wanky_monkey 21.06.2009, 13:34 Uhr 0 0

Surren

Du hast dem Fass den Boden der Tatsachen ausgeschlagen

Ssssssssssssssssssss. So klingt es. Manchmal länger, manchmal kürzer, manchmal ganz oft, manchmal nur ein einziges mal. Aber immer das gleiche Geräusch. Ein elektronisches Surren, das, wenn es langsamer ertönt, stotternd klingt, mit fast kaum wahrnehmbaren Unterbrechungen. Sssssssssssssssssssss. Flimmern. Stille. Ssssss.Ssssssss.Sssssssssssssssssss.
Das ist das Geräusch, das aus meinen Boxen kommt, wenn mein Handy unter dem Bildschirm auf dem Schreibtisch liegt. Das hat irgendwas mit der Strahlung zu tun, schätze ich, aber das sind Sachen von denen ich mir keinen Begriff machen kann. Ich weiß nur, dass das Geräusch manchmal einfach so kommt. Dann hört man es eben nur einmal. Und wenn es öfter, in kurzen Abständen kommt, ist damit zu rechnen, dass sich auf meinem Handy auf irgendeine Art und Weise in Kürze eine Reaktion bemerkbar machen wird. Trotz dass ich im Moment des elektronischen Surrens damit rechne, dass es gleich klingelt, schrecke ich dennoch oft zusammen, wenn der Vibrationsakku und die massive Holztischplatte ein Geräusch erzeugen, das Bären im Winterschlaf weckt.
Aber in letzter Zeit ist es recht still geworden um das elektronische Surren. Nur hin und wieder, ganz selten, in Augenblicken wie diesem hier, wenn ich so vor dem Bildschirm sitze und an zu viele oder keine besonderen Dinge denke, meldet sich das Surren. Meistens nur für einmal. Aber dieses eine mal dauert in eben jener letzten Zeit ziemlich lang. Weil jedes Surren bedeuten könnte, dass du vielleicht anrufst. Ich halte dann die Luft an, und zähle die Nanosekunden, weswegen mir die Zeit des Surrens so lange vorkommt. Oder weil ich hoffe, dass es nicht aufhört, und mir sagt, dass mein Handy wirklich gleich klingelt. So weit bist du nämlich schon gekommen. Nicht nur in meiner metaphorischen, sondern auch in meiner wirklichen Welt, tauchst du immer und immer wieder auf. Du huschst durch meine Träume, so dass ich, immer wenn ich aufwache, das Gefühl habe, dass du gerade eben erst zur Tür hinaus und um die Ecke gegangen bist. Manchmal bilde ich mir ein, dass ich nur schnell genug aufwachen muss, damit ich dich sehen kann. Oder zumindest den Saum deiner Kleidung erhaschen, oder den Klang deiner Schritte hören kann. Nur dein Geruch, der ist immer da. Manchmal noch ganz lange nach dem Aufwachen.
In jedem Mädchengesicht der Stadt hab ich dich schon mindestens zweimal gesehen. Manchmal auch in dem einen oder anderen Gesicht einer alten Frau, aber das gilt nicht, weil ich ja keine Brille trage, auf der Straße.
Und von Zeit zu Zeit bist du in kleinen Gegenständen oder Dingen in meinem Alltag. Zum Beispiel die CD, mit deiner Schrift, Musik von Amelie,, die durch den Stapel mehr oder weniger Nutzgeprägten Dinge auf meinem Schreibtisch hindurchschaut. Darin seh ich dich auch. Wie du sie mir entgegenhältst, mit beiden Händen, und ich daraufhin Lächeln muss.
Oder der grüne Pulli, den ich getragen habe, als wir uns zum ersten mal geküsst haben. An ihm hängt immer noch dein Geruch. Diesmal der Echte, nicht der aus dem Traum.
Und jetzt? Jetzt bist du auch noch das elektronische Surren in meinen Boxen. Und lässt mich den Atem für atemberaubend viele Nanosekunden anhalten. Ssssssssssssssssssssssssss.

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