Foxhole 04.03.2009, 03:27 Uhr 4 3

Sources of Energy

Die Liebe ist schon so eine Sache...

Die Liebe ist schon so eine Sache. Mal verhält sie sich zu dir wie eine Wüste, wenn man gerade vor Durst auf dem Zahnfleisch durch den Sand pflügt. Mal ertränkt sie dich geradezu in Massen von Schnulzigkeit, Harmonie, Wohlfühlen, rosa Wölkchen und Unmengen anderer gleichwertig und noch positiver Dinge. Ich denke so oder so kommt man durch sie um.

Die Liebe ist zu oft wie Wasser. Der Stoff, der dem Leben Mutter, Vater und Kindergarten war. Dessen Bestandteile überall, und ich meine überall, zu finden sind. In dessen Weg man niemals kommen sollte, da man sonst einfach von ihm hinweggespült, aufgelöst, zerrissen, zerdrückt oder ertränkt wird.
Mit der Liebe verhält es sich genauso.
Sie findet ihren Weg, egal wie sehr man jede Lücke verschließt oder wie hoch man die Dämme zieht. Zuerst sind es nur feuchte Wände, bald darauf feuchte Auslegwaren oder die Dielen sind im Eimer und ehe man sich versieht, stehen die Atlanter vor der Tür und wünschen gute Nachbarschaft.
Sobald die Tür nun offen ist und man mit dem Unterkiefer tief im Meeresboden vor den neuen Nachbar steht, wird man auch schon von den Tonnen an eintretendem Wasser quer durch die Wohnung geschossen und prallt fröhlich und leicht debil grinsend von Wand zu Sofa zu Klo, gegen das Bett, durch die Lampen in die DVD-Sammlung und zurück. Ein wenig wie beim Flippern.
Natürlich kann man sich dieser Wucht nicht wiedersetzen und so treibt man gemütlich im Schleudergang mit dem Strom. Solange, bis das Gleichgewichtsgefälle ausgeglichen worden ist und man sich sowieso keine Sorgen mehr um die Dielen machen muss.
Nun gewöhnt man sich an sein neues Umfeld. Diese unbekannte Unterwasserwelt, voller geheimer Juwelen von unbeschreiblicher Schönheit, erfüllt von Augenblicken die einem nicht erlauben zu Atmen und überall lauern Gefahren im dunklen Fremden.
Es erhebt sich nur ein Problem aus den alten Biologiebüchern der 11. Klasse. Wird sind nicht geschaffen für ein Leben unter Wasser.
Unsere Kiemen haben wir uns emsig abgestreift, um die vielversprechenden Weiten der Kontinente zu erobern. Das Wasser wollten wir hinter uns lassen, um wunderschöne, nahezu endlose Landschaften zu durchwandern, auf göttlichen Gebirgszügen das Dach der Welt zu bestaunen und uns an der Vielfalt des Lebens an sich zu laben. Wir verließen das Wasser, um uns all das zu eigen zu machen, scheitern aber an der Wüste.
Wir haben nicht die Fähigkeiten im Wasser zu überleben aber auch nicht ohne es. Der Umgang mit dem Wasser ist oft ein Spiel mit dem Feuer. Da wir ursprünglich aus dem flüssigen Gefährten stammen, wissen wir zwar instinktiv, wie man mit im umspringen kann, aber der richtige Umgang kommt mit der Erfahrung. Wenn man Babys ins Wasser legt, beginnen sie fast automatisch mit der typischen Schwimmbewegung. Dennoch müssen wir das Schwimmen später erlernen. Einige werden sogar richtig gut, dennoch ertrinkt man leider viel zu schnell.
Am Anfang ist es nur der stützenden Hand eines Elternteils zu verdanken, dass man nicht in den Fluten der Badewanne versinkt. Später brauch man nur noch den wachenden Blick eines Vertrauten, um sich einiges zuzutrauen. Hier und da schnappt man mal nach Luft und besonders, wenn kräftigere Schwimmer einen untergluckern, wünscht man sich zu den Beduinen. Früher oder später aber, näht Mutti einem ein Seepferdchen an die Badehose und man weiß insgeheim, dass man bald einige Köpfe unter Wasser verschwinden lassen wird.
