Zimtschnitte 22.09.2012, 23:09 Uhr 1 1

Tatsächlich... wie ein einziger Tag

Ich mag keine Liebesgeschichten, alles zu gefühlsduselig, jeder sollte wissen, wie wenig ich davon halte. Und dann kamst du.

Wir haben uns an einem Tag und zu einer Zeit getroffen, an dem ich, wie es ja immer so ist, überhaupt nicht damit gerechnet hatte, eine neue Liebe zu finden. Ich war doch eigentlich grad mit etwas ganz anderem beschäftigt! Drauf und dran, meine Sachen zu nehmen und neu zu starten, alles auf Null, neue Stadt, neues Umfeld... und zum Abschied, nur noch einmal feiern. Das Leben nimmt eigenartige Wege. Nur noch einmal tanzen, tanzen mit dir. Tanzen bis zum Morgen, lachen bis zum Morgen... und dann ging die Sonne auf. Nicht nur draußen vor der verdreckten Scheibe der kleinen Kneipe, in der wir noch saßen, sondern auch in meinem Leben. Auf einmal war alles strahlend schön... kitschig schön... die Sonne brennt wärmer als vorher, die Welt ist leicht und flauschig. Aber nein, verliebt bin ich nicht, lieben tun die anderen, ich nicht.

Vielleicht ich auch. Mit den Tagen und mit deiner Zuneigung gingen die Zweifel. Ich ließ es an mich heran, dieses Gefühl, von dem ich glaubte, ich könnte es schon nicht mehr spüren. Voller Mut, mich tatsächlich fallen zu lassen, tauchte ich ein in neues Glück. Glück mit dir, schöne Stunden zu zweit, ekelhaftes Pärchengeturtel und der Vorhang fiel. Ich war ich und fühlte mich, als wäre ich endlich angekommen. Im Eifer des Gefechts vergaß ich die Vorsicht, die sonst mein treuester Begleiter war. Diesmal ist alles gut, stürz dich rein, es fühlt sich so toll an, es ist für ewig... du bist es!

Du warst es nicht! Es war letztendlich wie ein Windhauch in meinem Leben. Nein, eher eine starke Böe. Du hast mich rausgerissen aus meinem tristen Alltag, hast mein Leben verschönt, hast alles so viel besser gemacht.

In der letzten Nacht lag ich in deinen Armen, fühlte mich so beschützt und voller Liebe... so wie immer. Was sollte uns trennen? Da passt kein Blatt dazwischen.

Da passen Welten dazwischen. Am Mittag war es aus. In meinen Augen das pure Entsetzen. Warum habe ich nichts gemerkt? Warum warnt mich niemand vor und schreit: Du da, pass auf, so wie es bisher war, wird es in wenigen Stunden nicht mehr sein... das war der letzte Kuss, das letzte Mal zärtliches Streichen über die Haare. Dein Kuss im Nacken... er brennt noch immer. War ich so geblendet? Du hast deine Maske, du hast dir nichts anmerken lassen - du hast alles für mich getan. Ich habe mich so sicher gefühlt, zu sicher, der Fall war hart und tief.

Und dann ging die Sonne unter. Wir haben nie wieder miteinander geredet. So unverhofft, wie du in mein Leben gekommen bist, bist du wieder gegangen. Aus dem Nichts heraus warst du da, ins Nichts bist du verschwunden. Kein Wort mehr von dir, aus der Sicherheit heraus in die Tiefe gestürzt. Und noch nach Monaten sitze ich hier in meinem Bett, schaue auf dein Kissen, auf dem du nicht mehr liegst und schüttele den Kopf. Wie soll ein Herz etwas begreifen, bei dem selbst der Verstand im Dunkeln tappt? 

Es war eine Liebe wie ein einziger, sehr schöner Tag. Es blieb Schmerz für ein ganzes Leben.


Tags: Liebeskummer, Liebesgeschichte
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Kommentare

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    Klingt schlimm, vorallem wenn einem nichts erklärt wird und dann ist er für immer weg... Erst streicheln, dann abhauen, na toll. Ja, er war es eindeutig nicht - zum Glück hast du diese Erkenntnis!

    23.09.2012, 00:22 von GanzAmRande
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