e.lo 26.01.2008, 17:09 Uhr 8 14

Sooo sehr....

Momente einer großen Liebe.

Nachts mit dir im Bett zu liegen, in deinen Armen, deine Hände streichelnd und meinen Kopf an deine Brust kuschelnd. Einfach nur daliegen, dich riechen. Und reden. Über die wichtigen und unwichtigen Dinge dieser Welt. Oder einfach gar nichts sagen und deine Nähe genießen. „wie sehr“ frage ich dich. „Soooo sehr“ sagst du und streckst deine Arme aus. „Nicht mehr?“ frage ich. „Doch“, sagst du, „von hier bis zum Mond“. „Und wieder zurück?“ frage ich. „Und wieder zurück“ sagst du.

Mit dir durch den Wald laufen, deine Hand halten, die frische, klare, kalte Luft genießen. Rote Wangen bekommen und sich schon auf die heiße Schokolade später freuen. Dich wegschupsen und loslaufen bis du mich einholst und von hinten die Arme um mich legst und mich einmal um die eigene Achse wirbelst. Laut lachend stehen bleiben, in die Augen schauen und deine Lippen auf meinen spüren. „Sooo sehr“ sagst du. Und ich lächele.

Zusammen im Auto sitzen. Die Musik aufdrehen. Ein anderes Lied suchen. Dir links am Fahrbahnrand etwas zeigen. Deine Finger kurz auf meiner Wange spüren. Endlich das richtige Lied finden und beide singen lauthals mit. So schief und krumm, dass die Ohren bluten. Vor lauter falschem Singen laut lachen müssen. Du schaust mich an und grinst. „Sooo sehr“ sage ich.

Du öffnest den Wein, ich koche. Du hilfst mir beim Zwiebeln schneiden. Küsst mir die Tränen weg und schneidest weiter. Ich rühre im Topf, gedankenverloren. Beobachte dich. Deine Finger, wie sie das Messer halten. Du drehst dich zu mir, schaust mich an. Ich gebe dir dein Glas. Wir schauen uns in die Augen und stoßen an. „Ich bin glücklich“ sagst du. „Ich liebe dich“ erwidere ich.

Ich liege auf dem Sofa. Die Tränen laufen mir über das Gesicht und weiter, den Hals entlang. Du legst dich zu mir. Sagst gar nichts. Nimmst mich in den Arm, streichst über meine Haare. Küsst mich hinter mein linkes Ohr. Schaust mir in die Augen. Da ist so viel Liebe, Kraft, Verständnis in deinem Blick. Ich lege meinen Kopf auf deinen Bauch, atme tief durch, du kraulst mir den Nacken. Weil du weißt, dass mich nichts mehr beruhigt als meinen Kopf auf deinen Bauch zu legen.

Du liegst da, ziehst mich zu dir. Wir halten uns ganz fest. „Vergiss diesen Moment nicht“ sagst du. „Wenn man es laut sagt, dass man es nicht vergessen soll, dann vergisst man es auch nicht“ sagst du. Und drückst mich noch etwas fester. „Für immer“ sage ich. Als Antwort küsst du meine Stirn.

Karten liegen vor uns auf dem Tisch. Der Kamin ist an. Draußen schneit es. Morgen gehen wir Skifahren. Ich hab schlechte Karten auf der Hand. Du freust dich wie ein kleines Kind, weil du gewinnst. Wer verliert muss eine Aufgabe erfüllen. Du schickst mich mit nackten Füßen in den Schnee. „Es ist so kalt“ sage ich und verziehe mein Gesicht. Du kommst hinter mir her, mit nackten Füßen, und trägst mich wieder rein. Wir müssen leise sein, oben wohnen andere Menschen. Wir fallen fast und müssen laut lachen. „Psst“ sagst du und schiebst mich in die Wohnung. Vor lauter lachen liegen wir am Boden, zwischen Küche und Wohnzimmer. Ich zeichne mit dem Finger die Konturen deines Gesichtes nach. „Du bist wunderschön“ sage ich.

Wir liegen in der Badewanne. Bauen Schaumburgen und denken uns Geschichten dazu aus. Ein Prinz, eine Prinzessin. Du und ich. Wir lachen über unsere Albernheiten und schlagen die Schaumburg kaputt. Ich küsse dich und du hältst mich fest. Ich hebe meinen Kopf, schaue dich an. „Sooo sehr“ flüstere ich.

