wonderwall.8 30.11.-0001, 00:00 Uhr 98 200

Schwalbenschiss

Du hast dich gefreut mich zu sehen. Mich angelächelt. Meine Hand gehalten. Und bist mit einer Anderen nach Hause.

Frei sein. Das ist mir das wichtigste. Gehen wohin ich will, mit wem ich will.

Irgendwann da traf ich dich.

Frei sein. Das ist dir das wichtigste. Gehen wohin du willst, mit wem du willst.

Also nahm ich dich mit zu mir. Einfach so. Es war schön. Nicht mehr und nicht weniger. „Nur was Lockeres.“ versprachen wir uns.

Es folgten weitere Nächte. Dann flog jeder, frei wie er war, zu Anderen. Neue Betten, neue Nächte. Es war so einfach.

Bald verbrachte ich einen Monat weit weg von hier und von dir.

Als wir uns wiedersahen, rutschte es mir raus: „Gab es Andere in der Zeit? Sag ruhig, das ist mir egal.“ Du sagtest nein und es war mir egal.

„Und bei dir?“ Ich log dich an, sagte nein und es war mir egal. Ich mochte dich.

Dann passierte das, was irgendwann passieren musste. Ich traf dich sturzbetrunken auf einer Party. Du hast dich gefreut mich zu sehen. Mich angelächelt. Meine Hand gehalten.  Und bist mit einer Anderen nach Hause.

Es war mir verdammt nochmal nicht egal!

Das Gefühl mochte ich nicht. Es war alles, nur nicht frei. So kannte ich mich nicht. Eifersucht gehört nicht zu mir. Das ist was für Menschen, die nicht loslassen können, wenn es schon lange zu spät ist.

Gestern dann auf dem Konzert, auf das ich mich so gefreut hab, standest du auf einmal neben mir. Du hast dich gefreut mich zu sehen. Mich angelächelt. Meine Hand gehalten.  Und mich nach Hause gebracht. Auf dem Weg rutschte es mir heraus: „Hast du mit ihr geschlafen?“.

Deine Schritte wurden langsamer und du antwortetest klar und deutlich: „Ja“.

Mir wurde heiß. Mein Gesicht wurde rot und mein Herz fing so laut an, zu klopfen, dass ich mich sorgte du hörst es traurig und wütend schlagen.

„Ich dachte, dir sei das egal!“ – „Nein, jetzt nicht mehr.“, flüsterte ich. Und da lag sie also. Meine geliebte Freiheit. Wie eine tote Schwalbe auf dem Asphalt. Auf dem Boden der Tatsachen sozusagen.

Dein Schweigen passte perfekt. Beerdigungsstimmung sozusagen.

Aber dann fanden deine Worte doch noch den Weg zu mir. „Wieso hast du das nicht vorher gesagt? Das hätte alles geändert…"

Und als wir da so vor meiner Tür standen, du meine Hand hieltest und mich ansahst, wie du es noch nie getan hast, da wollte ich dich nur bei mir haben. So nah wie möglich.

Und als wir dann da so lagen, uns ansahen, wie wir es noch nie getan haben, wussten wir, irgendwas wird sich ändern, auch wenn wir furchtbaren Schiss davor haben. Schiss davor, verletzt zu werden, unsere Freiheit zu verlieren und besonders vor diesen großen Gefühlen, die auf einmal durch den Raum schweben. Hier und Jetzt.

Und so lag ich da und lächelte glücklich der Tätowierung auf deinem linken Arm entgegen.

Es ist eine Schwalbe.

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98 Antworten

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    mega gut!

    21.01.2014, 20:40 von stummekoenigin.
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    großartig. ich fühle mich total ertappt. du hast doch über mein leben geschrieben

    05.01.2014, 15:58 von gigi_
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    Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Aber einen netten Text.

    30.12.2012, 00:42 von karl_kopf
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    Laaaaaaaaangweilig

    29.12.2012, 09:57 von Loo
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    igitt

    29.12.2012, 00:39 von SexyBrigitte23
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    überragend. da lief es mir doch grad eiskalt den rücken runter und ein dickes Kopfkino längst verganger Zeiten machte sich wieder sichtbar. schön. danke. :)

    23.12.2012, 22:50 von Louiza_blinkt
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    ich mag, dass es so eine runde Geschichte ist - Schwalbe sei Dank :)

    23.12.2012, 12:48 von marie-gold
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    Großartig! Ich finde mich gerade total darin wieder, weil es mir einfach genauso geht. :)

    23.12.2012, 11:09 von jennygehtbunt
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  • 5

    Nee, nach wie vor nicht mein Text. Nüchtern und betrunken gelesen. Keine schöne Sprache, kein einziger Satz, der nachhält. Nee, nee, nee.

    23.12.2012, 02:42 von lalina
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