LynchburgLemonade 13.04.2014, 21:50 Uhr 15 17

Suppe

Du sitzt am Küchentisch und schlürfst deine Suppe. Ich muss mich zusammenreissen, nicht zu würgen. Alles an dir ekelt mich an.


Du sitzt am Küchentisch und schlürfst deine Suppe. Es musste heute unbedingt Suppe sein, obwohl es draußen schwül und feucht ist und die meisten Menschen in der Sonne sitzen und Eis essen. Die Rollläden hast du fast ganz herunter gelassen.
 
Immer wieder tauchst du deinen Löffel in die Fettaugen, die an ihrer Oberfläche schwimmen. Ab und zu fischst du ein Stück weißlichen Fisch heraus und kaust emotionslos darauf herum. Du merkst gar nicht, dass ich dich dabei beobachte, wie du die Gräten ausspuckst und sie an den Tellerrand legst. Eine neben die andere. "Warum isst du nicht?" Eigentlich ist das keine Frage sondern vielmehr eine Aufforderung. "Gleich," sage ich und hole mir einen Teller. Ich weiss jetzt schon, dass ich die Suppe nicht herunterkriegen werde. "Ich glaube ich mache mir lieber ein Brot." Du zuckst unbeteiligt mit den Schultern. Solange ich hier bin, wo du mich sehen kannst, ist es dir egal was ich mache. Ich hole mir einen Teller und ein  Messer und setze mich zurück an den Tisch. Dir rinnt ein wenig von der Suppe das Kinn herunter, aber du wischst sie nicht weg. Dein Gesicht ist rot und fleckig, deine Augen dunkel und leblos und ich denke nur, wie hässlich du gerade aussiehst. "Iss jetzt," sagst du. Ich bedecke die Scheibe Brot mit einer Schicht Butter, so dünn, wie der Schweißfilm auf deiner Stirn. Ich sehe aus dem Augenwinkel, wie du dir deine fettigen Haare aus dem Gesicht streichst und danach mit der gleichen Hand nach dem Brot greifst. Ich muss mich zusammenreißen, nicht zu würgen. Alles an dir ekelt mich an. Die Art wie du dein Essen anschaust, so gierig und trotzdem lieblos. Genau so, wie du mich ansiehst. Dein verlebtes Gesicht, gezeichnet von vielen Nächten ohne Schlaf und Freude. Und deine Art, die ganze Welt zu verabscheuen und auszuschließen, indem du nichts und niemanden an dich heranlässt und mich dazu zwingst es dir gleich zu tun.

Auf einmal schaust du mich an, mit großen Augen und dem Suppenfleck auf deinem T-Shirt. Ich bin mir sicher, dass du den ganzen Hass auf meinem Gesicht sehen kannst, aber anstatt auf meinen Teller zu schauen, wie ich es sonst immer tue, sehe ich dir direkt in die Augen. Deine Augenbrauen zucken leicht nach oben und dein Mund verzieht sich zu einem skeptischen Lächeln. Du glaubst zu wissen, was jetzt kommt. Eine Entschuldigung, dass ich deine Suppe verschmäht habe. Und den Tag draußen verbringen wollte. Und, dass ich dir ständig so viel Ärger mache. Aber du hast keine Ahnung.

Ich nehme das Messer in die Hand und wische die schmierigen Butterreste sorgfältig mit dem Küchentuch ab. Warum du mir immer die Steak Messer übrig lassen muss, mit denen man so schlecht Brote schmieren kann ist mir ein Rätsel. Ich sehe mein Spiegelbild in der glänzenden Klinge und dann dein süffisantes Grinsen.

Du lächelst immer noch, als ich dir das Messer mit voller Wucht ins Herz stoße.

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15 Antworten

Kommentare

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  • 1

    sup(p)e(r) ♥

    16.04.2014, 18:36 von maxie_kunstkind
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  • 1

    Schließe mich der Mrs. an und verschenke dennoch ein Herz.

    14.04.2014, 21:10 von FrauKopf
    • 0

      Vielen Dank! 

      15.04.2014, 09:50 von LynchburgLemonade
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  • 2

    Datt, was die Mädels da unter mir sagen.

    14.04.2014, 20:53 von TheCaptainsFiancee
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  • 1

    Warme Suppe ist voll gut wenns warm is!

    Is ja n richtiger Sympathieträger, schade dass er sterben muss.
    Klingt wie ein sau guter Nachwuchstarantino. Fett gemocht.

    14.04.2014, 18:48 von LifeInANick
    • 0

      Danke :)

      15.04.2014, 09:50 von LynchburgLemonade
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  • 2

    Ich kann mich mit deinem Text anfreunden (schöner Aufhänger, gut beschrieben, sprachlich rund), allerdings nur bis zum letzten Absatz. Wenn es um's Ende geht, schließe ich mich meinen Vorrednern an: Dass es abrupt kommt, ist gut, nur darfst du es trotzdem noch ein wenig ausarbeiten. Mach nicht in einem Satz kaputt, was du mit vielen Worten zuvor aufgebaut hast!

    14.04.2014, 14:21 von Freulein_Taktlos
    • 0

      Und wie stößt Freulein_Taklos "wortlich geschmeidig" ein Messer in das Herz des Trägers der fiesen Visage ?

      14.04.2014, 20:01 von LifeInANick
    • 0

      Anders eben.


      Aber es würde dem Text nicht gerecht werden, würde er von einem Freulein zu Ende geschrieben ;)

      15.04.2014, 08:45 von Freulein_Taktlos
    • 0

      Na prima.

      15.04.2014, 09:00 von LifeInANick
    • 1

      würd mich auch interessieren ;) aber ich versuch's mal selbst..;) 

      15.04.2014, 09:49 von LynchburgLemonade
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  • 1

    Mag ich, auch wenn, wie Mrs. schon schreibt, hintenraus noch etwas fehlt. Den Ekel hast du toll beschrieben, hier darfst du nach meinem Geschmack auch gerne nochmal ne Schippe drauflegen. Mehr, mehr, mehr! :)

    Ich kann auch nicht wirklich was mit der Kategorie anfangen.. Wobei. Doch. Ich kenn das, wenn man sich vor einer Person, die man mal liebte, nur noch ekeln kann. Vielleicht passt die Kategorie doch.


    14.04.2014, 11:30 von execratedworld
    • 1

      hab auch kurz überlegt.. eigentlich passt es nicht ganz, aber die richtige Kategorie hab ich nicht gefunden. Danke auf jeden Fall für deinen Kommentar.. ich arbeite am Ende und am Ekel.. :)  

      14.04.2014, 11:39 von LynchburgLemonade
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      ja, das hätte ich auch nicht gedacht :) und du hast Recht, das Ende gefällt mir noch nicht sooo gut.. ich setz mich noch mal dran. 

      14.04.2014, 11:38 von LynchburgLemonade

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