tErrEMoto-Queen 30.11.-0001, 00:00 Uhr 3 4

Selbsthilfe

Es will und will nicht enden? Da hilft nur eins: Alle Gedanken raus lassen.

Ach was ist das, seit über einem Jahr jetzt schon, dieses Stechen im Herzen, die Leere und gleichzeitig dieses Gefühl, etwas ist zum zerreißen gespannt - das Tau: An einem Ende die Sehnsucht nach etwas, das einem der andere nicht geben will, vielleicht gar nicht geben kann, am anderen Ende der Stolz, der sagt: lass es bleiben, mach dich stark und stehe über der Offenbarung deiner Gefühle. Aber im Licht der Nacht leuchten seine Sommersprossen umso stärker, spürst du wieder seinen Kopf an deiner Schulter, tritt der Duft seines Nackens in deine Nase und es ist wie in dem Sommer, als er wirklich neben dir lag und du wach bliebst die ganze Nacht, die Luft anhaltend, um zu lauschen, eure Herzen schlagen im selben Takt, ungläubig, ob dies nicht doch ein Traum ist und allzu naiv hoffend, dass die Umarmung für immer währt. Für immer, denn du wusstest, es ist wie bei einem Puzzle: Jedes Teil hat nur einen Gegenpart, es passt halt einfach, in jeder Hinsicht, dachtest du. Doch wenn du jetzt deine Augen öffnest, bist du allein. Mit Tränen in den Augen blickst du zurück auf die unbefangene Zeit mit diesem Knistern in der Luft, als das Unmögliche noch möglich war und du dachtest: Was wäre? Was könnte? Was sollte?
Alles! Doch am Ende nichts als der Selbstvorwurf und die Gewissheit, die Chance deines Lebens vertan zu haben, auch wenn du weißt, dass es trotz deiner Bemühungen auch an ihm gewesen wäre, Schritte zu tun oder zumindest Zeichen zu geben.
Nichts dergleichen und du ärgerst dich immer wieder, weil er sich nicht meldet, weil ihr noch nicht einmal die Freundschaft aufrechterhalten könnt. Schuld ist die Entfernung, sie war es von Anfang an. Aber am meisten ärgerst du dich über dich selbst, weil dir der Anblick seines Fotos immer noch Herzklopfen beschert und du dich einfach nicht trennen kannst von dem Gedanken: Es hätte, es sollte.
Kann man denn jemanden so missverstehen, seine Zeichen so falsch deuten und gleichzeitig sich selbst so sehr in diesem jemand wieder finden, dass man sich in ihm verliert?
Du verstehst nicht, was in ihm vor sich geht, vielleicht tut er das selber nicht, wer weiß schon was er will. Unabhängigkeit heißt die Losung, doch wovon? Von einem Partner, der Gegenpol und Selbstbild zugleich sein könnte, der Geborgenheit gibt, Bestätigung, das Gefühl, echt zu sein, die Gewissheit, jemand ist da, wenn ich nach Hause komme? Unabhängigkeit von der Verantwortung, von der Umarmung zur Begrüßung, dem Kuss zum Abschied? Fragen über Fragen, doch die Suche nach Antworten ist hoffnungslos. So stark seine Anziehungskraft auf dich gewirkt hat, so weit hat sie dich aus seiner Bahn geworfen. Ohne ist nicht möglich und mit geht nicht mehr. Es kann eben nie einfach sein, dabei ist es doch das, wonach man sich sehnt. So wird die überdehnte Geduld, das ständige Vergeben ohne Entschuldigung zu Frustration, doch mit jedem seiner Fehler liebst du ihn mehr, und die einzige Frage, die du dir immer wieder stellst: Warum? Beziehungsweise: Warum nicht? Es sprach doch alles dafür, du hättest doch alles getan, jede Bürde auf dich genommen, um bei ihm zu sein. Jetzt kannst du dich nur noch an dem festhalten, was er im Buschfunk preis gibt und ihm andere Mädchen auf die Pinnwand schreiben. Da! Wieder dieses Stechen im Herzen und die Frage: Was hab’ ich falsch gemacht? Rauf und runter hörst du seine Lieder, die dir aus der Seele sprechen. Die Erinnerung ist so präsent wie die morgendliche Dusche, täglich gehst du an einem parkenden Auto in deiner Straße vorüber, das gleiche Modell wie seines, und wider allem Wissen schaust du hoffnungsvoll auf das Nummernschild, jeden Tag die gleiche Enttäuschung, selbst das Blumen gießen -
Omi sagt: Wenn nicht er, dann halt wer anders. Nein, so geht das nicht, so jemanden gibt es nur ein Mal auf der Welt. Du willst nicht los lassen, wenn du los lässt, verlierst du ihn. Deine Ablenkungsversuche enden volltrunken in one night stands - Nein, dann doch lieber zuhause sitzen und warten, die Zeit heilt schließlich alle Wunder. Nur dieses nicht.

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    "Kann man denn jemanden so missverstehen, seine Zeichen so falsch deuten und gleichzeitig sich selbst so sehr in diesem jemand wieder finden, dass man sich in ihm verliert?"

    -super geschrieben, kenne ich leider zu gut.. 

    15.04.2013, 20:37 von ginicg
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    Es heißt "Die Zeit heilt alle WundeN!" Und nicht Wunder. Würde ja auch keinen Sinn ergeben, ne?


