sheenamy 19.09.2012, 09:05 Uhr 19 27

Scrabble

Heute spielen wir, damit wir die Stille zwischen uns irgendwie mit Worten füllen können und trotzdem dröhnt sie mir unendlich laut in den Ohren.

Weil wir uns eigentlich nichts mehr zu sagen haben, uns aber ohne Worte nicht anschweigen können, sitzen wir hier, während der Regen sanft an unsere Fenster trommelt und starren auf cremefarbene Steine vor dunkelgrünem Hintergrund. Für einen kurzen Moment sehe ich keine Buchstaben mehr, nur schwarze Linien, die in ihren Hintergrund eingeprägt sind und sich fast schmerzhaft genau von ihm abgrenzen. Dann höre ich das Klackern von Plastiksteinen auf beschichteter Pappe und langsam beginnen die Striche wieder Sinn zu ergeben.

Sechs gleichförmige Kästchen ziehen sich über die sonst noch so leere Pappe. Sechs von sieben, denke ich und fange schon mal an die kleinen Ziffer zu addieren. Erst als ich verdoppelt will, fällt mir auf, dass ich noch nicht mal weiß, welches Wort du eigentlich gelegt hast. Jetzt geht es mir also auch schon bei Spielen so, dass ich das Entscheidende übersehe.

Hoffen hast du gelegt. Ich nicke leicht, und weiß nicht mal warum, denn meine Zustimmung brauchst du ja eigentlich nicht. Hoffen ist ein schöner Anfang, finde ich. Ein schönes Wort.

Ich starre auf meine Buchstaben, dann wieder auf das Spielbrett, auf dem sich bunte Kästchen dicht an dicht drängen, und die man doch nie erreicht, wenn man sie mal bräuchte. Mein Blick springt zwischen deinem Wort und meinen Buchstaben hin und her und deiner liegt ungeduldig auf mir. Bestimmt hast du schon wieder ein neues Wort, und hoffst, dass ich dir das nicht verbaue. Aber so schnell bin ich nun mal nicht... und ich habe auch nicht alles geplant. Ich will nicht weiter denken, dein Blick drängt zur Eile und ich lege einfach nicht. Es bringt nicht so viele Punkte wie deines, aber das hole ich schon noch auf, denke ich, während der Stift über das Blatt Papier kratzt und ich mir neue Buchstaben nehme.

Früher hätte ich den Stift wohl nicht kratzen hören, denn früher wäre das Spiel nur Nebensache gewesen und unser Lachen hätte übertönt, wie du akribisch die Punkte notierst. Heute aber spielen wir, damit wir die Stille zwischen uns, doch noch irgendwie mit Worten füllen können und trotzdem dröhnt sie mir unendlich laut in den Ohren.

Du hast gelegt und ein Wort gibt das andere, während wir uns anschweigen und stattdessen das Spielbrett mit Wörtern füllen.

Es herrscht ein Punktekrieg, den wir beide nicht kämpfen und doch zu gewinnen suchen. Langsam neigt sich das Spiel dem Ende zu, und ich muss daran denken, wie ich dir früher mit Verzweiflung und Humor die skurrilsten Wortkreationen vorgeschlagen haben, die du manchmal sogar breit grinsend akzeptiert hast.

Heute aber bin ich weit davon entfernt dir Wörter wie Jungstyp, Caféhecht oder Audiozeitmesser vorzuschlagen, weil von dem Grinsen nichts übrig geblieben ist und mich nur ein tadelnder Blick getroffen hätte.

Du legst und hinterlässt die dunkelgrüne Leiste vor dir leer und weil das kleine, grüne Säcken ebenso verwaist ist, bleiben mir nur noch fünf Buchstaben um das Spiel zu beenden. Leichter gesagt als getan, denn hämisch grinsen mir drei Selbstlaute und ein V entgegen. Mal wieder fliegt mein Blick zwischen dem Spielbrett und meinen Buchstaben hin und her, bis ich es plötzlich sehe. Langsam finden meine Buchstaben ihren Platz auf dem großen Feld.

Vorbei. Dreifacher Wortwert.

Und noch ohne auf deine wohl notierten Punktereihen zu schielen, weiß ich es.

Ich habe gewonnen!

Und doch haben wir beide verloren...

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19 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Als ich den Text auf der Startseite dachte ich, man man man, der muss gut werden...man wird nicht enttäuscht.. ich find ihn echt gut...

