Pamina 31.07.2006, 23:43 Uhr 8 7

Sonnenfeld

Ich unterbreche meinen Weg entlang der schmalen Straße, die aus den Häusern herausführt, hebe meinen Blick und sehe dich vor mir.

Deine Schönheit macht mich schwindeln, nur kurz, dann habe ich dich erkannt. Meine Verwunderung überrascht mich, denn ich komme beinahe täglich an diesem Feld vorbei und hätte mir denken können, dich hier zu finden.

Ausgestreckt im Staub liegst du da, unschuldig und schamlos, denn wofür solltest du dich schämen? Die Sonne steht steil über uns und lässt die goldenen Halme im braunen Boden flirren wie feinen blonden Flaum auf deinem Arm. Die vor Jahr und Tag gepflügten Furchen folgen der Linie deines Nackens und in der Ferne wartet der schattige Rand des Waldes wie der Saum meines Kleides, das uns verhüllt und wärmt, wenn die Sonne am Ende doch untergeht.

Nur diesen flüchtigen Moment wirst du innehalten, hast die Ernte eingefahren und ruhst dich aus, still, bevor der Kreislauf von neuem beginnt und du die Wintersaat ausbringst. In diesen Tagen gehörst du mir, die ich weiß, dass du es bist und niemand sonst. Schon oft habe ich dich verpasst, war unterwegs oder in Gedanken und auch du bist manchmal hier und oft dort, doch jetzt bin ich bereit und koste die Zeit aus, die nur uns bestimmt ist.

Mutter Erde, sagen die einen, es sei die weibliche Natur, die alles hervorbringt, was wir das Leben nennen. Aber ich weiß, dass es anders ist, kenne den Sämann, den Grund, den Fels und den Strom. Ich warte am Rand des Feldes, staune, sehne mich und bin so glücklich, dass mir der Atem stockt. Und dann gebe ich meinem Pferd die Zügel frei, jage über deine Haut, folge dem alten Weg, setze kühn über den Bach und beschreibe einen großen Bogen, bis ich wieder ankomme, bei dir, bei mir, um davon zu zehren, wenn du wieder fort bist.

MK 2006

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8 Antworten

Kommentare

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    Wow, Gänsehaut. Toll!

    20.11.2006, 09:25 von Alexis-Neo
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    allerdings, wunderbar, wie du mit worten bilder malst.
    ich bin beeindruckt.

    30.10.2006, 14:18 von salzstange.
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    ich werde den wundervollen eindruck den dieser text bei mir hinterlässt nicht mit irgendwelchen banalen worten zerstören.

    04.08.2006, 01:06 von Bennokatze
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    Herrlich verwildert und kühn den Moment der Zuneigung zum Selbst, zur Erde beschrieben...........
    Danke für die Empfehlung zu diesem prallen Text!

    02.08.2006, 10:59 von nannuk
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    Für diesen Text schreibe ich dir etwas...
    Danke.
    zz.

    02.08.2006, 00:03 von zzebra
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    Ich kann es förmlich riechen, dieses Gefühl von Freiheit!

    Schöne Bilder, die du da zauberst, Respekt!!!

    01.08.2006, 00:06 von Kiyan
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