Blogwolke 18.12.2014, 22:18 Uhr 5 0

Seifenblase

Ich lebe in einer Blase. Sie ist mein Käfig, mein Zuhause, mein Albtraum und Wunschtraum, sie nährt mich mit Angst und schützt mich zugleich vor ihr.

Ich lebe in einer Blase. Keine leichte, wie sie aus Seifenwasser von fröhlichen Kindern gemacht wird. Viel schwerer. Doch ihr äußerer Glanz wird davon nicht beeinflusst. 

In ihr bin ich umhüllt, es fühlt sich an wie Watte. Kuschelig und weich, doch kann ich in ihr nichts hören, nur meine Gedanken. Oft fühle ich mich in ihr gefangen, doch weiß ich, dass sie mich auch beschützt. 

In meiner Blase leben viele Menschen, die ich einst liebte oder mich zumindest berührten. Ich frage mich oft, ob ich sie auch berührte, also innerlich, denn äußerlich war ja nicht schwer. 

Viele dieser Menschen begegne ich außerhalb meiner Blase nicht mehr. Entweder wohnen sie weit weg, sind tot oder haben mich vergessen. Aber ich sie nicht. 

Denn Vergessen ist schwer in meiner Blase. Ich baue auf Erinnerungen, schaffe neue, die ich nicht zu schätzen weiß. Denn ich will Altbekanntes nicht verlieren. 

Jemanden nicht verlieren, etwas nicht verlieren, vor allem mich nicht verlieren. 

Denn Verlust ist schmerzhaft. Also halte ich an den Menschen fest. An jene, die mich schon längst vergessen haben, zu deren Blase ich schon lange nicht mehr gehöre.
An Menschen, zu denen ich heute gar nicht mehr passen würde. Aber das ist mir in meiner Blase egal, denn so bin ich hier nicht alleine. 

Sie ist mein Käfig, mein Zuhause, mein Albtraum und Wunschtraum, sie nährt mich mit Angst und schützt mich zugleich vor ihr.

Ihr vertrauter Glanz blendet mich, oft kann ich nicht mehr hinausschauen. Sehen was draußen geschieht. Doch meine Blase wird rissig und ich kann sehen, dass die Blasen der anderen es auch sind. Oft sind sie auch schon geplatzt. 

Ich frage mich immer, wieso. Wie es für sie war. Erlösend vielleicht.

Mit jeder geplatzten Blase verliere ich einen Menschen in meiner. Mit jeder Erkenntnis, dass ich in den anderen Blasen nicht mehr existiere, kommt ein neuer Riss hinzu. Was passieren wird, wenn meine Blase platzt, bleibt ungewiss.

Vielleicht so etwas wie ein neuer Glanz, einer der einen nicht blendet, sondern einen umgibt, den man in sich aufnimmt. Dann ist man frei. Hat Platz für neue Erinnerungen, für neue Menschen. Für welche, die mit Seifenwasser spielen. 


Tags: Einsamkeit, Hoffnung, Gefühle, Verlust
5 Antworten

Kommentare

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    ...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...(Hesse) nachdem die Blase geplatzt ist.

    18.12.2014, 23:48 von Rico_Stg
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      du nu wieder ;-)

      18.12.2014, 23:48 von Rico_Stg
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    • 1

      immerhin fängste nicht an über Einhörner zu schwadronieren. Seifenblasen (ging es darum?) sind unverfänglicher :-)

      19.12.2014, 00:01 von Rico_Stg

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