    Als kleiner Tipp...gut wäre, die Zahlen wirklich mit reinzunehmen um den "Zahlenkrieg" mehr zu unterstreichen, wenn du Farbe und Zeit benutzt, sie auch über den ganzen Text zu benutzen - auch wäre es formal spannender in der "Er/Sie-Perspektive" zu schreiben, also in der 3. statt in der ersten Person der Protagonistin...aber das alles sind, na ja, es ist kein Wettbewerbstext und da es um die Metapher geht, finde ich, wurde die Metapher auch gut gespielt :)

    21.09.2012, 10:29 von chrisbow
    • 0

      super, der Tippteufel hat natürlich das Prädikat im ersten Nebensatz vergessen - auf der Startseite sah - was nicht meint, dass jeder Startseitentext gut ist, besser wäre wohl gewesen, zu schreiben, als ich die Überschrift las...

      21.09.2012, 10:31 von chrisbow
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  • 0

    Hast mich mit einfachen Worten mitten ins Herz getroffen..

    21.09.2012, 10:15 von ladydy
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  • 2

    Ich spiele viel zu gerne und mit enthusiastischer Freude, als dass ich das gut finden könnte. Aber die Idee is nich schlecht.

    20.09.2012, 23:14 von nyx_nyx
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  • 0

    für meine verhältnisse etwas emotionslos geschrieben, dennoch irgendwie berührend und traurig...

     

    "Du hast gelegt und ein Wort gibt das andere, während wir uns anschweigen und stattdessen das Spielbrett mit Wörtern füllen."

     

    finde ich ein ganz toller toller toller satz!!!

    20.09.2012, 16:18 von strenchen
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  • 0

    Die Idee finde ich gut, an der Umsetzung stört mich, dass alles so blass bleibt. Die Reaktionen der beteiligten sind so schwach.

    Spielt man wirklich miteinander, wenn man sich nichts mehr zu sagen hat? Mir kommt die Situation unrealistisch vor.

    20.09.2012, 10:14 von Tanea
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      Die Reaktionen der Beteiligten sind aus einem bestimmten Grund schwach; in der ersten Fassung heißt es "[...] nur schwarze Linien, die sich von ihren Hintergund fast so schmerzhaft genau abgrenzen, wie unser beider Leben voneinander". Soll heißen man weiß eigentlich, dass es zu Ende geht oder zu Ende ist, nicht zuletzt dadurch, dass man sich tatsächlich nichts mehr zu sagen hat, es ist keine Überraschung, nur die endgültige Erkentnis. Deshalb spielen sie, um wenigstens die Illusion zu erzeugen, dass es da tatsächlich noch Dinge gibt, die man zusammen macht. Und Spiele spielen ist da von daher geeignet, weil du ja eigentlich Aktionen hast, die du eben ausführst und damit einen Grund, keine Konversation zu betreiben. Es ist ein letzter Versuch des Nicht-wahrhaben- Wollens, was nicht wahr werden soll. Das die Erkenntnis, dass es tatsächlich vorbei ist während des Spielens kommt, kannst du unter künstlerischer Freiheit oder so verbuchen.

      20.09.2012, 13:39 von sheenamy
    • 0

      Okay.

      20.09.2012, 13:41 von Tanea
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  • 2

    Ich nicke leicht,
    du weißt warum,
    der Text ist seicht,
    ein furz, kurzum.

    Ungefähr so inspiriert er.

    19.09.2012, 20:01 von MaasJan
    • 0

      und auch der Furz, sry.

      19.09.2012, 20:02 von MaasJan
    • 2

      Ich hab deinen Standpunkt auch ohne korrekte Groß- und Kleinschreibung verstanden.

      19.09.2012, 20:05 von sheenamy
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      mist.

      19.09.2012, 20:09 von MaasJan
    • 1

      Deine Lürik ist wie lauwarme Diarrhoe, welche die Beine herunterläuft.

      19.09.2012, 20:21 von quatzat
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      iiih

      20.09.2012, 10:24 von halbkindmf
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  • 1

    Hier und da liest es sich etwas holprig und die Flüchtigkeitsfehler stören, aber die Stimmung und das Gefühl haben mich erreicht.Melancholisch schön.

    19.09.2012, 19:52 von lalina
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    Ich find die Grundidee eigentlich ganz gut, wenn auch sehr vorhersehbar, aber die vielen Flüchtigkeitsfehler und tausendfach gelesene, ausgelutschte Metaphern wie "laut dröhnende Stille" verderben mir den Lesespaß dann doch leider. Selbst im redaktionellen Teaser steckt ein Fehler, wofür die Autorin (?) natürlich nichts kann.

    19.09.2012, 19:33 von justanotherpicture
    • 0

      Dann werd ich mir das Ganze wohl nochmal durchlesen müssen :-)

      19.09.2012, 19:36 von sheenamy
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      Tu das! Ich meinte natürlich Oxymoron statt Metapher. ;)

      20.09.2012, 01:17 von justanotherpicture
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    Wunderbar geschrieben.

    19.09.2012, 18:10 von emframofer
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