Sie könnte ihm verzeihen
Fantasie gibt uns die Chance manchmal etwas schöner werden zu lassen.
Sie hatte Schmerzen. Starke Schmerzen. Sie taste vorsichtig die Stelle an ihrer Wange ab, zuckte zusammen als sie etwas fester drückte und seufzte. Das hatte er toll gemacht. Wirklich toll. Sie würde ihn ordentlich etwas hören lassen wenn er zuhause war. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass sie noch knapp 30 Minuten haben würde um sich schon mal etwas auszudenken. Zuerst brauchte sie allerdings etwas Neues zum kühlen ihres Gesichts. Auf dem Weg in die Küche schaltete sie das Licht an da es mittlerweile ziemlich dunkel geworden war. Schnell hatte sie sich ein neues Kühlpack aus dem Kühlschrank geangelt, es in ein neues Tuch gewickelt und es vorsichtig an ihre Wange gehalten. Leicht überrascht nahm sie das Geräusch der sich öffnenden Tür wahr und stand Sekunden später im Flur. Strafend lag ihr Blick auf ihm, sein Blick hingegen sah überrascht aus. „guck dir an was du getan hast!“ Sie nahm das Kühlpack vom Gesicht und präsentierte ihm sein Werk. Ihre linke Gesichtshälfte war angeschwollen und färbte sich bereits langsam blau. Seine Augen wurden immer größer, verstanden hatte er es scheinbar noch nicht. Ihre Hand Griff nach dem Puck auf der Kommode neben ihr und schneller als er reagieren konnte war sie ihm die Hartgummischeibe entgegen. Zu seinem Glück hatte die Scheibe ihn nicht getroffen, sondern fiel vor seinen Füßen auf den Laminatboden. Immer noch war sein Blick irritiert. „Zweites Drittel. Höhe der blauen Linie. Und jetzt rate, welches Gesicht der Puck getroffen hat.“ Sie hob das Kühlpack wieder an ihre Wange. Würde der Schmerz nicht bald nachlassen würde sie doch Schmerzmittel nehmen müssen. Auf seinem Gesicht machte sich langsam die Erkenntnis breit. Sie rollte mit den Augen, stieß einen Seufzer aus und ging zurück ins Wohnzimmer. Manchmal war er doch wirklich zu blöd.
Sie hörte seine schnellen Schritte hinter sich, ließ sich aber unbeeindruckt auf die Couch sinken. „Es tut mir leid, das wollte ich nicht!“ Er hörte sich verzweifelt an. Natürlich wusste sie dass es nicht seine Absicht war. Er konnte letztendlich auch nichts dafür, dennoch machte es ihr Spaß ihn ein wenig zu quälen. Man konnte auch nie wissen was er alles tun würde damit sie ihn nicht hasste. „Blabla. natürlich nicht.“ Sie rollte wieder mit den Augen und wandt ihr Gesicht von ihm ab. Ja, ein wenig würde sie ihn noch zappeln lassen. „Oh, bitte bitte rede mit mir. Das war wirklich nicht meine Absicht!“ Langsam drehte sie ihren Kopf zu ihm. Er hatte sich neben sie auf die Couch fallen lassen und sah sie mit einem traurigen und schuldbewussten Blick an. „Es tut weh und was soll ich den Leuten sagen? ‘Oh, mein Freund hat mir einen Puck ins Gesicht geschossen.’ Vielleicht denken Sie du hättest mich geschlagen!“ Natürlich würde das niemand denken. Sie würden ihr die Wahrheit abkaufen und sie eine gewisse Zeit damit aufziehen. Aber das musste er ja nicht wissen. „Es tut mir soo leid..“ Sein schuldbewusster Blick tat ihr weh. Er machte sich wirklich Gedanken darum und sie zog ihn damit auf.
Seine Hand legte sich vorsichtig auf ihre und zog so das Kühlpack von ihrer Wange. Er lehnte sich etwas vor und betrachtete die Stelle. Vorsichtig ließ er seine Finger darüber gleiten, seine Berührung brannte wie Feuer, und sie verzog das Gesicht vor Schmerzen.
„tut mir leid!“ nuschelte er drückte ihr einen Kuss auf die Lippen. „Aua..“ Sie sah ihn an und fühlte sich wie ein kleines Kind das sich das Knie aufgeschlagen hatte und nun Mitleid von seiner Mutter wollte.
Er zog sie in seine Arme, drückte sie an sich und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn. „Was kann ich tun damit du den schmerz vergisst?“ Er sah sie an, in seinem Blick konnte sie genau erkennen dass er schon wusste auf was es hinaus laufen würde. Kurz überlegte sie. Sie konnte es erst noch ausnutzen das er ein schlechtes Gewissen hatte. „Als erstes könntest du abwaschen.“ Ein Lachen kam über seine Lippen, auch sie musste grinsen. „Und dann..“ sie blickte ihm direkt in die Augen, fixierte ihn mit ihrem Blick. Sie griff nach seinem Shirtkragen, zog ihn an diesem zu sich runter und verwickelte ihn in einen leidenschaftlichen Küssen, immer darauf bedachte ihre linke Gesichtshälfte zu schonen.
Als er sich aus dem Kuss gelöst hatte, blickte er sie auffordernd an "Was würdest du sagen, wenn ich morgen abwasche? Das hier ist viel schöner.“ Er wartete ihre Antwort nicht ab, stand auf und hielt ihr fordernd seine Hand entgegen. Als sie keine Anstalten machte seine Hand zu ergreifen nahm er sie kurzer Hand auf die Arme. Sie lachte, schlang ihre Arme um seinen Hals und ließ sich von ihm ins Schlafzimmer tragen. Heute Nacht würde seine Liebe besser wirken als jedes Schmerzmittel.



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