Insomnia291986 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 1

Siamesische Kleblinge

Gestern, sowie heute habe ich akzeptiert. Freund Wahnsinn kommt auch nur noch sporadisch mal vorbei....

Es ist nun eine Woche her, das wir uns das letzte Mal sahen. 

Eine Woche, seit dem Ende der stillen 17 Tage vor denen wir uns das letzte Mal fühlten. 

Als es begann, warst du skeptisch, meintest, alles würde anders sein, ginge man einen Schritt zu weit und im Sprung überwand ich deinen Zweifel und zog dich mit in eine Liebschaft, die du nicht fühltest und aus einer Realität, die ich nicht sehen wollte.

Es ging uns dabei nicht ums miteinander schlafen, beieinander zu liegen reichte vollkommen aus. Du flohst vor den Schatten deiner Vergangenheit in mein Exil. Und mit jeder Nacht, die du wieder kamst, um zu bleiben, verschmolzen wir, begünstigt durch die Wärme der Sommernächte, zu siamesischen Kleblingen, die einander soviel Schutz boten, wie jeweils der andere suchte. 

Wir schliefen nicht, denn das hattest du dir abgewöhnt, wir "dachten" und passten auf, dass jeder in Frieden seinen Gedanken folgen konnte.
Einen Moment lang, vielleicht auch ein paar Wochen, war ich dem Glück zum Greifen nahe und während ich versuchte, das Band enger zu schnüren. die Maschen dabei feiner, stabiler wob, übersah ich, wie du sie am anderen Ende begannst aufzudrieseln. Bis nichts mehr blieb als mein Wunsch nach Verbindung und lose Fäden in der Stille des luftleeren Raumes.

Du hattest dich und meine Hoffnung einfach aufgelöst. Hattest uns heimlich und über Nacht chirurgisch entzweit und hinterließt neben endloser Sehnsucht, die als reißender Fluss in den Tiefen der Verzweiflung mündete, keinen Abschiedsbrief. Kein Weil folgte auf tausende stille Warum's, kein Hier auf suchend in die Welt entsandte Wo's. Die einzige, die auf meiner Welle zurück zu funken vermochte war die Stille. Sie kündigte ihren guten alten Freund an und irre kichernd folgte er auf dem Fuße, der Wahnsinn. Er jagte mich durch alle Höhen und Tiefen meines Bewusstseins. Flüsterte mir dann und wann ein Ungenügend ins Ohr, hob mich auf und schmetterte mich zu Boden, nur um mir mit hoffnungsfrohen Glitzern im Blick wieder aufzuhelfen, ehe er mir erneut ein Bein stellte. 
In jeder Minute, in der er sich bettete sich auszuruhen,schickte ich leise Hilferufe an dich, doch es vergingen Tage, gar Wochen. 
-Bis du mich erhörtest, als keine Rufe mehr kamen.
Zu diesem Zeitpunt hatte ich den lästigen Gesellen bereits selbst der Tür verwiesen.
Und plötzlich warst du wieder da, breitetest deine Argumente vor mir aus, deren Halbherzigkeit durch dünne Fäden schimmerte und nach kurzer Zeit machtest du dich wieder auf, mir Ade zu sagen. 
Zum Abschied reichtest du mir die Hand, als wärst du nie mehr gewesen als ein Besucher, ein ferner Bekannter und als ich dir versicherte, dass dein Platz im Exil frei bliebe, nicktest du und wir wussten beide, er würde für immer ungenutzt bleiben. 

Gestern, sowie heute habe ich akzeptiert. 
Freund Wahnsinn kommt auch nur noch sporadisch mal vorbei, steht meist nur in der Tür und stellt mir dann und wann in alter Tradition ein Bein, aber ich habe dazu gelernt und taumele zumeist lediglich ein wenig.
Doch wenn die Stille der Nacht meine Gedanken mit Dunkelheit überzieht, dann lausche ich hinaus, dann hoffe ich für einen kleinen Moment, deine Rückkehr zu erspüren, aber die Nacht schweigt eisern, gibt dich nicht heraus und ich wundere mich, ob auch du dieses Sehnen kennst, versuchst einen Weg zurück zu finden und wie es sein kann, dass du mich immer noch fest in deinem Griff hälst, wo du mich doch hast längst fallen lassen.


Tags: Trennung Einsamkeit, trennungsschmerz, einsam, Abschied nehmen, Funkstille, Verwirrte Gedanken, Suchen, Fragen, Wahnsinn, Exil, Vermissen
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