    RockDieMoehre:
    Sehe ich anders. Warum muss eine Fernbeziehung schwieriger sein als eine Beziehung ohne Distanz? Auch wenn man im selben Haus wohnt, muss/kann/darf man eine viel investieren. Wenn sich zwei Menschen in einer Fernbeziehung sicher sind, dass sie sich gegenseitig so sehr lieben, dass sie auch die Entfernung überwinden können, dann ist es doch die relaxtere Form der Beziehung. Man kann tun und lassen was man möchte ohne Rücksicht nehmen zu müssen, ob der Partner gerade die gleichen Launen verspürt. Man kann zu Hause rumgammeln wie man möchte, da man nicht gesehen wird. Man kann den Abwasch eine Woche stehen lassen, da sich niemand daran stört. Man kann mit Freunden unterwegs sein, ohne dass man Rechenschaft ablegen muss. Man kann selbst entscheiden, wieviele Stunden man pro Tag arbeitet, ohne dass sich jemand ignoriert fühlt. Man kann seinen Interessen und Hobbys nachgehen und dem Partner stets sich selbst im besten Licht präsentieren. Dann kommt die Vorfreude und das Wiedersehen. Ein Wochenende hemmungslosen Sex und alle tollen Dinge die man gemeinsam machen möchte, weil die Zeit so knapp ist. Diese Dinge gehen zum Teil im Alltagstrott der "Mitbewohner" unter.

    Mh, ziemlich überspitzt und sicher nicht immer zutreffend, aber es ist genauso auch Quatsch zu behaupten, dass eine Fernbeziehung immer anstrengender ist. Kommt ja auch immer darauf an, was man selbst daraus macht.

    30.12.2010, 10:15 von nyx_nyx
    • 0

      @nyx_nyx Zum Wunder: http://www.youtube.com/watch?v=V3wqE8PVcSA

      Ich hatte gehofft, der Text wäre selbsterklärend. Ist übrigens nicht das einzige Musikzitat. ;-)

      Hm, ich finde beide Positionen vorteilhaft, daher wäre für mich die ideale Beziehung wohl, wenn beide Partner in der gleichen Stadt wohnen, aber getrennte Wohnungen haben. So hat man gewisse Freiheiten, aber trotzdem die Möglichkeit, sich zu sehen, wann man möchte.

      30.12.2010, 19:09 von tErrEMoto-Queen
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      @tErrEMoto-Queen aber trotzdem ist es meiner meinung nach eine form der beziehung die auf lange sicht schlechtere chancen hat. was fehlt, ist nämlich gerade auch mal der alltagstrott. man lernt gar nicht, mit dem anderen zusammen zu leben, auch mal total angenervt zu sein voneinander und sich dann wieder anzunähern. weil jedes zusammentreffen immer was besonderes ist, eine andere welt, aber das eigene leben sich größtenteils ohne den anderen abspielt. eine fernbeziehung kann doch nur funktionieren, wenn zumindest die hoffnung besteht, dass man irgendwann zusammen an einem ort sein wird. aber vielleicht merkt man dann ja doch, dass das einzige was einen so angezogen hat eben das abenteuer war, das man aller paar wochen mal hatte. es ist schwer, den anderen richtig kennen zu lernen, wenn man ihn nur selten vor sich hat. zu sehen, wie er sich im alltag verhält. auf dauer ist ne fernbeziehung auf jeden fall schwieriger denke ich. entweder man hat die ganze zeit sehnsucht oder man gewöhnt sich dran, dass der andere eben nicht da ist.

      31.12.2010, 16:08 von RockDieMoehre
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      @RockDieMoehre außerdem ist es schwieriger, über konflikte zu reden. man will natürlich die wenige zeit die man zusammen hat nicht verderben, andererseits kann sich einer immer sehr einfach konflikten entziehen, wenn man sich nicht sieht. also das hat zumindest mir den nacken gebrochen. man ist sich immer ein bisschen fremd.

      31.12.2010, 16:16 von RockDieMoehre
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  • 0

    er hat sich getrennt oder? also war bei mir ähnlich. ich hatte eine fernbeziehung nach rotterdam. was man realisieren muss, ist: wer sich auf eine fernbeziehung einlässt, weiß, dass es sehr viel schwerer wird als normale beziehungen. man weiß, dass man vieles vieles vieles investieren muss, um teil haben zu lassen am eigenen leben. ABER beide müssen mitarbeiten, sonst funktioniert es nicht. versuch dir einfach immer wieder zu sagen, dass wenn jemand nicht mehr um dich kämpfen will dich nicht verdient hat. versuch dich nur auf dich zu konzentrieren. du kannst nichts mehr ändern, du darfst dich auch erinnern und irgendwann wirst du so viel distanz zu der beziehung haben im kopf dass du viel objektiver beurteilen kannst und dir vielleicht auch viele dinge auffallen werden die dir nicht gepasst haben. ich weiß dass man dazu neigt, den partner zu dem man überhaupt keinen kontakt mehr hat zu idealisieren, aber es GIBT andere, die um dich kämpfen werden :)!

    30.12.2010, 01:17 von RockDieMoehre
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      @RockDieMoehre Danke für den lieben Kommentar. Nein, wir waren nie zusammen und das Ganze ist jetzt auch schon 2,5 Jahre her. Es ist abgehakt, aber ab und zu erwische ich mich doch dabei, dass ich an ihn denke und mich frage, was er wohl gerade macht. Aber das ist ja normal, vor allem, wenn derjenige einem so wichtig war.

      30.12.2010, 19:02 von tErrEMoto-Queen
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