calzifera 14.03.2007, 21:39 Uhr 5 2

schwarz - weiße Gewohnheit

Wenn ich mich derzeit bildlich darstellen müsste, würde ich mich in eine Bilderfolge packen

...in einen Comicstrip, den man nicht ganz nachvollziehen kann und der den Betrachter verwirrt zurücklässt.


Auf dem ersten Bild kauere ich irgendwo im Dschungel in einem Erdloch. Derart tief, dass ich den Himmel über mir nur als kleines Lichtloch wahrnehmen kann, zu klein als das ich etwas davon hätte. Eigentlich sollte ich mich nicht beschweren. Täglich wird mir Essen gebracht, ich kann mich reinigen, habe Bücher für die Langeweile, leere Seiten für Worte die hienaus wollen und sogar eine Decke für die Nächte. Was bräuchte ich mehr? (Ein kleines, pochendes etwas in meiner Nähe weiß es. Aber ich frage es nicht.)

Du trittst an den Rand meiner Behausung, blickst hienab auf mich, findest mich schlafend vor. Die Decke nicht als Schutz vor der Kälte über dem Körper, sondern als Knäuel in den Armen - niedlich die Kleine, wirkt so hilflos. Dein anerkennender Blick zeigt, dass dir gefällt was du siehst und dein Schwenk zu den Bücherbergen und Textplantagen in meinem Loch zeien dir, dass ich nicht dumm sein kann.

Du bist wiedergekommen. Hast ein Seil in der Hand. Du ziehst mich nach oben ohne mich zu fragen ob ich das will. Aber das ist nicht schlimm, ich brauch keine Angst vor dir zu haben. Ich weiß das du mir nicht wehtuen kannst, da ich ein Geheimnis habe. Mein Herz hab ich zurückgelassen. Es liegt in einer kleinen, runden Schachtel, dort unten im Dunkel und nur ich weiß das.

Ich blinzele. Meine Augen sind überfordert von so viel Helligkeit... wie bunt alles ist... Derart viele Gerüche, ich hatte vergessen das es sie gibt. Hatte mich nach all der Zeit zu sehr an den trockenen Erdgeruch gewöhnt, kannte nichts anderes mehr als das dunkle, immer gleichbleibende Grau. Ich bin eine kleine, schwarze Strichfigur inmitten einer riesigen Pflanzenwelt.

Tag für Tag laufen wir Arm in Arm durch den Dschungel. Das riesige Lächeln auf meinem Gesicht zeigt, dass ich glücklich bin. Nur glücklich. Doch nur dieser kleine Farbklecks, sie, weiß was fehlt, warum diese Harmonie so perfekt scheint. Sie ist nicht verliebt. Kann alles in vollen Zügen genießen, auch wenn sie weiß, dass es ein Ende haben wird. Das hat es immer und viel zu früh. Zumindest für sie. Doch diesmal ist es nicht schlimm, diesmal ist sie vorbereitet. Wenn es vorbei ist, wird es Bedauern und ein klein wenig Sehnsucht zurücklassen, aber dieses Mal keine Fleischwunde in ihrem Brustkorb, die sie am Atmen hindert und zu Leben unerträglich macht.

Es ist Nacht in unserem Dschungel. Wir liegen unter eng beieinander unter einer Palme und schlafen. Nein, wir nicht. Nur ich. Du liegst wach, starrst mit offenen Augen ins Leere und denkst nach. Stehst auf einmal auf.

Du hast gemerkt das etwas nicht stimmt, es fehlt etwas - mein Misstrauen. Du gehst zu der Stelle, an der du mich vermeintlich gerettet hast. Guckst hienab in die gähnende Schwärze. Siehst auf einmal eine Reflexion, als das Licht deiner Taschenlampe auf die glatte oberfläche eines Gegenstandes trifft. Du steigst hinab.

Du übergibst mir ein Päckchen. MEIN Päckchen. Freudestrahlend presst du mein Herz durch meine Rippen, zurück in meinen Brustkob und ignorierst meine Tränen, die kleine Krater in den Sand zu meinen Füßen schlagen.

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5 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    ui, danke. das war n aufbauender kommentar. :)

    09.04.2007, 01:10 von calzifera
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    wow. du kannst richtige bilder mit deinen worten malen..
    beeindruckend!

    08.04.2007, 20:58 von mmhh
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    aha...

    28.03.2007, 17:01 von Trullachen
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    "Die Decke nicht als Schutz vor der Kälte über dem Körper, sondern als Knäuel in den Armen"

    ..ja :/

    hab dir ja schon vor ner weile gesagt wie ich den text finde. vielleicht darf ich ja irgendwann mehr davon lesen..

    16.03.2007, 17:07 von KoenigTecki
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