FrauFee 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 1

Stein auf Stein

Aber so schön wie mit euch, werde ich nie wieder tanzen.

Ich lege meine Steine auf eure. Viel mehr Nähe bleibt da nicht übrig zwischen uns. Eigentlich ist es das einzige was ich euch noch geben kann von mir. Ich kann euch noch riechen, wisst ihr. Euch alle- wie lange es auch her sein mag, dass ich dich auf den Bart geküsst, dir auf die Schulter geklopft , deine Hand gestreichelt oder dich feste umarmt habe. Ihr liegt mir noch in der Nase, die Signale an mein Magen, meine Tränendrüsen, meine Haut und meine Lunge sendet. Eure Stimmen sind auf meiner Hirnfestplatte eingebrannt und so lange dieses Hirn läuft, werden sie bleiben. So lange dieses Hirn läuft, seid ihr sicher verwahrt. Und wenn alle Hirne in denen ihr rumspukt aufgehört haben zu sein, dann ist auch alles egal- dann verschwinden wir eben gemeinsam.

Ich soll loslassen was schwächt, festhalten was stärkt, euch loslassen obwohl ihr Stärke wart, die Sehnsucht nach euch aber alles eng macht und erstarrt. Hinnehmen, akzeptieren, achtsam sein, weiter gehen, inne halten, bloß nicht erstarren, trauern, bitte leben wies lustig ist, offen sein aber bloß nicht permanent, Schwäche zeigen- aber sich dann auch bitte wieder zusammenreißen. Irgendwelche Regeln gibt es, aber wie bei meinem einzigen lächerlichen Zumba-Kursversuch hippel ich seitwärts vor, links herum zurück, der Choreografie hinterher, immer zwei Takte zu lansam und auch nicht gerade elegant. Ich fühle mich unfähig.

Vielleicht geht es ja aber wie beim Zumba letztendlich nur darum erstmal in Bewegung zu kommen? Irgendwann werde ich den Rhythmus schon raushaben wie ich zu leben habe, ohne euch. Sieht halt erstmal scheiße aus bis mans drauf hat.

Ich stelle die Sommerblumen in die Vase, meine Steine auf euren Steinen, mein „Ich liebe dich“ an euch. Nehme drei Blätter Immergrün mit und gehe. Ich muss mich bewegen, egal wie klumpig ich dabei im Moment noch aussehe und wie schnell ich außer Atem bin. Ich muss mich bewegen, bis ich nicht mehr über jeden Schritt nachdenken muss und mit dem Takt mitkomme.

Aber so schön wie mit euch, werde ich nie wieder tanzen.


Tags: Leben, Trauer
1

Diesen Text mochten auch

0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •  

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare