Spuren im Sand
Ich stehe an der Brandung, wünsche mir dich bei mir, wirklich bei mir. Und alles anders. Ich will dieses frische, salzige Gefühl wieder haben.
Und da ist er wieder, dieser kleine Stich, da wo das Herz sein sollte. Ich sammle die Muscheln auf, so schön silbrig schimmernd. Du siehst sie nicht. Du siehst nicht, was hinter dir liegt oder was vor dir liegt - nur so weit dein Schritt reicht. Das habe ich an dir bewundert. Diese gewisse Unbeschwertheit, Leichtigkeit. Ich habe keine Spuren im Sand gesehen weil du über den Boden schwebst. Ich habe es geliebt. Ich liebe es noch immer. Aber das Gefühl ist langsam einem anderen gewichen, das ich noch nicht greifen kann. Es liegt einem Schatten gleich auf dem Herzen und lässt es schwer werden, unendlich schwer. Es ist nicht zu greifen, wie Nebel im Morgengrauen - das Morgengrauen eines Tages, der lieber nie kommen sollte. Wie soll es jetzt weiter gehen? Da zieht ein Sturm auf, ganz weit weg und doch so nah, so spürbar. Eine Vorahnung, Wellen brechen auf mich ein, ich verschlucke mich. Salz in den brennenden Augen. Ich kann nicht aufhören zu weinen. Ja, wie soll es denn jetzt weiter gehen?
Ich weiß es nicht. Nur, dass es so nicht weiter gehen kann. Dein Blick wieder so unverständlich, mich als lächerlich darstellend, provokant. Die Schritte die ich auf dich zugehe sind nicht in meiner Schuhgröße. Würden wir das zusammen machen, wären die Spuren im Sand auf der gleichen Länge, würden die Wellen nicht über uns hereinschlagen? Ich stehe an der Brandung, wünsche mir du wärst da, wirklich bei mir. Und alles anders. Ich will dieses frische, salzige Gefühl wieder haben. Eine Brise, die ich so gebraucht habe und die mein Leben so unendlich leichter gemacht hat. Die mich dazu gebracht hat, die Schuhe auszuziehen und den Sand spüren zu wollen. Ich will wieder Barfuss laufen und es auch so meinen. Ich will, dass es weitergeht mit uns, aber nicht so. Ich will, dass ich dir nicht immer eine Schrittlänge vorraus sein muss, dich hinter mir herzerren muss. Das sind unschöne Schleifspuren im sonst so makellosen Sand, wo ich versuche dich auf den Boden der Tatsachen zu holen.
Der Sonnenuntergang, so ironisch romantisch, die Sonne hämisch grinsend. Wir konnten damit noch nie umgehen. Unbehaglichkeit, Unbeholfenheit. Wir wissen, dass das nicht unsere Welt ist. Wir wollen lachen, tanzen, barfuss gehen, was erleben. Trotzdem hälst du mich fest im Arm und sagst Dinge, die du noch niemandem zuvor gesagt hast. Wir stehen am Anfang, Abgrund, Ende - alles zugleich. Und ich will, dass es niemals aufhört, dass diese Brise mich immer daran erinnert, was das Leben wirklich ausmacht.
Ich ziehe die Schuhe aus. Wieso muss ich diesen einen Schritt wagen? Springst du mit mir?







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