Wasser frisst sich seinen Weg durch die Welt und wer schon mal einen begradigten oder künstlich angelegten Fluss gesehen hat weiß, dass es nichts schöneres gibt, als einen natürlichen Lauf, mit seinen Kurven, Abzweigungen, Stromschnellen, Fjorden und Bibern.
Es ist ein einmaliger Anblick, wenn man einen solchen Fluss zum ersten Mal sieht und seine Schlangenform bis zum Horizont erkennen kann.
Es brauchte Ewigkeiten und unmengend an Kraft, bis das Wasser sich von der Quelle bis zur Mündung durch die Erde gefressen hat und diesen Aufwand kann man in seiner Schönheit sehen.
Niemand will gerade, glatte Gewässer. Die Natur ist rau und braucht Zeit, das ist grundlegend, daran sollte man nichts ändern wollen.
So schnell und unweigerlich Wasser auftaucht und alles ins Chaos stürzt, so schnell verschwindet es wieder und hinterlässt Chaos.
Wasser verdunstet ab einer Temperatur von 100°C und ist dann Dampf, aufgelöst in seine Moleküle und unfassbar, also sozusagen weg. Man kann sich dieser Flüssigkeit auch anders entledigen. Man muss nur ungeschickt gegen ein Glas rennen und man verschüttet es über die Dielen oder man drückt den Falschen Kopf und schon entleert sich ein ganzer Stausee durch ein Dorf.
Will es weg, dann ist es bald weg.
Seinen Willen kann man dem Wasser nur dann aufzwingen, wenn es eingefroren wird und man es dann in Form schneidet, drechselt und haut. Durch jede Einwirkung dieser Art bleibt dann aber weniger Wasser von der ursprünglichen Menge zurück, der Rest verflüchtet sich aufs schnellste, denn kleinere Mengen Eis schmelzen schneller und sind schneller Weg und einer solchen Behandlung will man sowieso lieber entgehen.
An Eis kann man sich auch schwer verbrennen oder mit der Zunge kleben bleiben, also sollte man wirklich davon absehen mit dem Eis herumzuspielen, es sei den es besteht aus Milch.
Spielen kann man genug mit Wasser und in einem Wasserballon findet sich auch seltener ein Stein als in einem Schneeball.
Egal was man am Ende des Tages alles erlebt hat, man kann sich mit einem sicher sein.
Man findet immer irgendwo sein eigenes Wasserloch, da es der Welt ganz und gar nicht an Wasser mangelt.
Nur schwimmen sollte man können und sich trauen. Übung macht den Meister.

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4 Antworten

Kommentare

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    "Der Stoff, der dem Leben Mutter, Vater und Kindergarten war."

    :)

    22.07.2011, 18:08 von Erdbeerschnute
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    gefällt mir auch die passage...
    gute metaphern und vorallem guter schlußsatz!

    16.03.2010, 14:44 von KommentarTor
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    gefällt mir auch die passage...
    gute metaphern und vorallem guter schlußsatz!

    16.03.2010, 14:42 von KommentarTor
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    Warum hat eigentlich noch keiner diesen Text kommentiert? Ich finde ihn echt. Toll. Ich mag die Bilder total gerne, die man benutzt. Und das mit dem Eis ist mir erst eingefallen, als du es geschrieben hast. Wie hübsch.

    von Augenblicken die einem nicht erlauben zu Atmen

    Das muss ich mir merken. Ehrlich. Weil man es zu gut kennt. Vergisst man es. Seltsam.

    Well done!

    25.10.2009, 23:20 von Ichbin.Anna.
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