mie_holgersson 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 3

Symbiose

Wenn Liebe stärker ist, als Avocadoflecke.

Als du nach Hause kommst sitze ich mit einer Schüssel Müsli auf der Couch. Ich trage dabei meine graue Jogginghose, welche ein Loch im Schritt und einen grünen Fleck auf Höhe des rechten Knies hat - ich habe schwer die Avocado im Verdacht, welche ich gestern Abend gegessen habe. Grasflecke können es jedenfalls nicht sein - ich kann mich nämlich nicht daran erinnern in dieser Jogginghose jemals joggen gewesen zu sein. Briefkasten als höchste Toleranzgrenze. 

Ich zappe mich durch's Trash-TV und bleibe bei Sex and the City hängen. 'Hübsch angezogen sind die da immer', denke ich und schlabbere mein Schokomüsli (das ich ernsthaft noch mit Kabapulver und Zucker gesüßt habe) hinunter. Dabei kleckere ich ein bisschen auf meine Hose, aber egal - wenn ich so weiter mache, kann ich sie vielleicht bald als Print-Leggings durchgehen lassen.
Du gibst mir einen Kuss zur Begrüßung, schaust mich an und schmunzelst. "Haste dir versucht Raucheraugen zu schminken oder wie der Quatsch heißt?", fragst du. Ich verstehe zuerst nicht was du meinst und sage nach einer kurzen Pause: "Okay du Pflaume, das heißt Smokey Eyes. Und nein, das hier, mein Schatz, ist ein neuer Trend, welcher sich Pandaaugen nennt. Ich hatte nur kein Bock mich vor'm Duschen abzuschminken... dass ich überhaupt mal geschminkt war gestern, sollte mir hochangerechnet werden!" Ich schlürfe den letzten Rest Kaba-Zucker-Milch aus meiner Müslischale und spiele mit dem Gedanken noch eine Portion zu machen. Aber die Küche ist einige Schritte entfernt und so ich lasse es bleiben. 
Du sitzt währenddessen mit einer Tasse Tee am Tisch und liest Zeitung. Du bist gut gekleidet. Du duftest gut. Und dein 5-Tage Bart macht dich verdammt sexy. Ich komme mir plötzlich ziemlich eklig vor. Wie es so auf der Arbeit war, frage ich. (Das klingt ungewohnt, wo wir doch beide so lange Studenten waren). Du erzählst mir von deinem Tag und fügst grinsend hinzu, dass du eine Einladung zu einem Date erhalten hast. Ich kichere und denke mir heimlich "Miststück."

Wenige Tage später. Du hast frei und schläfst aus, während meiner Wecker zum wiederholten Mal klingelt. Diese verdammte Snoozerei. Du liegst neben mir, schnarchst und hast eine ordentliche Fahne von deiner Feierei gestern. Ich schleppe mich ins Bad, dusche, ziehe mich an, mache meine Haare und hübsche mich mit Make-up auf. Als ich am Abend nach Hause komme, hänge ich fein säuberlich meinen schicken Mantel auf und freue mich dich im Wohnzimmer zu sehen. Der Fernseher läuft, du bist dabei eingeschlafen. Dein Mund steht weit offen und du trägst nur eine alte verwaschene Boxershort. Auf dem Wohnzimmertisch liegt eine offene Pizzaschachtel - dementsprechend riecht es auch. Ich krempel mir die Ärmel meiner weißen Bluse hoch, ziehe meine teure Uhr aus, binde mein frisiertes Haare aus dem Gesicht und beginne aufzuräumen. Eigentlich ist mir nach genervtem Schnauben zumute. Aber wenn ich dich da so niedlich liegen sehe, sabbernd, ungeduscht und unattraktiver denn je, dann wird mir bewusst: Wir harmonieren wie's scheint ganz gut. Lass uns für immer zusammen bleiben. Ich liebe dich.

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