Der Film ist vorbei. Ich gehe in die Küche und hole was zu trinken. Bevor ich mich wieder zu dir aufs Sofa setzen kann, stehst du auf, nimmst meine Hand und tanzt mit mir. Im Wohnzimmer. Ohne Musik. „Kannst du sie hören?“ fragst du mich. „Ich kann sie spüren!“ sage ich. Und wir tanzen weiter. Im gleichen Takt. „Es ist so, so, unbeschreiblich…so….mir fehlen die Worte…. Es ist so….“ ich unterbreche dich und sage „es ist Liebe!“

Nachts, auf dem Hügel über der Stadt. Es ist so ruhig, keine Menschenseele in der Nähe. Unter uns die Lichter meiner Stadt, über uns die Sterne. Du gibst mir eine Flasche Bier und wir legen uns ins Gras. „Siehst du den?“ fragst du mich. „ja, das ist der schönste von allen“ sage ich. „Den schenk ich dir“ sagst du. Ich richte mich auf, nehme noch ein Schluck Bier, setze mich auf dich und schaue dich an. „Danke“ sage ich. Du lachst und sagst „es ist doch nur ein Stern“. „Danke, dass es dich für mich gibt“, sage ich.

Erschöpft liegen wir nebeneinander. Es ist warm, es ist schon späte Nacht. Nackt setzen wir uns auf den Balkon, teilen uns eine Zigarette. Wir sitzen uns gegenüber, meine Füße auf deinen Knien. Du schaust in den Himmel, suchst „meinen“ Stern. „Sooo sehr“ sagen wir beide.

Abends auf der Party. Fremde Stadt, fremde Menschen. Ich tanze und tanze und tanze. Du stehst da und schaust mir zu. Mir ist warm, ich komme zu dir, muss was trinken. „Du siehst toll aus“ sagst du. Ich gehe weiter tanzen. Du stehst da und schaust mich nur an. Dann kommst du zu mir uns sagst „ich liebe dich!“ und wendest den Blick nicht von mir ab. Minutenlang stehen wir da, mitten auf der Tanzfläche und wünschen uns, dass die Welt genau jetzt stehen bleibt.

Glücklich und müde liegen wir da. Meine Augen füllen sich mit Tränen. „Es tut fast weh“ sage ich. Du nimmst meine Hände, legst sie auf deine nackte Brust und sagst „es tut nicht weh. So fühlt sich echtes Glück an.“ Einen Moment liegen wir noch so da und müssen dann beide lachen, vor lauter Kitsch. Wir kuscheln uns aneinander und kurz bevor du einschläfst sagst du „sooo sehr“. „Und noch mehr“ sage ich.

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Das alles haben wir aufgegeben. Das alles war unser erstes Jahr. In den drei Jahren danach haben wir das alles verloren. Nichts davon ist geblieben, im Gegenteil. Aber ich danke dir. Ich danke dir, dass ich all das erleben durfte. Ich danke dir, dass du mich das hast fühlen lassen. Ich danke dir, dass ich jetzt weiß, wie sich echte Liebe anfühlt. Ich danke dir, dass ich dich lieben durfte und du mich geliebt hast. Und jetzt wünsche ich dir, trotz allem, dass du glücklich wirst. Ich wünsche es dir von Herzen. So sehr…

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8 Antworten

Kommentare

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    Ja, ein Text, der einen reinzieht, und eigentlich kitschig ist, aber doch genau das, was wir uns alle selbst wünschen.

    13.02.2009, 15:13 von Tanea
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    wunderschön, jane austen und rosamunde pilcher, reduziert auf die positiven elemente, aaah. ich bin verliebt =)

    04.03.2008, 17:34 von BlondBlauBloed
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    wunderschön. mir kribbelt es im Bauch.

    03.03.2008, 11:43 von Tamou_Aduke
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    wunderschön...
    danke fürs pipi in den augen!

    15.02.2008, 16:32 von Debbie
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  • 0

    Wunderschön...Schön und traurig...soo sehr...

    15.02.2008, 15:09 von crazydevil
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    Mir stehen zwar nicht die Tränen in den Augen, aber ich hab's dennoch gerne gelesen.

    26.01.2008, 20:00 von Songline
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    oooh...mir stehen die tränen in den augen...wie schön, und wie traurig, dass es nicht so bleiben konnte...aber auch wieder schön, dass du trotzdem dankbar bist für das, was du erleben durftest...

    26.01.2008, 19:38 von arc-en-ciel
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