Schwarze Witwe
Acht Beine und Haare auf dem Rücken.
Acht Beine, acht Augen. Und eben Haare auf dem Rücken.
So saß sie dort. Schien festgewachsen in ihrem Netz, gesponnen aus Eitelkeit, verletztem Stolz und bittersüßem Hass.
Saß dort und besah sich das, was sie als das Ihre betrachtete. Mit Argusaugen ließ sie den Blick schweifen und stellte für sich fest, sie wollte es eigentlich nicht verlassen, dieses Heim.
Sie bewachte es. Das musste sie, ihr blieb nichts anderes. Keinesfalls wollte sie das Feld einer anderen überlassen.
Tag um Tag, Jahr um Jahr hatte sie an diesem Netz gesponnen. Hatte es gehegt und gepflegt, die Fäden dicht gewoben. Das war wichtig, was konnte einem nicht alles durch die Lappen gehen?
So war mit der Zeit ein recht angenehmes Umfeld entstanden, in dem ihr die Beute mehr oder weniger von selbst in die Falle ging. Die zappelte dann ein wenig und versuchte sich zu befreien, doch das Ende war klar.
Über kurz oder lang landete alles in ihren Fängen, brachte ihre Verdauung auf Trab und hielt sie am Leben.
Ein Leben, das sie in seiner Behaglichkeit zu langweilen begann. Sie wollte Abwechslung und begann, achtäugig sich umzublicken. Achtbeinig in die Welt hinauszustaksen.
In eine Welt, die ihr verlockend schien mit ihren Abenteuern und hier und dort gebündelten Lüsten.
In eine Welt, die sie, achtbeinig, sich nicht erschließen konnte. Sie war nicht geschaffen dafür.
Stolperte.
Fiel.
Blieb eine Weile liegen.
Und rappelte dann sich hoch, um zurückzukehren zu dem, was sie das Ihre nannte, obwohl sie es eigentlich längst aufgegeben hatte.
Zog sich zurück in ihr Netz, die Fäden streng und dicht gewoben. Um sich zu schützen diesmal. Vor den Wirren der Welt.
Um den Blick versperren zu können und der Behaglichkeit die Hand zu reichen.
Es war ein Netz aus Feigheit, gekränktem Stolz und ... Liebe.
Saß dort und besah sich das, was ihr nun wert schien, bewacht zu werden.
Saß dort und sah achtäugig sich um, bis ihr Blick hängenblieb an etwas, ohne das ihr Netz nutzlos war.
Vor ihr lagen die sich noch immer regenden Überreste eines Männchens. Es war nicht schnell genug gewesen nach vollzogenem Akt.
In keinem Fall überließ die schwarze Witwe das Feld einer anderen.




Kommentare
Punkt
27.03.2009, 22:53 von Closer71toller einfall und schön geschrieben!
14.01.2009, 19:02 von BlondBlauBloedhach. nun doch unter die fabelschreiber gegangen, wie?
12.04.2008, 20:25 von PDKnicht schlecht nicht schlecht frau federchen.
oh paula... schön geschrieben...
12.04.2008, 20:22 von LauraLLDu bist die Witwe, nicht wahr?....
04.04.2008, 14:10 von FrauSeltsamEin wunder-wunderschöner Text mit extrem viel Tiefe und Inhalt!!!! Alles sehr gut verpackt........und lesenswert!!!
01.04.2008, 13:03 von XeNia79