justJune 01.04.2008, 00:10 Uhr 2 0

Tanz der Moleküle

Diese schicksalhafte Nacht, in der du einfach meinen Namen vergisst.

Die Zeit der Depressionen war vorbei. Endlich betrachtete ich die langjährigen Beziehungen meiner Freundinnen nicht mehr mit Neid, nicht mehr jeden Mann mit einem ansprechenden Äußeren als möglichen Beziehungspartner. Endlich war ich nicht mehr auf der Suche und nicht mehr bereit zum gefunden werden. Ich war allein, Single seit ich denken konnte. Und endlich war ich zufrieden damit. Dieses Hochgefühl musste ausgekostet werden, musste begossen werden. In einem Club, in den ich sonst selten gehe, mit einem guten Freund.

Aber während ich da stehe, in der Nähe der Bar, wartend auf den Freund, der die Getränke holt, kommst du rein. Ich sehe dich und frage mich nicht, ob du eventuell zu mir passen könntest. Es ist eher wie ein Blitz, der mich durchzuckt: „Hammer, den will ich!“, und es scheint ganz klar. Ich bin geplättet von deiner Erscheinung. Mein Kopf schwirrt. Und was tust du? Du grinst mich an, kommst auf mich zu und sprichst mich sogar an. Ich weiß nicht Mal mehr wie. Um uns herum: Menschen, laute Musik. Wir: Unterhaltung bis zur Lieblingsfleischsorte, deine ist Lamm, sagst du, und du würdest gerne Mal für mich kochen. Du fragst nach meiner Nummer, ich will sie dir nicht geben. Ich bin doch glücklich so allein. Du willst mich auf einen Drink einladen, ich sage zu, doch als mein Freund mit den Getränken kommt und mir meins gibt, machst du ihn dumm an. Du bist entzaubert, ich gehe weg. Erst später sehe ich dich wieder. Auf dem Balkon stehst du ans Geländer gelehnt, so cool. Stellst mich einem deiner Freunde als Yvonne vor, guckst so schön beschämt, als ich dich korrigiere: „Verena, nicht Yvonne!“. Wieder unterhalten wir uns, ich kann es nicht lassen. Erst jetzt merke ich, wie betrunken du bist, beinahe hilflos und trotzdem noch so toll. Erneut fragst du nach meiner Nummer, erneut lehne ich ab. Immer wieder fragst du mich in dieser Nacht und immer wieder sage ich nein, geschmeichelt von dieser süßen Hartnäckigkeit. Bis du sagst, dass du gehst. Da stehe ich nun, meine Vorsätze überdenkend auf meiner Lippe herumkauend. Schnell gehe ich zur Bar, lasse mir eine Serviette und einen Stift geben, schreibe: „Verena, nicht Yvonne“ und meine Telefonnummer. Zögernd kehre ich zu dir zurück, sehe dich, mit diesem hoffnungsvollen Blick, kann nicht anders, gebe dir die Serviette. Du siehst sie dir an, lachst mit diesem komischen Lachen, verstaust sie sorgfältig in deiner Jackentasche. Da stehen wir nun, sehen uns betreten an, fast wie Kinder. Und was sagst du? „Und jetzt? Wollen wir vielleicht noch n bisi knutschen? Hm?“ Ungläubig sehe ich dich an, denke an die Serviette in deiner Jackentasche, denke an meine Vorsätze und warum ich sie so schnell über Bord geworfen habe. „Ähm, nein!“, ist meine Antwort. Doch dein verlegenes Lächeln nimmt mir die Wut. Du bist ja so betrunken und schließlich dann auch weg. Verwirrt stehe ich im Club, frage mich, ob das richtig war und ob du anrufen wirst, was genau der Zustand ist, den ich mit meinen Vorsätzen vermeiden wollte. Aber es fühlt sich so gut an.

Die nächsten sieben Tage sind so merkwürdig, bis du endlich anrufst. Ich wollte doch nicht warten. Wir telefonieren eine Stunde, dein komisches Lachen irritiert mich immer wieder. Zu schrill und zu hoch. Wochen später schaffen wir endlich ein Treffen, im Café, ganz unverfänglich. Die nächsten Treffen folgen, langsam werden sie verfänglicher. Auf einer Decke in deinem paradiesisch schönen Garten sitzen wir in der Sonne. Ewig rede ich dummes Zeug, bis du mir endlich den Mund mit unserem ersten Kuss verschließt. Und langsam gewöhne ich mich an dein Lachen.

Eines Abends, wir liegen im Bett, eng umschlungen. Ich schlafe schon fast und da sagst du etwas, es klingt wie „Ich liebe dich“, aber ich bin mir nicht sicher. Was soll ich sagen? „Wie bitte?“, aber was, wenn du es doch gesagt hast. „Ich dich auch.“, aber wenn ich dich doch falsch verstanden habe? Ich überlege so lange, bis ich einschlafe - und sage nichts. Am nächsten Morgen fragst du mich unsicher, ob du zu weit gegangen bist, mit dem „Ich liebe dich“, ob es zu früh gewesen sei. Ich strahle dich an, kann es kaum fassen, denke laut, dass ich dich wohl doch richtig verstanden habe. Sage „Nein“ und „Ich liebe dich auch!“.

Viel später erst finde ich in deiner Schreibtischschublade einen Zettel. Yvonne steht da und eine Telefonnummer. Erstaunt sehe ich dich an, hake nach. Du lachst, schrill wie immer, und ich liebe dieses Lachen. Die hast du kurz vor mir kennen gelernt, am selben Abend, aber nur mich hast du angerufen. Wie schön.

Zwei Jahre ist diese für mich so schicksalhafte Nacht im Club nun her. Manchmal, wenn sich heute unsere Blicke kreuzen, in einem Raum voller Menschen, jeder von uns in eine Unterhaltung vertieft, da durchzuckt es mich immer noch: „Hammer, das ist mein Kerl, mein Freund, mein Macker, mein Schatz!“

Ich liebe dich!

2 Antworten

Kommentare

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    der text gefällt mir...die liebe findet ihren weg, egal wie man sich wehrt, nur für immer bleibt sie nur selten...

    27.05.2009, 14:58 von fuchs_im_vollmond
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    Als Anmerkung zum Titel: Das Lied "Tanz der Moleküle" von Mia kam am Anfang unserer Beziehung raus und war absolut Ausdruck meiner Gefühle.

    01.04.2008, 00:23 von justJune
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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      @[Benutzer gelöscht] ai dankeschön :) der erste kommentar zu meinem text ... und das wo der tolle macker vor 3 monaten schluss gemacht hat ... :-/ jaaa das leben ist kein wunschkonzert!

      05.11.2008, 18:15 von justJune
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