendwie haben wir es doch getan. Nie habe ich irgendjemandem die Möglichkeit gegeben so oft zurückzukehren. Vielleicht dachte ich, du bleibst irgendwann, weil es dir doch gefällt, vielleicht dachtest du das sogar selbst. Am Ende habe ich deinen Koffer für dich gepackt und als du von deinem letzten, viel zu langen Spaziergang zurück kamst, stand er an der Tür. „Warum?“, hast du gefragt. Du hast es nicht verstanden und ich konnte es dir nicht erklären.

Ein paar Tage später stand  ich dort selbst, mit meinem Koffer voller unbrauchbarer Dinge. Ein paar habe ich von dir geborgt und dir auch einige von mir eingepackt. Manchmal kommt ein Brief, wenn du eines dieser Dinge findest, in einer Seitentasche, irgendwo versteckt.

Ich weiß, dass du mich nicht verletzen wolltest, doch manchmal tut es trotzdem noch weh. Doch dann schaue ich auf die stürmische See vor mir und es fühlt sich alles richtig an. Du musstest gehen und ich dich gehen lassen. Vielleicht kehren wir irgendwann zurück in diese Festung und vielleicht ist es dann wirklich unsere und nicht nur meine. 

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3 Antworten

Kommentare

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    Krasser Text. Echt gut.

    Was soll man da sagen..das Leben lässt sich eben nie beeinflussen. Es ist manchmal erschreckend, wie wenig doch in unserer Kontrolle liegt.

    27.01.2015, 10:19 von Hans222
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    Passt.

    14.01.2015, 22:32 von Donna.Wetta
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    Einfach wunderbar

    12.01.2015, 13:57 von violett84
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